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Weitere Gedichte von hl (Heidi Lachnitt)

aus "Elfenlied und Menschenleid"



Regenbogengedichte

Ich tanze auf dem Regenbogen
ich fliege auf den Mond
zünd auf den Sternen die Lichter an
schau nach wer im Himmel wohnt

im Reich der bunten Phantasie
da kann ich glücklich sein
in meinen Träumen ist alles wahr
und niemand ist dort allein

Ich zünd auf den Sternen die Lichter an
ich tanze auf dem Regenbogen
und wenn du willst dann tanz mit mir
bis in den Himmel droben

*****

traumland

wenn die wirklichkeit dich überfällt
geh über die regenbogenbrücke
ins land der erinnerung
ins land der träume

hol das schöne dir zurück
erfinde die welt neu
finde liebe und glück
im land der erinnerung
im land der träume

wirklichkeit wird zur erinnerung
irgendwann
und dein traum wird wahrheit
denk daran
und träume......

*****

lass mir meine träume

lass mir meine träume
meine bunten träume, die mich
die wirklichkeit vergessen lassen
nur für einen moment
zum ausruhen
um kraft zu schöpfen

lass mir meine träume
meine bunten träume, die mir
ideale zurück holen
die ich im rauhen alltag
manchmal vergesse

ich weiss: das leben ist nicht so
menschen sind .. menschlich
realität bleibt bestehen
... wenn ich träume
meine bunten träume

*****

nur

träume nicht..
den regenbogen gibt es
nur zwischen sonne und regen

verblasst.. allein im regen
vertrocknet .. allein in der sonnenglut

im zwielicht des morgens wenn
sanfter regen strömt und
die hoffnung auf sonne besteht
kannst du ihn erahnen den
regenbogen zwischen sonne und regen

*****

Frühlings- u. Liebesgedichte

Grau und feucht sind noch die Tage
wolkenverhangen der Blick
Frühling du ferne Sage
wann kehrst du zurück?

Ich träume: Auf grünen Wiesen
mit zarten Gräsern und frischem Moos
sich warme Sonnenstrahlen ergießen
ein Schmetterling fliegt auf meinen Schoß
die kleinen Sänger sind wieder da
und der Gesang der fröhlichen Schar
macht das Herz mir weit und die Seele froh
der Winter verschwindet im Nirgendwo

Frühling du ferne Sage
wann kommst du und bleibst bei uns
so grau und nass sind noch die Tage
komm, schenk uns endlich deine Gunst!

*****

Schlaflied

Ich sing Dir ein sanftes Wiegenlied
das sagt Dir, Liebster,
ich habe Dich lieb

Schlafe ruhig, mein Liebling, träume süß
vom Frühling und Liebe
auf einer Wies'

die duftet nach Gras und Wiesenschaumkraut
der Himmel ist blau und
die Sonne schaut

gerührt auf uns beide, sie sieht uns von fern
ich hab' Dich so lieb
und von Herzen gern

Ich sing Dir ein sanftes Wiegenlied
das sagt Dir, Liebster,
ich habe dich lieb

*****

Frühlingstraum

es dauert nicht mehr lang, mein Herz
dann wird es wieder grün
der Vögel süßes Lied, mein Herz
hörst du es? es klingt so schön
und Schmetterlinge fliegen
der Himmel ist so blau
im grünen Gras und in der Sonne liegen
vergessen ist das Grau

Es dauert nicht mehr lang, mein Herz
dann bin ich dir so nah'
die Wärme meiner Hand, mein Herz
fühlst du sie? ja, ich bin da
und deine Lippen streicheln
die meinen zärtlich, süß
mit leis' gesummten Liebesweisen,
erwacht das Paradies

*****

so lange ich Dich habe
singt mein Herz zärtliche Lieder
von Freude und Liebesglück

so lange ich Dich habe
gibt es Boden unter meinen Füssen
obwohl ich im Himmel schwebe

so lange ich Dich habe
bin ich reich an Gefühlen
ich schenke sie Dir

so lange ich Dich habe
hast Du auch mich
niemand soll uns trennen

*****

Nachtgedichte (nur bei Tag zu lesen)

Tränen vielleicht?

Dunkel liegt in der Luft
schweigend, frostig, kalt
die Sonne scheint
über mein Herz hinweg
erreicht nicht meine Seele
die erstarrt ist im Schweigen
Tränen?
vielleicht zum Wärmen?

*****

rand

am rand der zeit sing ich mein lied
das vom allegro
in dur und moll geriet

am rand der zeit sing ich allein
die alte verzweiflung
zieht in mir ein

am rand der zeit will ich jetzt schweigen
hör aus der ferne
leis' des herbstes geigen

der rand der zeit hört mein gelächter
zum spott mir selbst:
es ging dir doch schon schlechter

schreib deine verslein aus dem leid
was nutzen tränen dir
am rand der zeit....

*****

In der Nacht..

wenn der Schlaf dich flieht
und das Dunkle zieht...
du wehrst dich dagegen
du suchst doch das Leben

..
wenn sich Traum verwebt
und das Herz erbebt
stellen sich Fragen
aus dunklen Tagen

..
wenn beim Lampenschein
das Leben wird klein
wird das Herz so groß
die Seele liegt bloß

Allein in der Nacht
brechen deine Gedanken
durch alle Schranken
denn keiner hält Wacht

.. in der Nacht

*****

müde Füsse

müde füsse
auf dunklen strassen
müde gedanken
müdes herz

traum kämpft
gegen realität
hoffnung
gegen leere

doch
niemand hat dir
den rosengarten
versprochen

bittere wahrheit
gewinnt an substanz
herz will nicht glauben
- tanz elfe, tanz!

auf den straßen
mit müden füssen
müden gedanken
und müdem herz..

*****

sanftes Licht

kleine Lampe
sanftes Licht
weiche Schatten
formen Gesicht
rufen Sehnen
sehen Tränen
trocknen wieder
Augenlider
leise Gedanken
ins Dunkel ranken
löschen das Licht
weine nicht..
kleine Lampe
sanftes Licht

*****

nachtmar

kinderlied singt leise
altvertraute weise
weckt dich aus dem traum

sternlein fällt herunter
nebel steigt empor
silberwasser fließen
fließen ins dunkle moor

kinderlied singt leise
von vergang'ner zeit
und von herzens leid

zorngestalten zeigen
drohend ihre macht
alte ängste fliegen
fliegen durch die nacht

kinderlied singt leise
altvertraute weise
singt dich in den traum

himmel färbt sich rot
kündet vom morgen
kleine vögel zwitschern
zwitschern ohne sorgen

kinderlied singt leise
immer gleiche weise
kindertraum...

*****

Menschenleid

Adieu, Frau A.

übermorgen ist Ihr Geburtstag
dann haben Sie ihr hundertstes Lebensjahr vollendet
jetzt liegen Sie ganz still in Ihrem Bett
Ihr Gesicht ist klein und blass
Sie sterben -
Ich höre noch Ihre tiefe herrische Stimme
"Räumen Sie das weg!" rufen Sie
oder "Bringen Sie mich auf mein Zimmer!"
Sie konnten Stunden vor dem Aquarium sitzen
und sich über das bunte Getümmel der Fische freuen
"Das ist schön!" sagten Sie
Sie forderten - und bekamen -
Achtung und Respekt
Sie gaben
ein Lächeln das ich nicht beschreiben kann
es war mir reichlicher Dank

Heute habe ich erstmals Tränen auf Ihrem Gesicht gesehen
es erschien mir - so unpassend - es tat mir weh
vorsichtig habe ich Ihre Tränen abgetupft
Sie sollten nicht merken, daß sie da waren
Wenn ich jetzt über Ihre Hand streiche
habe ich ein schlechtes Gewissen
Sie mochten keine Vertraulichkeiten
"Lassen Sie das!" sagten Sie

Zwei Tage später sind Sie gestorben
still in der Nacht um vier Uhr morgens
an Ihrem Geburtstag
ich habe Sie nicht mehr gesehen
aber man hat mir erzählt
daß unser Freund, der Tod
Ihr Gesicht geglättet hat
und Sie mit Würde
von uns gegangen sind
Adieu, Frau A.

*****

auch Sie..

Liebe Frau H.,

auch Sie sind nun von uns gegangen
Ihr Foto liegt hier neben mir
ein letztes liebes Lächeln von Ihnen
Sie gaben uns viel, trotz
zeitweiser Wirrung Ihres Gedächtnisses

sind Sie sich selbst treu geblieben

Sie liebten
die Menschen, die Natur und
Gott
niemals nahmen Sie etwas übel
mit Ihrem feinen leisen Lächeln
übermittelten Sie uns Ihr
Verständnis und Ihre Verzeihung
Ihre letzten Jahre waren geprägt von

Schmerzen und Angst

Angst die aus Ihrer Verwirrung entstand
Angst vor einer ganz plötzlich unbekannten
Umwelt, vertraute Menschen die auf einmal
fremd schienen
Gegenwart die sich mit Vergangenheit mischte
Stimmengewirr und Lärm von allen Seiten
unverständlich geworden

Sie verstanden nicht mehr.....

Nur wenn Sie im stillen Zimmer
aus dem Fenster schauten
in den blauen Himmel, die grünen Wiesen
die Bäume, die im Wind wehten - dann
sagten Sie: "Das ist schön!! " und

"Wir müssen mal wieder nach draußen geh'n"

Jetzt haben Sie Frieden und Ruhe
bei Ihm und der blaue Himmel
ist jetzt Ihre Heimat.

Ich hätte Sie gerne
noch einmal gesehen.....

*****

hilflos..

Flehende Augen sehen mich an
einsam, verlassen
und stumm vor Leid
flehen um Liebe
flehen um Zuwendung
flehen um meine Zeit

Flehende Stimmen sprechen mich an
verwirrt, verängstigt
in einer fremden Welt
flehen um Liebe
flehen um Zuwendung
flehen um meine Zeit

Flehende Körper sehe ich an
gekrümmt, verkrampft
verfaulend bei lebendigen Leib
flehen um Befreiung
flehen um Erlösung
flehen um Todes Zeit

Flehende Stimmen sprechen DICH an
schon heiser und leise
geworden vom Leid ..

*****

Verzeihen Sie uns!

Sie waren ein netter Mensch, intelligent, gebildet, kreativ
Sie waren in ihrem Leben immer der Chef
ob im Beruf oder in der Familie
und auch hier bei uns
im Pflegeheim

Meistens sehr freundlich, sehr liebenswürdig
aber auch bestimmt
verfügten Sie über unsere Zeit - mehr Zeit als wir hatten
Sie klingelten - wegen Kleinigkeiten (?)
waren uneinsichtig gegenüber Ratschlägen

Allerdings - Sie waren krank, sehr krank
seit langer Zeit
ein geübter Patient, der seine Krankengeschichte auswendig wußte
an's Bett gefesselt, abhängig vom Sauerstoff
abhängig von zu vielen Dingen

Wir haben geschimpft über Ihre allzu vielen Wünsche
(außerhalb ihres Zimmers natürlich)
und manchmal konnten wir nur mit Mühe
unsere Ungeduld vor Ihrer Zimmertüre ablegen
um Ihnen freundlich und hilfsbereit entgegen zu kommen

Wir haben, unter Zeitdruck und Überforderung, vergessen,
dass Sie ein Mensch sind, der seine letzten Tage hier verbringt
dass Ihre Ansprüche nicht überzogen waren
es waren nur zu viele Dinge, die Sie nicht mehr selbst erledigen konnten
das machte auch Sie ungeduldig

Sie kamen aus dem Krankenhaus zurück zu uns
um bei uns zu sterben
Ihre letzten Worte waren:
Helfen Sie mir, erlösen Sie mich!
Am nächsten Tag wurden Sie von einer höheren Stelle erlöst
Was uns bleibt, ist ein schlechtes Gewissen
wegen unserer unfreundlichen Gedanken
die eigentlich nicht Ihnen galten, sondern den Umständen,
die entstanden sind aus ständiger Überforderung
bedingt durch zuwenig Zeit, zuwenig Personal.

Was uns bleibt, ist ein schlechtes Gewissen
weil wir den uns anvertrauten alten Menschen
nicht geben können, was sie brauchen:
Verständnis, Zeit und Zuwendung
Wir müssen mit diesem schlechten Gewissen
leben und arbeiten

*****

Spiegel

Manchmal während des Dienstes
schaue ich in einen Spiegel
um zu sehen ob das Gesicht dort
wirklich noch meines ist

ob es wirklich mein Mund war
der gerade in scharfen Ton
mit einer alten Dame gesprochen hat

ob es wirklich meine Augen sind
die eben weggesehen haben
um den Wink des alten Herrn nicht zu sehen

ob es wirklich meine Ohren sind
die sich verschlossen haben
vor dem ständigen Rufen und Schreien

ich sehe in den Spiegel und mich fröstelt
habe ich wirklich aufgegeben,
mich dem Zeitdruck unterworfen?

mir wird heiß
und ich gehe zu der alten Dame
und rede mit ihr und höre ihr zu
ich fahre den alten Herrn zum Kiosk
damit er einkaufen kann
und ich gehe zu denen,
die rufen und schreien vor Langeweile
und singe ein paar Lieder mit ihnen

30 Minuten gestohlene Zeit
aber ich kann mich wieder
im Spiegel sehen

*****

auch das..

du hörst meine worte
doch du verstehst sie nicht
weil du selber sprichst

du siehst mein gesicht
doch du siehst die tränen nicht
weil du selber weinst

du bemerkst meine schmerzen
doch du fühlst sie nicht
weil deine schmerzen dich beschäftigen

du sprichst mit mir
doch ich versteh dich nicht
du sprichst nicht meine sprache

ich sehe dein gesicht
doch ich sehe nicht die zeitnot
weil ich mir wichtiger bin

deinen schmerzenden rücken
ignoriere ich weil
ich selber schmerzen habe

du sprichst nicht meine sprache
ich spreche nicht deine sprache
du siehst mich nicht
ich seh dich nicht
du fühlst nicht mit mir
ich fühle nicht mir dir
wir sind in babylon

*****

Wolkengrau (Gebet einer alten Frau)

lieber Gott, schick mir die Sonne
(die durch das Fenster auf mein Gesicht scheint und mich wärmt)
ich bin so allein

lieber Gott, schick mir den Sturm
(damit ich die Bäume im Wind tanzen sehe )
ich bin so allein

lieber Gott, schick mir einen Menschen
der mit mir redet
der mit mir fühlt
der mit mir weint
ich bin so allein

lieber Gott, nimm mir das Wolkengrau
ich bin so allein

lieber Gott, nimm mir die Liebe
(zu meinen längst dahingegangenen Lieben)
ich bin so allein

lieber Gott, nimm mir meine Gedanken
die mich sehnen lassen
die mich traurig machen
die mich des Lebens müde machen
ich bin so allein

lieber Gott, nimm mich zu Dir
ich bin alt und ich bin so allein

*****
hl


Copyright(c) Heidi Lachnitt (hl)


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