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THEMA:   Gedichte Kapitel 27

 90 Antwort(en).

team seniorentreff begann die Diskussion am 09.08.02 (09:19) mit folgendem Beitrag:

Kapitel 26 ist unter

http://www.seniorentreff.de/diskussion/archiv4/a325.html

archiviert.

Die Mailliste und der letzte Beitrag aus Kapitel 26 wird hierher übertragen.

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Seidel antwortete am 09.08.02 (09:20):

Jahreszeiten

Grüner Frühling kehret wieder,
bringt uns Blüten ohne Zahl,
Und sein fröhliches Gefieder
jauchzt in Wald und Wiesental,
Jubelt ob dem Saatenfeld:
O, wie herrlich ist die Welt!

Goldner Sommer, da in Bogen
hoch die Sonne glänzend geht,
Und mit windbewegten Wogen
sanftes Flüstern heimlich weht,
Durch das reiche Ährenfeld:
O, wie herrlich ist die Welt!

Brauner Herbst, wo Früchte drängen
sich im Garten und im Wald,
Wo von sanften Rebenhängen
froh das Lied der Winzer schallt
Über das geleerte Feld:
O, wie herrlich ist die Welt!

Weißer Winter - schneeverhangen
liegt die Welt in stillem Traum;
In demantnem Glanze prangen
Wald und und Wiese, Busch und Baum,
Und im Silbersachein das Feld:
O, wie herrlich ist die Welt!

Ob der Frühling grünt und blühet,
Sommer steht in goldnem Kleid,
Ob der Herbst in Farben glühet,
ob's im Winter friert und schneit -
Glücklich, wem es stets gefällt:
O, wie herrlich ist die Welt!

Heinrich Seidel


Martina Siegel antwortete am 09.08.02 (19:23):

Hallo ich suche so einige Gedichte,von denen meine Oma nur noch einige Verse kennt, vielleicht kann der ein oder andere mir den Autor oder sogar die Gedichte schreiben:

ein KIndergedicht:
Der Storch ließ auf dem Dach sich nieder
und sagt hier bin ich wieder
sagt Kinder was ist geschehn
seit ich das Dörfchen nicht gesehen.
....

Ein Gedicht, in das von einem blinden König handelt

Ein Gedicht in dem vorkommt: Uwe,mein Uwe


KlausKlaus antwortete am 09.08.02 (20:12):

Hallo Martina Siegel,

bei dem Gedicht: "Uwe, mein Uwe ..." könnte es sich um die
Ballade NIELS RANDERS von Theodor Storm handeln.

Gruß Klaus


Dirgni antwortete am 09.08.02 (22:28):

Hallo Martina,

Der blinde König könnte die Ballade von Ludwig Uhland sein
http://www.angelfire.com/de/voelkhome/Derbli1.html

Die Ballade Nils Randers konnte ich im Netz nicht finden, wenn es Dir wichtig ist, könnte ich sie aber aus einem meiner Bücher abschreiben.

Das Storchengedicht kenne ich nicht.


hl antwortete am 09.08.02 (22:34):

Nis Randers
(Otto Ernst, 1862 - 1926)

Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd -
Ein Schrei durch die Brandung!


Und brennt der Himmel, so sieht man’s gut:
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sich’s der Abgrund.

Nis Randers lugt - und ohne Hast
Spricht er: "Da hängt noch ein Mann im Mast;
Wir müssen ihn holen."


Da fasst ihn die Mutter: "Du steigst mir nicht ein!
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
Ich will’s, deine Mutter!


Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
Mein Uwe, mein Uwe!"


Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
"Und seine Mutter?"


Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
Hohes, hartes Friesengewächs;
Schon sausen die Ruder.


Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muss es zerschmettern...! Nein: es blieb ganz!...
Wie lange? Wie lange?


Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
Die menschenfressenden Rosse daher;
Sie schnauben und schäumen.


Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des andern springt
Mit stampfenden Hufen!


Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? - Ein Boot, das landwärts hält -
Sie sind es! Sie kommen! -


Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt...
Still - ruft da nicht einer? - Er schreit’s durch die Hand:
"Sagt Mutter, ‘s ist Uwe!"


hl antwortete am 09.08.02 (22:36):

Nis Randers
Der 1990 getaufte Seenotkreuzer NIS RANDERS wurde nach einer Figur aus dem gleichnamigen Gedicht des Hamburger Pädagogen und Schriftstellers Otto Ernst benannt. Mit seinem "Nis Randers" charakterisierte der Dichter sozusagen den Archetypen des freiwilligen Seenotretters. Dieser Nis Randers, der ungeachtet der eigenen Gefahr und trotz flehender Worte seiner Mutter hinausfährt, um im schweren Sturm Schiffbrüchigen zu Hilfe zu kommen, verkörpert die Tugenden und Wesensmerkmale, die damals wie heute Grundvoraussetzungen für den Einsatz für den in Not geratenen Mitmenschen sind: Selbstlosigkeit und Freiwilligkeit. Zumindest für Schülerinnen und Schüler der älteren Jahrgänge galt das Gedicht von Otto Ernst, das im Folgenden wiedergegeben ist, als Standardwerk.

aus: http://www.dgzrs.de/Geschichte/meer_nis.htm

Internet-Tipp: http://www.dgzrs.de/Geschichte/meer_nis.htm


Dirgni antwortete am 09.08.02 (22:46):

Wie dumm von mir, den Titel falsch schreiben und unter falschem Dichter suchen - da kann man es wohl nicht finden :-)


Freddy antwortete am 10.08.02 (15:06):

Waldfrieden ( Ein Gedicht von Heinrich Zeise)
mit einen lieben Gruß an alle von Freddy

Mich lockt der Wald mit grünen Zweigen
aus dumpfer Stadt und trüber Luft;
es lockt mit seiner Sänger Reigen,
mit seinem feierlichen Schweigen
und seiner Blüten mildem Duft.

Es wölbt sich stolz der Buchen Krone,
und über Kiesel rollt der Bach;
die Drossel pfeift auf grünem Throne,
es spielt der Wind mit Orgeltone
im dichtverschlungenen Blätterdach.

Und welch ein Reichtum in den Weisen,
die in dem kühlen Waldeszelt
bald in Akkorden ,milden , leisen,
und bald in vollern mächtig preisen
die reiche, wunderbare Welt!

Am fernen Abhang stehn die Föhren,
dort ruht der Hirsch im kühlen Tann;
sie stimmen auch in vollen Chören,
um nicht die Harmonie zu stören,
ein feierliches Loblied an.

Es fliegt ein Falke durchs Gehege
mit lautem und mit heiserm Schrei;
den starken Fittich schlägt er träge,
hoch über ihm zieht seiner Wege
ein stolzer königlicher Weih.

Und Stille,wie in Kirchenhallen,
senkt sich auf Waldung,Tal und Flur;
Des Abends dunkle Schleier fallen,
im trauten Zwielicht hörst du schallen
den lauten Ruf des Uhus nur.

Dann steigt der Mond mit goldnem Scheine
am blauen Himmelsdom empor
und streut sein Gold rings auf die Haine,
auf Feld und Flur,auf grüne Raine,
und auf das düstre,stille Moor.

Die Ruhe die das All umschlungen,
zieht auch in deine Seele ein;
der innere Zwiespalt ist verklungen,
du hast den Frieden dir errungen,
des Herzens Saiten tönen rein


Heidi antwortete am 10.08.02 (19:53):

Theodor Storm

Abseits

Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.
Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen.
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen,
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen, niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen,
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
-Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.

(1848)


de la antwortete am 12.08.02 (00:38):


1. Die Blümelein, sie schlafen
Schon längst im Mondenschein,
Sie nicken mit den Köpfchen
Auf ihren Stengelein.
|: Es rüttelt sich der Blütenbaum,
Er säuselt wie im Traum;
Schlafe, schlafe, du mein Kindlein. :|


2. Die Vögelein, sie sangen
So süß im Sonnenschein,
Sie sind zur Ruh' gegangen
In ihre Nestchen klein;
|: Das Heimchen in dem Ährengrund,
Es tut allein sich kund.
Schlafe, schlafe, du mein Kindlein. :|


3. Sandmännchen kommt geschlichen
Und guckt durchs Fensterlein,
Ob irgend noch ein Liebchen
Nicht mag zu Bette sein;
|: Und wo er noch ein Kindchen fand,
Streut er ins Aug' ihm Sand:
Schlafe, schlafe, du mein Kindlein. :|


4. Sandmännchen aus dem Zimmer,
Es schläft mein Herzchen fein,
Es ist gar fest verschlossen
Schon sein Guckäugelein.
|: Es leuchtet morgen mir Willkomm
Das Äugelein so fromm!
Schlafe, schlafe, du mein Kindlein. :|



Anton Wilhelm von Zuccalmaglio (1803-1869),
Satz von Johannes Brahms.


Martina Siegel antwortete am 12.08.02 (08:53):

Hallo an alle die mir geantwortet haben,

vielen Dank für Euer Bemühen, die beiden großen Gedichte stimmen.
Das Gedicht vom Storch ist wohl eher ein einfaches Kindergedicht, das meine Oma (92)in der Schule gelernt hat.
Zur Zeit ist sie im Krankenhaus und vielleicht gelingt es Euch ja noch, das Gedicht zu finden.

Danke Martina


hl antwortete am 12.08.02 (23:12):

Zum 200. Geburtstag

Franz Nikolaus Niembsch Edler von Strehlenau, der später unter dem Pseudonym Nikolaus Lenau Bekanntheit erlangte.
Geb. 13.8.1802 Csatád (heute: Lenauheim) bei Temesvár; gest. 22.8.1850 Oberdöbling bei Wien


1 Stimme des Windes

In Schlummer ist der dunkle Wald gesunken,
Zu träge ist die Luft, ein Blatt zu neigen,
Den Blütenduft zu tragen, und es schweigen
Im Laub die Vögel und im Teich die Unken.
Leuchtkäfer nur, wie stille Traumesfunken
Den Schlaf durchgaukelnd, schimmern in den Zweigen,
Und süßer Träume ungestörtem Reigen
Ergibt sich meine Seele, schweigenstrunken.

Horch! überraschend saust es in den Bäumen
Und ruft mich ab von meinen lieben Träumen,
Ich höre plötzlich ernste Stimme sprechen;

Die aufgeschreckte Seele lauscht dem Winde
Wie Worten ihres Vaters, der dem Kinde
Zuruft, vom Spiele heimwärts aufzubrechen.


2 Stimme des Regens

Die Lüfte rasten auf der weiten Heide,
Die Disteln sind so regungslos zu schauen,
So starr, als wären sie aus Stein gehauen,
Bis sie der Wandrer streift mit seinem Kleide.
Und Erd und Himmel haben keine Scheide,
In eins gefallen sind die nebelgrauen,
Zwei Freunden gleich, die sich ihr Leid vertrauen
Und Mein und Dein vergessen traurig beide.

Nun plötzlich wankt die Distel hin und wider,
Und heftig rauschend bricht der Regen nieder,
Wie laute Antwort auf ein stummes Fragen.

Der Wandrer hört den Regen niederbrausen,
Er hört die windgepeitschte Distel sausen,
Und ein Wehmut fühlt er, nicht zu sagen.


3 Stimme der Glocken

Den glatten See kein Windeshauch verknittert,
Das Hochgebirg, die Tannen, Klippen, Buchten,
Die Gletscher, die von Wolken nur besuchten,
Sie spiegeln sich im Wasser unzersplittert.
Das dürre Blatt vom Baume hörbar zittert,
Und hörbar rieselt nieder in die Schluchten
Das kleinste Steinchen, das auf ihren Fluchten
Die Gemse schnellt, wenn sie den Jäger wittert.

Horch! Glocken in der weiten Ferne tönend,
Den Gram mir weckend und zugleich versöhnend,
Dort auf der Wiese weiden Alpenkühe.

Das Läuten mahnt mich leise an den Frieden,
Der von der Erd auf immer ist geschieden
Schon in der ersten Paradiesesfrühe.


4 Stimme des Kindes

Ein schlafend Kind! o still! in diesen Zügen
Könnt ihr das Paradies zurückbeschwören;
Es lächelt süß, als lauscht es Engelchören,
Den Mund umsäuselt himmlisches Vergnügen.
O schweige, Welt, mit deinen lauten Lügen,
Die Wahrheit dieses Traumes nicht zu stören!
Laß mich das Kind im Traume sprechen hören
Und mich, vergessend, in die Unschuld fügen!

Das Kind, nicht ahnend mein bewegtes Lauschen,
Mit dunklen Lauten hat mein Herz gesegnet,
Mehr als im stillen Wald des Baumes Rauschen;

Ein tiefres Heimweh hat mich überfallen,
Als wenn es auf die stille Heide regnet,
Wenn im Gebirg die fernen Glocken hallen.

Nikolaus Lenau (1837)


de la antwortete am 13.08.02 (00:32):

Vor der Ernte


Nun störet die Ähren im Felde
Ein leiser Hauch.
Wenn eine sich beugt, so bebet
Die andre auch.


Es ist als ahnten sie alle
Der Sichel Schnitt -
Die Blumen und fremden Halme
Erzittern mit.


Martin Greif
(1839-1911)


Eva-Maria Linhoff antwortete am 13.08.02 (10:55):

Ich suche etwas Nettes zum 70. Geburtstag unseres Vetters. Was ich bei Google fand, fand nicht meine Zustimmung und das, was meine Zustimmung fand ist schon so bekannt und oft verwandt, daß ich hoffe - doch noch einen Tip von Euch Gedicht-Experten zu finden.
Beste Grüße von Eva-Maria
PS. Nis Randers hab ich auch in der Schule gelernt und das Wiederlesen nach all den Jahren, hat mich richtig angerührt. In welchem Gedicht kommt vor : "Kieloben treibt das Boot zu Lande und sicher fährt die Brigg vorbei"?


Richard antwortete am 14.08.02 (00:24):

Hallo, liebe Eva-Maria,
meine Mutter sang dieses Gedicht mit sehr viel Inbrunst.

Der Lotse
von Ludwig Giesebrecht (Leipzig 1836)

»Siehst du die Brigg dort auf den Wellen?
Sie steuert falsch, sie treibt herein
und muss am Vorgebirg' zerschellen,
lenkt sie nicht augenblicklich ein.

Ich muss hinaus, dass ich sie leite!«
»Gehst du ins offne Wasser vor,
so legt dein Boot sich auf die Seite
und richtet nimmer sich empor.«

»Allein ich sinke nicht vergebens,
wenn sie mein letzter Ruf belehrt;
ein ganzes Schiff voll jungen Lebens
ist wohl ein altes Leben wert.

Gib mir das Sprachrohr! Schifflein, eile!
Es ist die letzte höchste Not!«
Vor fliegendem Sturme gleich dem Pfeile
hin durch die Schären eilt das Boot.

Jetzt schießt es aus dem Klippenrande.
»Links müsst ihr steuern!« hallt ein Schrei.
Kiel oben treibt das Boot zu Lande,
und sicher fährt die Brigg vorbei.


sieghard antwortete am 18.08.02 (22:20):

Ich weiß, o Herr,
dass hier auf Erden
mir manches hart und bitter ist
und dass mein Herz
in den Beschwerden
oft deine Güte ganz vergisst!
Allein - ich glaube,
dass die Nacht
dereinst vor deinem Strahl
wird tagen,
und meine Lippen
preisend sagen:
Der Herr hat alles wohl gemacht.
[Droste]
.


pilli antwortete am 19.08.02 (08:35):

Viele Leute betrachten die poetische Literatur als eine Art Irrenhaus, worin sie alles sagen dürfen, was Ihnen anderwärts die Zwangsjacke zuziehen würde.
(Friedrich Hebbel)


Bernd W. antwortete am 19.08.02 (16:10):

Hallo, vielleich weiss ja hier jemand Autor und Titel eines Gedichtes, das beginnt mit der Zeile: "es ist das Jahr ein rundes Maß". Inhaltlich geht es um die Beschreibung eines Lebens als Analogie zu den Jahreszeiten. Wäre toll.


Adolf antwortete am 19.08.02 (21:23):

Zuspruch
Such nicht immer, was dir fehle,
Demut fülle deine Seele,
Dank erfülle dein Gemüt.
Alle Blumen alle Blümchen,
und darunter selbst ein Rühmchen,
haben auch für dich geblüht!
Theodor Fontane
Herzliche Grüße Adolf


sieghard antwortete am 19.08.02 (21:34):

An einem Sommermorgen,
Da nimm den Wanderstab,
Es fallen Deine Sorgen
Wie Nebel von Dir ab.
Des Himmels heitre Bläue
Lacht Dir ins Herz hinein
Und schließt, wie Gottes Treue,
Mit seinem Dach Dich ein.
Rings Blüten nur und Triebe
Und Halme, von Segen schwer,
Dir ist, als zög' die Liebe
Des Weges nebenher.

Theodor Fontane
.


de la antwortete am 19.08.02 (22:36):

Auf die Frage geschrieben, ob die Stare wohl blieben

(Wilhelm Busch)

Es flog ein muntres Starenpaar
Schon manches Jahr
Auf eine Pappel hoch und schön,
Um von da aus die Gegend sich anzusehn.
Fest sind die Dächer.
Kein Baum hat Löcher.
Mußten daher in Ermanglung von Höhlen
Sich wieder empfehlen;
Denn keine Wohnung war zu finden,
Einen Haushalt darin zu gründen.

Doch heuer kam, gewandt und heiter,
Ein schmucker Herr, ein dienstbereiter,
Mit einer Leiter,
Mit einem Kästchen,
Tät dies hoch oben am Baum befest'gen
Und stieg dann wieder
Zur Erde hernieder,
Indem er sich freut, daß er aus solcher Gefahr
Für diesmal glücklich entronnen war.

Inzwischen sahen in bedachtsamer Ruh
Die beiden Stare von weitem zu.
»Frau«, sprach das Männchen, »laß uns doch eben
Zu dem hübschen Häuschen hinüber schweben,
Ob's Türlein daran, was das wichtigste ist,
Auch mindestens fünf Zentimeter mißt;
Sonst würd' es besonders für dich zu klein,
Mein liebes, dickes Madamchen sein. -

Flugs fliegen die Vögel zum kleinen Haus,
Schlüpfen ein und aus
Und plappern vergnüglich:
»Gottlob, die Sache geht vorzüglich!«

Und alsogleich baun sie im Kästchen
Ein trauliches Nestchen;
Vertilgen ringsum zu Nutz und Pläsier
Den Schneck, den Wurm, das Käfertier;
Vergessen auch nicht, in allen Ehren,
Sich zu vermehren. -

Und als der Herr, der so edel gehandelt,
Dann später mal unter dem Baum gewandelt,
Da haben die Vöglein, um sich dankbar zu zeigen,
Ihm was gepfiffen auf allen Zweigen;
Und jedes, weil sie ihm gar so gut,
Macht ihm ein Kleckschen - pitsch! - auf den Hut. -


hl antwortete am 20.08.02 (09:52):

GEORG KREISLER

Mondlandschaft

Wache Molche suchen leise
nach dem Netz der Müdigkeit.
Weiche Dolche fluchen leise.
Eine Birke steht allein in ihrem Leid.


Kuttenmönche ohne Schatten
schleppen Feigen durch den Schnee.
Die ihn mit Zitronen hatten,
widerkauen ihren gestrigen Tee.


Eine Kuh und eine Hexe
warten bis der Acker stirbt.
Krähen machen weiße Kleckse.
Hört ihr, wie die mürbe Semmel zirpt?


Konrad antwortete am 22.08.02 (17:51):

Ich suche zwei Gedichte - die den beiden Eltern nur in Bruchstücken noch erinnerlich sind:

Das erste könnte den Titel 'Neujahr' tragen: An dieses jahres ersten Morgen begrüß ich euch mit froher Brust / zwar wechseln Hoffen und auch Bangen / an diesem Tag in mancher Brust / wir fragen uns was wirds uns bringen / dies Jahr in seinem .... / ein fröhlich Herz auf allen Wegen / ein Heim beschirmt von Not ... und über allen Gottes Segen

Vom Zweiten ist nur noch der Schluss bekannt: Gänseblümchen schämt sich, dass es rote Spitzen bekam.

Vielleicht kann jemand helfen.


sieghard antwortete am 23.08.02 (15:21):

Irgendwer

Einer ist da, der mich denkt.
Der mich atmet. Der mich lenkt.
Der mich schafft und meine Welt.
Der mich trägt und der mich hält.
Wer ist dieser Irgendwer?
Ist er ich? Und bin ich er?

Mascha Kaléko
.


ianna antwortete am 23.08.02 (23:47):

Die Welt die monden ist -

Vergiß, vergiß, und laß uns jetzt nur dies
erleben, wie die Sterne durch geklärten
Nachthimmel dringen, wie der Mond die Gärten
voll übersteigt. Wir fühlten längst schon, wies
spiegelnder wird im Dunklen; wie ein Schein
entsteht, ein weißer Schatten in dem Glanz
der Dunkelheit. Nun aber laß uns ganz
hinübertreten in die Welt hinein
die monden ist -

Rainer Maria Rilke


Adolf antwortete am 24.08.02 (02:25):

Und wieder ein geschenktes Heute
und immer noch ein Schlückchen Wein.
Und immer noch dabei, ihr Leute,
und immer noch nicht ganz allein.

Der alte Schmerz im Eingeweide
und immer noch die Gicht im Bein.
Doch immer noch ein bißchen Freude
und immer noch könnt's schlimmer sein.

Zur stillen Wohltat führt das Angenehme,
zum Danke sagen und zum Händegeben.
Und immer noch ein Blick für all das Schöne
und immer noch ein tiefer Atemzug voll Leben.
Elli Michler

Allen ein schönes Wochenende wünscht Adolf


hl antwortete am 25.08.02 (05:42):


Im Grünen zu singen

War der Himmel trüb und schwer,
Waren einsam wir so sehr,
Voneinander abgeschnitten!
Aber das ist nun nicht mehr:
Lüfte fließen hin und her;
Und die ganze Welt inmitten
Glänzt, als ob sie gläsern wär.
Sterne kamen aufgegangen,
Flimmern mein - und deinen Wangen,
Und sie wissens auch:
Stark und stärker wird ihr Prangen;
Und wir atmen mit Verlangen,
Liegen selig wie gefangen,
Spüren eins des andern Hauch.

Hugo von Hofmannsthal


sieghard antwortete am 25.08.02 (16:52):

Einsamer nie -

Einsamer nie als im August:
Erfüllungstunde - im Gelände
die roten und die goldnen Brände,
doch wo ist deiner Gärten Lust?

Die Seen hell, die Himmel weich,
die Äcker rein und glänzen leise,
doch wo sind Sieg und Siegsbeweise
aus dem von dir vertretnen Reich?

Wo alles sich durch Glück beweist
und tauscht den Blick und tauscht die Ringe
im Weingeruch, im Rausch der Dinge -
dienst du dem Gegenstück, dem Geist.

Gottfried Benn
(27443
.


de_la antwortete am 25.08.02 (20:50):


Mondnacht

(Joseph von Eichendorff)


Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


sieghard antwortete am 25.08.02 (22:25):

Hallo dela und alle, bitte noch eins,
weils so wunderschön ist:


Joseph von Eichendorff

Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht. -
.


hl antwortete am 25.08.02 (22:50):


Nacht

Mit Dämmerung und Amselschlag
Kommt aus den Tälern her die Nacht.
Die Schwalben ruhn, der lange Tag
Hat auch die Schwalben müd gemacht.

Durchs Fenster mit verhaltenem Klang
Geht meiner Geige müder Strich.
Verstehst du, schöne Nacht, den Sang -
Mein altes Lied, mein Lied an dich?

Ein kühles Rauschen kommt vom Wald,
Daß mir das Herz erschauernd lacht,
Und leis mit freundlicher Gewalt
Besiegt mich Schlummer, Traum und Nacht.

Hermann Hesse


dela antwortete am 26.08.02 (14:41):

so herrlich schoen romantisch, danke dir sieghard.
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WÜNSCHELRUTE

Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Joseph von Eichendorff
1788 - 1857


Franziska antwortete am 26.08.02 (21:46):

Hallo, ich bin ja begeistert über die Menge der tollen Gedichte hier. Ich suche seit geraumer Zeit ein Gedicht. Ich glaube, es stammt von Erich Kästner und heißt "Das Lächeln". Kann mir da jemand weiterhelfen?


Antonius Reyntjes antwortete am 27.08.02 (00:05):

Zum "Lächeln..."? Ja, da habe ich auch schon gesucht. Und jetzt, nach dem Gruß aus Thüringen, diesen P.P.A.-Text gefunden:

Peter Paul Althaus:

In der Traumstadt ist ein Lächeln stehn geblieben;
niemand weiß, wem es gehört.
Und ein Polizist hat es schon dreimal aufgeschrieben,
weil es den Verkehr, dort wo es stehn geblieben, stört.

Und das Lächeln weiß auch nicht, wem es gegolten;
immer müder lächelnd steht es da,
kaum beachtet, und gescholten
und geschubst und weggedrängt, wenn ja.

Langsam schleicht es sich von hinnen;
doch auf einmal wird es licht verklärt
und dann geht es ganz nach innen -
und du weißt, wem es gegolten und gehört.

Für A. N.
(Aus: P.P.A.: In der Traumstadt. München 1969. dtv 560. S. 29)


Adolf antwortete am 27.08.02 (01:14):

Im Glück nicht jubeln und im Sturm nicht zagen,
das Unvermeidliche mit würde tragen!
Das Rechte tun, am schönen sich erfreuen,
das leben lieben und den Tod nicht scheuen.
Karl Streckfuß

Einen schönen Tag wünscht Adolf


hl antwortete am 27.08.02 (21:08):


Mein Leben ist wie leise See:
Wohnt in den Uferhäusern das Weh,
wagt sich nicht aus den Höfen.
Nur manchmal zittert ein Nahn und Fliehn:
aufgestörte Wünsche ziehn
darüber wie silberne Möven.

Und dann ist alles wieder still ...
Und weißt du, was mein Leben will,
hast du es schon verstanden?
Wie eine Welle im Morgenmeer
will es, rauschend und muschelschwer,
an deiner Seele landen.

Rilke, Rainer Maria


dela antwortete am 28.08.02 (00:32):

Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh' ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!


(Johann Wolfgang von Goethe)


hl antwortete am 28.08.02 (22:23):

Gib mir dein knospendes Gesicht,
daß meine Seele darauf weide,
und sich in seinem Frühlingslicht
ergehe wie auf einer Heide!

O gib mir deine weiche Hand,
mein hartes Sein in sie zu legen,
und führ es in dein Liebesland
aus blauer Luft und seidnen Wegen!

O gib mir deinen weißen Mund,
ich will ihn rot mit meinem färben!
O laß uns, Liebster, Mund an Mund,
in einem ewigen Kusse sterben!

Rose Ausländer (1901-1988)
aus: Des Geliebten Nächte zu entzünden


Holger Sauer antwortete am 29.08.02 (01:10):

Zur Anfrage von Eva-Maria Linhoff (13.08.) und der Antwort von Richard (14.08.): Das als "Der Lotse" vertonte Gedicht ist in Wirklichkeit nur der Schluß eines wesentlich längeren Gedichtes namens "Der Normann". Es ist auf folgender Internetseite zu finden:
www.uni-giessen.de/~gi04/MM/gedichte/gie_l01.html


Ute antwortete am 29.08.02 (12:02):

Ein Lächeln andern zugedacht
behält und hat stets große Macht,
erhellt es doch die Seele gleich,
als wie ein warmer Sonnenstreich!

Oft ist's dies kleine Lächeln nur,
das uns den Tag verschönt
und uns so unser Tagesmüh'n
erleichtert und verschönt!

Hallo, weiss jemand vielleicht, von wem dieses Gedicht ist?!


Richard antwortete am 29.08.02 (16:44):

Lieber Holger Sauer, man wird älter als die Kuh,
doch lernt man immer noch dazu!
recht herzlichen Dank für den Tipp und die Adresse.
Liebe Eva-Maria, jetzt hast du sogar das ganze Original
Dank Holger.
Ich grüße euch
euer Richard

Ludwig Giesebrecht
Der Normann
1.
Siehst du die Krone auf den Sparren?
Bald wird mein Häuslein fertig sein,
Und ehe Wald und Bach erstarren,
Zieh' ich in meine Wohnung ein.
Da unter ihr die Meereswogen,
Von aller Völker Schiffen bunt,
Und dorther kommt der Strom gezogen
Zur Westsee aus dem Öresund.
So liegt, wenn ich in Frieden raste,
Vor meinem Auge noch das Feld,
Das mir, dem unruhevollen Gaste,
Die vor'ge Zeit entgegenhält.
Denn ich bin lang zur See gefahren,
Und ohne Heimat, da und hier,
Sah ich in mehr als dreißig Jahren
Nur fremde Flaggen über mir.
Nun will ich erst als Normann hausen,
Zu lieber Erde heimgekehrt,
Genießend, was in Sturmes Brausen
Die Fremde meinem Fleiß gewährt.

2.

Seitdem das Hoffen und Erwarten
Mit meinem Bau zu Ende ging,
Dünkt mir im Hause und im Garten
Doch meine Arbeit gar gering.
Zu jung, um müßig drein zu schauen,
Zu alt für Sturm und Meeresnot,
Laß ich zum andern Male bauen
Ein schwimmend Haus, ein Segelboot.
Das ist gemacht für Norwegens Küste,
Genau gefügt, von festem Holz.
Es bleibt dem Seemann sein Gelüste,
Es bleibt ihm auch der alte Stolz.
Ja, wer es kauft, der soll es loben,
Wer mit dem Boot zum Meere geht,
Wenn es dem Steuermann die Proben
Gelehrig und gewandt besteht.
Doch, Schifflein, wer wird auf dir fahren?
Wohl gar der Schalk, der Unverstand?
O wär' ich noch in meinem Jahren,
Du kämst in keine fremde Hand.

3.

Um unsre Schären, unsre Riffe
Wie das Gewoge schäumend wallt!
Wie ringt im Sturm der Zug der Schiffe!
Ein Notschuß nach dem andern hallt!
Und durch die wilden Wasser drängen
Die rot und weißen Segel fort,
Sie leiten zwischen Klippenhängen
Die Schiffe in den sichern Port:
Das sind die Lotsen dieses Strandes,
Die Helfer in des Sturmes Wut,
Das sind die Kühnsten ihres Standes,
Das ist norwegisch Heldenblut.
Und ich, aus gleichem Blut entsprungen,
Fuhr ich umsonst von Meer zu Meer?
Ist das nur Arbeit für die Jungen
Und dem versuchten Mann zu schwer?
Ich weiß, mein Boot, wem du bereitet,
Nun stell' ich keinem dich zu Kauf;
Sobald dein Kiel in's Wasser gleitet,
Hiss' ich das Lotsensegel auf.

4.

Mein Haus auf hohem Uferrande
Und hier mein Boot in meiner Hut:
Ich bin daheim im Norweglande,
Ich bin daheim auf Norwegs Flut.
Von Lotsensegeln rings umflossen,
Den Blumen, die der See entkeimt:
Ich bin bei Freunden, bei Genossen,
Bin Norwegs Männern eingeheimt.
Noch ist es still, die Schiffe gleiten
Gemach zum Lindesnäß hinaus;
Doch Wetter drohn — die Lotsen breiten
Sich an der Schärenküste aus.
Ihr fremden Gäste fahrt geborgen
Hinab an Norwegs Felsenstrand,
Wir, Norwegs Männer, hüten, sorgen,
Wir, allen Menschen anverwandt. —
Nun jagt der Sturm. Es ist die Stäte,
Die Wolken rollen wild heran.
Still, Alter, neige dich und bete!
Nun geht die Lotsenarbeit an.

5.

Siehst du die Brigg dort auf den Wellen?
Sie steuert falsch, sie treibt herein
Und muß am Vorgebirg zerschellen,
Lenkt sie nicht augenblicklich ein.
Ich muß hinaus, daß ich sie leite! —
Gehst du ins offne Wasser vor,
So legt dein Boot sich auf die Seite
Und richtet nimmer sich empor. —
Allein ich sinke nicht vergebens,
Wenn sie mein letzter Ruf belehrt:
Ein ganzes Schiff voll jungen Lebens
Ist wohl ein altes Leben wert.
Gib mir das Sprachrohr! Schifflein, eile!
Es ist die letzte, höchste Not. —
Vor fliegendem Sturme, gleich dem Pfeile,
Hin durch die Schären eilt das Boot;
Jetzt schießt es aus dem Klippenrande.
Links müßt ihr steuern! hallt ein Schrei.
Kieloben treibt das Boot zu Lande,
Und sicher fährt die Brigg vorbei.


sieghard antwortete am 29.08.02 (22:11):

Das Karussell - Jardin du Luxembourg

Rainer Maria Rilke

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.

Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur daß er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgend wohin, herüber -

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel ...

.


Angelika antwortete am 30.08.02 (21:51):

Mondnacht ...
Joseph Freiherr von Eichendorff:


Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


Rosmarie antwortete am 31.08.02 (20:17):

Vatersprache
_____________

Als ich neun war
hatte ich nur Väter
Das Land wurde nach und nach zugedeckt
mit Häusern als ich heranwuchs
das Obst wurde hergeflogen
au Ländern wo die
Erde noch freilag
und atmete.

Väter sassen auf den
Lehrstühlen und auf den Sesseln
der Verwaltungen als ich neunzehn
war Vatersprache überall
Ich sass unter dem letzten Baum,
schärfte dass Ohr für das Mutterschweigen


Eveline Hasler


hl antwortete am 31.08.02 (21:38):

Die Dichterin

Du hälst mich in den Händen ganz und gar.
Mein Herz wie eines kleinen Vogels schlägt
In deiner Faust. Der du dies liest, gib acht;
Denn sieh, du blätterst einen Menschen um.
Doch ist es dir aus Pappe nur gemacht,

Aus Druckpapier und Leim, so bleibt es stumm
Und trifft dich nicht mit seinem großen Blick,
Der aus den schwarzen Zeichen suchend schaut,
Und ist ein Ding und hat sein Dinggeschick.

Und ward verschleiert doch gleich einer Braut,
Und ward geschmückt, daß du es lieben magst,
Und bittet schüchtern, daß du deinen Sinn
Aus Gleichmut und Gewöhnung einmal jagst,

Und bebt und weiß und flüstert vor sich hin:
"Dies wird nicht sein." Und nickt dir lächelnd zu.
Wer sollte hoffen, wenn nicht eine Frau?
Ihr ganzes Treiben ist ein einzig: "Du..."

Mit schwarzen Blumen, mit gemalter Brau,
Mit Silberketten, Seiden, blaubesternt.
Sie wußte manches Schönere als Kind
Und hat das schöne andre Wort verlernt. -

Der Mann ist soviel klüger, als wir sind.
In seinen Reden unterhält er sich
Mit Tod und Frühling, Eisenwerk und Zeit;
Ich sage:"Du..." und immer:"Du und ich."

Und dieses Buch ist eines Mädchens Kleid,
Das reich und rot sein mag und ärmlich fahl,
Und immer unter liebem Finger nur
Zerknittern dulden will, Befleckung, Mal.

So steh ich, weisend, was mir widerfuhr;
Denn harte Lauge hat es wohl gebleicht,
Doch keine hat es gänzlich ausgespült.
So ruf ich dich. Mein Ruf ist dünn und leicht.
Du hörst, was spricht.

Vernimmst du auch, was fühlt?


Quelle: Gertrud Kolmar, Gedichte, Bibliothek Suhrkamp


sieghard antwortete am 31.08.02 (21:49):

Das Ende vom Lied

Ich säh dich gern noch einmal, wie vor Jahren
Zum erstenmal. - Jetzt kann ich es nicht mehr.
Ich säh dich gern noch einmal wie vorher,
Als wir uns herrlich fremd und sonst nichts waren.

Ich hört dich gern noch einmal wieder fragen,
Wie jung ich sei... was ich des Abends tu -
Und später dann im kaumgebornen <Du>
Mir jene tausend Worte Liebe sagen.

Ich würde mich so gerne wieder sehnen,
Dich lange ansehn stumm und so verliebt-
Und wieder weinen, wenn du mich betrübt,
Die vielzuoft geweinten dummen Tränen.

Das alles ist vorbei... Es ist zum Lachen!
Bist du ein andrer oder liegts an mir?
Vielleicht kann keiner von uns zwein dafür.
Man glaubt oft nicht, was ein paar Jahre machen.

Ich möchte wieder deine Briefe lesen,
Die Worte, die man liebend nur versteht.
Jedoch mir scheint, heut ist es schon zu spät.
Wie unbarmherzig ist das Wort: "Gewesen"!

[Mascha Kaléko]
.


Antonius Reyntjes antwortete am 31.08.02 (23:25):

Das "Vater"-Gedicht von Hasler, das Rosmarie - nach langem Schweigen - sandte, hat mich an ein "Mutter"-Gedicht erinnert, von Ernst Wiechert... (Man kann einige Begriffe - Pflug, Scholle - auf dem Hintergrund der 1930er Jahre falsch verstehen - aber Wiechert war ein Widerständler gegen die Nazis und hat seinen Mut mit KZ-Haft gebüßt...)

Ernst Wiechert:

Lass uns wieder deinen ew'gen Quellen lauschen

O Mutter Erde, deren Antlitz wir geschändet
Mit Sein und Eisen, Laster, Blut und Gram,
von deren heil'gem Herde wir uns roh gewendet:
O, nimm uns wieder auf in deinen Arm!

Sieh, deiner schlichten Schönheit prahl'nde Überwinder,
aus Schöpferwahnsinn bricht ihr Heimweh vor,
und deines Heiligtums verlorene, irre Kinder,
sie knien weinend vor verschloss'nem Tor.

O, gib die Scholle wieder, deiner Wälder Rauschen
Das Feld, den Pflug, den unsre Hand verstieß,
und laß uns wieder deinen ew'gen Quellen lauschen
in des verlorenen Sohnes Paradies.

Aus: E.W.: Meine Gedichte. 1952. S. 11)


angelika antwortete am 01.09.02 (10:09):

MASCHA KALEKO
Katzenjammermonolog
Zuweilen möchte man aus sich heraus
und kann die Tür ins Freie doch nicht finden.
Dann schnüffelt man vielleicht mal nach den Gründen
und kriecht noch tiefer in sein Schneckenhaus.


Man müßte vieles tun und manches lassen,
und kann das eine wie das andere nicht.
Man denkt an manche unerfüllte Pflicht,
bis sich die Dinge dann mit uns befassen.


So vieles tut man rasch in Acht und Bann
mit Augen, die geschlossen schon erblinden.
Doch auch das Schicksal hat so dann und wann
auf unserem Konto Unterlassungssünden.


Mitunter scheints, man sei nun endlich da,
- Am Ziel, von dem man schüchtern nur geträumt hat -
Da plötzlich merkt man, daß man was versämt hat,
Ein dummes Etwas nur. Beinah ... beinah.

Wenn man ein zweites Mal geboren würde,
Dann finge man das Leben anders an.
- Vielleicht, daß dann so manches anders würde...
(Vorausgesetzt, daß man vergessen kann-)

Daß man vergessen kann, was man erfahren.
Man horcht sehr oft zu viel in sich herum.
Am bestenwär es, klug zu sein und stumm.
Man ist zuweilen alt mit zwanzig Jahren.


Erika Kalkert antwortete am 01.09.02 (13:01):

September

Späte Sommersonne leuchtet
tiefer in dein Herz hinein,
bunter Blumen Blütenreigen
ladet dich zum Träumen ein.

Dahlien, wie sie duftend
locken ihre Gäste
groß und klein.
Weiße Margeritensterne
tanzen windbewegt im Hain.

Sonnenblumen, Lilien, Iris,
Astern, Milchstern,
doldenschwer,
Phlox, in allen Farben
glühend, Goldlack,
welch ein Blütenmeer!

Und ein Summen, Sirren,
Schwirren
ungezählter Flügelgäst',
labend sich am Göttertrank
zu des Sommers
Abschiedsfest.

Angelika Kramberich


sieghard antwortete am 01.09.02 (13:50):

September von Erich Kästner

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessnen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.
.


dela antwortete am 01.09.02 (22:29):

SEPTEMBER

Der Garten trauert,
kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.

Golden tropft Blatt um Blatt
nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
in den sterbenden Gartentraum.

Lange noch bei den Rosen
bleibt er stehn, sehnt sich nach Ruh,
langsam tut er
die müdgeword'nen Augen zu.

(Hermann Hesse)

de_lari@web.de


:-) hl antwortete am 01.09.02 (22:54):


für mlb :-)


september

zwischen sommer und herbst
mischt sich die glut der sinne
mit der kühle des verstandes
um die entscheidung
für den winter zu treffen

liebe
erhellt die grauen tage des november
liebe
wärmt in der kälte des winters
liebe
erhält dir den frühling
im herzen

ich liebe dich

hl


ianna antwortete am 02.09.02 (00:17):

Auf Raubzug gehen

Die Bläue eines Septembertages
mit offenen Händen auffangen
die goldgesprenkelte Luft
in tiefen Zügen ernten
Den Altweibersommer einsammeln
und seine Farbe aufbewahren
um das blasse Winterherz
damit anzumalen

Ingrid Möller


Rosmarie antwortete am 02.09.02 (18:33):

Herbsthauch
___________

von Friedrich Rückert

Herz, nun so alt und immer nicht klug,
Hoffst Du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst Dir noch tragen!

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.


Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind, ist ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.


Angelika antwortete am 03.09.02 (22:27):

Einer der für mich erstaunlichsten Menschen, die je gelebt haben, ist der Stauferkönig Friedrich II, "Stupor Mundi" genannt - "Das Staunen der Welt". Er lebte von 1194 - 1254. Seine Dichtkunst ist weitgehenst unbekannt und wurde vom Althochdeutsch ins Hochdeutsch übertragen - hier eine Kostprobe:

ABSCHIED
Du bannst die Unrast mir im Leib,
wenn du, für die ich dieses schreib,
dich zu mir legst, als spürtest du....
was du mir bist: ein Ort der Ruh.

Besänftigst stumm mit blosser Haut,
bevor der Tag ins Fenster schaut -
und Traumschweiß meine Glieder näßt,
was mich im Schlaf nicht ruhen läßt.

Red von der Angst dich zu verliern.-
Konnt dich nur schwer ins Glück entführn.
Nun ist mein Mühen dich im Glück
zu halten noch ein schweres Stück.

Bin ein Gestirn am Firmament,
das keinen Ort sein eigen nennt.
Es führt die Macht, die mich besonnt,
auch strahlend in den Horizont.

Selbst ein Besonnter, werf auch ich
ein Licht auf Sterne, wie auf dich.
Doch bringt mein Gehen um die Welt
es mit sich, daß mein Licht nicht hält.

Wer heute sich an ihm noch wärmt,
den läßt es morgen schon verhärmt.
Ich sags, ich wags bekenn auch Scham,
daß ich als Gehender schon kam.


Adolf antwortete am 04.09.02 (01:37):

Bekehrung

Als ich unzufrieden werden wollte
über die nachlassende Kraft meiner Augen,
begegnete ich einem Blinden.

Als ich zu jammern begann,
weil der Fuß mich schmerzte,
fuhr ein Mann ohne Beine
in einem Rollstuhl an mir vorüber.

Als ich Klage erhob über mein Alter,
hörte ich von einer Frau,
die schon in jungen Jahren sterben mußte.

Und als ich jene, denen es besser zu gehen
schien als mir, um ihren Reichtum beneidete,
bat mich ein Bettler am Rande der Straße
um Linderung seiner Not.

Da ging ich hinein in das Gotteshaus,
mischte mich still unter jene,
die nur um zu bitten gekommen waren,
und stellte zufrieden und dankbar die Frage:
Herr, womit habe ich all deine Güte verdient?
Elli Michler


Erika Kalkert antwortete am 04.09.02 (13:09):

Verfrühter Herbst.

Schon riecht es scharf nach angewelkten Blättern.
Kornfelder stehen leer und ohne Blick;
wir wissen: eines von den nächsten Wettern
bricht unserm müden Sommer das Genick.

Die Ginsterschoten knistern. Plötzlich wird uns all das fern und sagenhaft erscheinen,
was heute wir in der Hand zu halten meinen,
und jede Blume wunderbar verirrt.

Bang wächst ein Wunsch in der erschreckten Seele:
daß sie nicht allzu sehr am Dasein klebe;
daß sie das Welken wie ein Baum erlebe,
daß Fest und Farbe ihrem Herbst nicht fehle.


Hermann Hesse


sieghard antwortete am 06.09.02 (15:50):

Das Mädchen aus der Fremde

In einem Tal bei armen Hirten
Erschien mit jedem jungen Jahr,
Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
Ein Mädchen, schön und wunderbar.

Sie war nicht in dem Tal geboren,
Man wusste nicht, woher sie kam;
Und schnell war ihre Spur verloren,
Sobald das Mädchen Abschied nahm.

Beseligend war ihre Nähe,
Und alle Herzen wurden weit;
Doch eine Würde, eine Höhe
Entfernte die Vertraulichkeit.

Sie brachte Blumen mit und Früchte,
Gereift auf einer andern Flur,
In einem andern Sonnenlichte,
In einer glücklichern Natur.

Und teilte jedem eine Gabe,
Dem Früchte, jenem Blumen aus;
Der Jüngling und der Greis am Stabe,
Ein jeder ging beschenkt nach Haus.

Willkommen waren alle Gäste;
Doch nahte sich ein liebend Paar,
Dem reichte sie der Gaben beste,
Der Blumen allerschönste dar.

[Schiller]
.


Antonius Reyntjes antwortete am 06.09.02 (21:49):

Ich habe noch ein Lächeln-Gedicht gefunden, als Nachtrag zu Franziskas Suche:

Eva Strittmatter:
Lächeln

Mein Grundbedürfnis geht nach Liebe.
Ich wünschte sehr, daß man mich liebt
Und daß mein Lächeln leben bliebe,
Wenn es mich einmal nicht mehr gibt.

Das Höchste, was man hat, ist Bindung
Durch Liebe. Ich ertrage nicht
Die mir verweigerte Empfindung.
Ich öffne allen mein Gesicht

Mit einem Lächeln. Magisch scheinen
In mich die anderen hinein.
Und ich kann sie in mir vereinen,
Und sie vervielfachen mein Sein.

(Aus: E. St.: Mondschnee liegt auf den Wiesen. © Aufbau-Verlag Berlin 1975)


Adolf antwortete am 09.09.02 (03:30):

Im Wartestand

Blumen warten auf Regen,
die Kinder auf Weihnachten,
die Verzagten auf Sonne,
die Hoffnungsvollen auf ein Wunder,
die Einsamen auf Liebe.
Wo immer wir eines Wartenden gewahr werden
und es uns gelingt, ihn von seiner
Geduldsübung zu erlösen,
haben wir eine Chance genutzt,
unseren eigenen Wartestand zu verkürzen.

Gute nacht Freunde,
es wird Zeit zum schlafen gehen.
Eine letzte Zigarette und
ein letzte Glas im steh. ...
Nach geplappert von Adolf


sieghard antwortete am 09.09.02 (09:37):

Wenn nachts die Brunnen rauschen,
Die Welt liegt schlummerschwer,
Da muss ich immer lauschen
als obs ein Zauber wär.

Und sind doch kühl die Bronnen
Und sind doch scheu und zag,
So tief in sich versonnen
Den langen, lauten Tag ...

Ich hab so mächtge Träume,
Ich weiß wohl ihr Begehr:
Bei Nacht durch weite Räume
Spürt jeder Quell das Meer.

[Gertrud von Le Fort 1876-1971]
.


dela antwortete am 09.09.02 (13:56):


ABENDSTÄNDCHEN

(Clemens Brentano)

Hör, es klagt die Flöte wieder,
und die kühlen Brunnen rauschen!
Golden weh'n die Töne nieder,
stille, stille, laß uns lauschen!

Holdes Bitten, mild Verlangen,
wie es süß zum Herzen spricht!
Durch die Nacht, die mich umfangen,
blickt zu mir der Töne Licht!



de_lari@web.de


Antonius Reyntjes antwortete am 10.09.02 (00:39):

Etwas verspätete Anfrage bei "Angelika" (Beitrag vom 03.09):

Kennst Du noch mehr Gedichte von Friedrich II.? Gibt es sie i.A. gedruckt zu kaufen?
Würde mich interessieren, nicht nur wg. der eigenartigen Abschiedsstimmung des Gedichtes.

Gruß - Antonius


dela antwortete am 11.09.02 (14:58):

Still doch! Es war ja der Wind nur,
Welcher dich fürchten gemacht.
Sieh, alle Dinge sind nur
Wandelnde Schatten der Nacht.

Aber das Auge erhellt sie
Mehr als die Sonne vermag,
Schenkt ihnen Leben und stellt sie
In den taumelnden Tag.

Alexander von Bernus

de_lari@web.de


hl antwortete am 11.09.02 (15:29):

Mond und Liebe über großen Städten

Und wenn es Mond wird, wenn die Sterne fallen
Fühlt Un-Tier Mensch in seinem Bau sich alt -
Beton Stahl Mörtel Röhren Türme Hallen -
Doch seine Hände sehnen sich nach Krallen,
Sein Hüsteln schlürft nach einem Luftzug Wald!
Wenn dann vom Bahnhof aus den Feueressen
Die Dampfsirene Abfahrtsschreie schnaubt,
Dann wendet er wohl sein Chimärenhaupt
Nach einem Zeitort, den er längst vergessen!

So weit - so weit!
Wie wir es drehn und teilen,
Es bleibt längst abgemessen unser Glück.
Wenn wir mein Lieb, so Leib an Leib verweilen,
Wir kehren hunderttausend Jahr' zurück!

Und wenn die Nächte ihm den Frost anhauchen,
Dann schaudert's ihm als wie am ersten Tag,
Dann sieht er Tierdunst aus den Nüstern rauchen -
Er möchte sterbenseinsam unterkrauchen
Im Bauche, wo er ohne Ahnung lag.
Wenn Sturm sich fängt und aufheult wutbesessen,
Dann überkriecht ihn eine Gänsehaut
Mit stumpfen Ohr spannt er nach einem Laut
Von einer Sprache, die er längst vergessen!

So sehr - so sehr
Sie streiten, eifern, keifen,
Längst zugemessen ist uns unser Glück.
Wenn wir uns streicheln, wenn wir uns begreifen,
Wir greifen hunterttausend Jahr zurück!

Er schaut dem Monde nach von hohen Brücken,
Der Fluß treibt faulige Fluten und Gebein
Und zwischen ihnen lauter Mond in Stücken.
Der Mensch fand für die Sinne tausend Krücken
Und holt mit keinem diese Stunde ein!
Dann schimpft er auf den Mond, fühlt sich betrogen,
Wälzt Bücher, mauert, hetzt und spekuliert
Mondblaß vor Furcht, daß er die Zeit verliert.
Ins Niemehrwieder ist die Nacht geflogen.

So fern - so fern
Die Menschenstimmen klingen,
Wir sind doch einbezogen in den Lauf!
Wenn wir mit unserer Nähe uns durchdringen,
Wir holen hunderttausend Jahre auf!


(Schall und Rauch 1919-1921) Walter Mehring
in "Die Linden lang, Galopp, Galopp!"
Henschelverlag Berlin 1976


Erika Kalkert antwortete am 11.09.02 (17:18):

Bücher

Alle Bücher dieser Welt
bringen dir kein Glück,
doch sie weisen dich geheim
in dich selbst zurück.

Dort ist alles, was du brauchst,
Sonne, Stern und Mond,
denn das Licht, danach du frugst,
in dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht
in den Büchereien,
leuchtet jetzt aus jedem Blatt -
denn nun ist sie dein.

Hermann Hesse

Kennt jemand noch weitere Gedichte über Bücher?

Gruß Erika


sieghard antwortete am 11.09.02 (17:48):

Schon mischt sich
Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind
im Verblühn,
die Trauben geschnitten,
der Hafer gemäht,
der Herbst ist da,
das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch)
die Sonne glüht -
weg drum mit der
Schwermut
aus Deinem Gemüt!
Banne die Sorge,
genieße, was frommt,
eh' Stille, Schnee
und Winter kommt.

[Theodor Fontane]


Rosmarie Vancura antwortete am 11.09.02 (21:21):

Nüssebewispern
_______________

von Erich Fried

Vaterhausgarten
"Das war ein Wundergarten"
Baum in dem Garten
Zweige mit reifen Nüssen.

Ernten die Nuss
inmitten
des Untergangs

Hände geschwärzt
von Zerstörung
der grünen Schale

In der Walnuss
ihr toter Jonas
das Buch aus dem Kinderreim

In dem Buch geschrieben:
"Du sollst..."
dann im Blatt ein Wurmloch
dann: "... lieben...


hl antwortete am 12.09.02 (09:56):

Dressur

Der Zirkus herrscht! Der Weltquatsch ist beendigt!
Vor dem Dompteure bebt die Kreatur.
Wir zeigen euch die Bestie Mensch gebändigt,
Zum erstenmal! Ein Wunder der Dressur!
Es riecht nach Wildnis. Hört ihr, wie sie kreischen
Ihr "Vive la guerre" und "Immer feste druff"?
Die lieben Tierchen möchten sich zerfleischen,
Doch zittern sie vor meinem Peitschenknuff.
Sie knurren: Gewalt!
Halt !

Das Tier ward Mensch - der Mensch ward Tier -
Wer Phrasen drischt, den dreschen wir!
Und das Publikum
Ringsherum
Sträubt die Haare
Fanfare
bläst Tusch:
Der Mensch ist gut
Ob Christ, ob Jud
Kusch !

Alles - in Freiheit dressiert,
Alles - pariert und harrt des Winks
Von rechts bis links!
Das Tier ward Mensch - der Mensch ist feig
Und frißt sich auf mit Krieg und Streik!
Sie würden sich zerfetzen
Nach Noten und Gesetzen
Und fürchten die Dressur!
Das ist Kultur!

Der Zirkus herrscht - Kulturen gehn zugrunde!
Die Bestie Mensch schleicht geduckt zu neuem Sprung
In der Manege großem Erdenrunde
Gebändigt - bis zur nächsten Vorstellung!
Ich trete in bewährter Heldenpose ...
Das Raubtier scheut dies helle Rampenlicht -
Scheinwerfer an! Zur Schlußapotheose!
Und Aug in Aug seh ich euch ins Gesicht!
Ihr schreit: Gewalt?
Halt !


Ihr spitzt nach jedem Wort das Ohr;
Ich werf euch meine Perlen vor!
Und das Publikum
Ringsherum
Sträubt die Haare
Fanfare
bläst Tusch:
Der Mensch ist gut!
Und lechzt nach Blut
Kusch!

Alles - in Freiheit dressiert
Alles - pariert und harrt des Winks
Von rechts bis links!
Das Tier ward Mensch - der Mensch ist feig
Und frißt sich auf mit Krieg und Streik!
Sie würden sich zerfetzen
Nach Noten und Gesetzen
Und fürchten die Dressur!
Das ist Kultur!


Walter Mehring
in "Die Linden lang, Galopp, Galopp!"
Henschelverlag Berlin 1976


sieghard antwortete am 12.09.02 (16:23):

Jede Blüte wird zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nichts auf Erden
Als der Wandel, als die Frucht.

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Lass es still geschehen;
Lass vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.

[Hermann Hesse]


hl antwortete am 12.09.02 (21:52):

Sage aus dem Herzen eines Kindes

Eine alte Frau
Sammelte Kinder um sich,
Um ihnen
ein Märchen zu erzählen,
Und begann:
"Es war einmal ..."

Eins der Kinder, ein kluges,
Stand auf, drohte der alten Frau,
Und sprach zu ihr:
"Sag lieber: Es ist und es wird sein,
Wir sind und wir werden sein."

Und statt einer Sage erzählte es
Den anderen
Seine künftige Geschichte.


In "Leuchten aus der Stimme", moderne kurdische Lyrik, von Feryad Omar (1989)


hl antwortete am 12.09.02 (22:08):

Abendlied

Abendwind aus Schwefel weht
Süße deines Munds
Wenn die Welt in Flammen steht
Für uns
Über uns die Vögel schrei'n
Manche stürzen ab
Flirren in den Neonschein
Hinab
Grüß den letzten Strahl
Der auf uns fällt
Wenn er wie Opal
An uns zerschellt

Unter diesen nackten Baum
Der so müd' wie wir
Setz' dich, teile deinen Traum
Mit mir
Sieh, der Berg am Schrottplatz dort
Quillt wie Kuchenteig
Lausch' dem Straßenschlußakkord
Dann schweig!
Und
Grüß den letzten Strahl
Der auf uns fällt
Wenn er wie Opal
An uns zerschellt
Küsse letztes Mal
Die kleine Welt - und mich natürlich
Noch bevor sie kahl
Zu Staub zerfällt - mit uns natürlich


Und zum Schluß bleibt nur der Wind

(Günther Hornberger 1996)


Antonius Reyntjes antwortete am 12.09.02 (23:25):

Ja, noch was zu Büchern/Buch im Gedicht:

KARL WOLFSKEHL
Bücher - meines Lebens Brot und Wein

Büchern bin ich zugeschworen,
Bücher bilden meine Welt.
Bin an Bücher ganz verloren,
Bin von Büchern rings umstellt.

Zärter noch als Mädchenwangen
Streichl ich ein geliebtes Buch,
Atme bebend vor Verlangen
Echten Pergamentgeruch.

Inkunabeln, Erstausgaben,
Sonder-, Luxus-, Einzeldruck:
Alles, alles möcht ich haben -
Nicht zum Lesen, bloss zum Guck!

Bücher sprechen ungelesen -
Seit ich gut mit Büchern stand,
Weiss ich ihr geheimstes Wesen:
Welch ein Band knüpft manchen Band!

Bücher, Bücher, Bücher, Bücher
Meines Lebens Brot und Wein!
Hüllt einst nicht in Leichentücher -
Schlagt mich in van Geldern ein!
Aus: Das Buch vom Buch. Reclam BB 1642. S. 166)


ianna antwortete am 14.09.02 (00:51):

Der Abend ist mein Buch. Ihm prangen
die Deckel purpurn in Damast.
Ich löse seine goldnen Spangen
mit kühlen Händen, ohne Hast.
Und lese seine erste Seite,
beglückt durch den vertrauten Ton,
und lese leiser seine zweite,
und seine dritte träum ich schon.

Rainer Maria Rilke


hl antwortete am 14.09.02 (16:49):

dies buch (entwurf)

dies buch
ich hab es oft gelesen
ist unansehnlich schon
die farben sind verblasst
doch ist der inhalt
wie er einst gewesen

dies buch
so manches mal mir rätsel war
ward eins gelöst
gab es mir neue auf
ich löst sie weiter
jahr für jahr

dies buch
ich lese es noch voller ruh'
wie's ausgeht
werd' ich dann erst wissen
wenn ich die letzte seite
schreibe und ein andrer
schlägt es zu

hl


hl antwortete am 15.09.02 (11:25):

;-)

ANARCHIE

Immer geschmäht, verflucht - verstanden nie,
Bist du das Schreckbild dieser Zeit geworden ...
Auflösung aller Ordnung, rufen sie,
Seist du und Kampf und nimmerendend Morden.

O laß sie schrei'n! - Ihnen, die nie begehrt,
Die Wahrheit hinter einem Wort zu finden,
Ist auch des Wortes rechter Sinn verwehrt,
Sie werden Blinde bleiben unter Blinden.

Du aber, Wort, so klar, so stark, so rein,
Das Alles sagt, wonach ich ruhlos trachte,
Ich gebe dich der Zukunft! - Sie ist dein,
Wenn jeder endlich zu sich selbst erwachte.

Kommt sie im Sonnenblick - Im Sturmgebrüll?
Ich weiß es nicht ... doch sie erscheint auf Erden! -
"Ich bin ein Anarchist!" - "Warum?" - "Ich will
Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!"

J. H. Mackay


dela antwortete am 15.09.02 (12:39):

Binsenlügen

(Frodolin Tschudi)

Seitdem ich weiss, daß Fische miteinander plaudern
und gar nicht stumm sind, wie es immer wieder heißt,
beginne ich bei jedem Angelwurf zu zaudern,
aus Angst davor, daß einer in den Köder beißt.

Daß sich gewisse Fische vorzugsweise küssen
und seelisch keineswegs so kalt sind, wie es schien,
ist wissenschaftlich klar erwiesen, und wir müssen
uns korrigieren und daraus die Lehre ziehn:

Wir wissen wenig, und auch das nicht zur Genüge.-
Wie manches Sprichwort macht, indem es scheinbar stimmt,
aus einer Binsenwahrheit eine Binsenlüge,
die man oft allzu unbesehen übernimmt!

de_lari@web.de


ianna antwortete am 16.09.02 (00:02):

Buch und Rose

Ein altes Buch in pergamentnem Band,
Jahrhunderte vielleicht nicht aufgeschlagen -
Weil fremd sein Wort erklingt aus fremdem Land,
Und alte Dichter wenigen behagen -
Ein altes Buch fiel jüngst mir in die Hände,
Und wie ich träumend seine Blätter wende,
Und Moderstäubchen wirbelnd mich umfliegen,
Seh staunend ich in seinem Schoß verdorrt,
Doch Lenzensduft noch hauchend fort und fort,
Verblichen, farblos eine Rose liegen.

Friedrich Halm ( 1806-1871 )


diana antwortete am 17.09.02 (18:45):

Gruess Gott!

Hallo, Ich bin Diana, Amerikanerin aus New York...
Ich hoffe es ist in Ordnung, das Ich hier nach etwas frage...
Haette jemand den Text von Gertrud von le Fort's Gedicht: "Weihnachten" Das moechte ich sehr gerne auf Deutsch haben. Ich wuerde sehr dankbar sein wenn jemand mir das zuschicken wuerde.
Vielen Dank,
Alles Gute,
+diana


hl antwortete am 17.09.02 (21:14):

O hättet ihr Licht getrunken vom seligen Sterne,
Allein ihr trankt vom finstren Wein des Verderbens!
Es fielen Flügel zur Erde herab, doch niemand fragte:
Was tat man den heiligen Engeln?
Tot sind sie, tot! Man hat die Engel ermordet:
Die Krippe des Heilands ist leer,
Und wo der Friedensgesang der Himmlischen schwebte,
Da jagen die Geschwader der wildernden Hölle!

Aus dem Lyrischen Tagebuch 1933-1945
der Dichterin Gertrud von Le Fort


Rosmarie Schmitt antwortete am 20.09.02 (22:31):

Deutung eines allegorischen Gemäldes
(Thomas Gernhardt)

Fünf Männer seh ich
inhaltsschwer –
wer sind die fünf?
Wofür steht wer?

Des ersten Wams strahlt
Blutigrot –
das ist der Tod
das ist der Tod

Der zweite hält die
Geißel fest –
das ist die Pest
das ist die Pest

Der dritte sitzt in
grauem Kleid –
das ist das Leid
das ist das Leid

Des vierten Schild trieft
giftignaß –
das ist der Haß
das ist der Haß

Der fünfte bringt stumm
Wein herein –
das wird der
Weinreinbringer sein.


Aus:
Thomas Gernhardt: Reim und Zeit. Gedichte. Stuttgart 1990 (= RUB 8652). S. 24


Die Weinreinbringerin antwortete am 20.09.02 (22:46):

Liebe Rosmarie,
ich bin ein *solchener* Fan von Gernhardt,
daß ich den "Thomas" nicht hinnehmen kann:
Der Mann heißt Robert!

Freut mich, daß du ihn auch für dich - und dieses Forum hier - entdeckt hast :-)


Rosmarie Vancura antwortete am 21.09.02 (20:13):

Erwartung
_________

Erwartung löst des Alltags Fesseln aus dem Denken
und öffnet dir das Tor zur Phantasie.
Froh dann fliegt uns das Ferne herbei.
Und Hoffnungswünsche wollen die Gedanken lenken,
doch auf den Seelenwassern irgendwie
schwimmen sie ungesteuert vorbei.

Und Zeiten ziehen schwankend schwach vorüber, schenken
uns Bilder ängstlich, als ob man Poesie
immer vergessen im Einerlei.
Und Träume weinen Wehmut herbstlich im Gedenken
an freie Augenblicke der Euphorie. -
Was, mein Herz, bringt sie wieder herbei?

Wenn nicht die Sehnsûcht gäbe, tief uns zu versenken,
uns führte zum Funken göttlicher Harmonie.-
Dasein und Sinn,sie brächen entzwei,
denn Gnade könnte uns nicht mit Erkennen tränken
und Glück - das lebt vom Einklang-; mehr kommt nie.
Darum sei ehrlich, denn Wahrheit macht frei-

Werner M.Diederich
LYRIK HEUTE
Edition L


Wolfgang antwortete am 21.09.02 (22:48):

Warums uns frieat (von WALTER KRUMPER)

Du moanst du breichast deim Gfui koan Ausdruck gem,
miaßast stumm des Gfui nua in dia drinna lem.
Wuist di mit deim Gfui in da Welt net schiniern,
bloß weils des olle dean, deama olle im Herzn friern.

P.S.: Einen Gruss an Walter Krumper... Der hat auch eine Homepage, wo ihr weitere seiner schönen Gedichte finden könnt:

Bayerische Homepage
http://www.krumper.de/


hl antwortete am 22.09.02 (10:06):

:-)auch schön:

Getrennt und doch beinand
Warum denkst du nua jetzt an mich?
Warum, warum, das weiß ich nicht!
I spüa di in meim Herzn drin,
obwoi i ganz weit wegat bin.
Zwoa Menschn de se wirklich meng,
kenna se aa üba tausend Kilometa seng.
Net mit de Aung, nua mim Gfui,
und davon, do ham mia zwoa recht vui.

Walter Krumper


DorisW antwortete am 22.09.02 (22:32):

San Francisco

(Dieses Gedicht wurde von Richard Brautigan in einem Waschsalon in San Francisco gefunden; es war auf eine Papiertüte geschrieben. Der Verfasser ist unbekannt.)

Sie haben aus Versehen
Ihr Geld in meine
Maschine (#4) gesteckt
Ich hab aus Versehen
Mein Geld in eine andere
Maschine (#6) gesteckt
Ich habe absichtlich
Ihre Wäsche in die
Leere Maschine gesteckt,
Die voll Wasser und ohne
Wäsche war

Sie war einsam.


DorisW antwortete am 23.09.02 (22:27):

Karma Reparaturausrüstung:
Teile 1 - 4

1. Besorg dir genug zu essen, und iß es.

2. Such dir einen ruhigen Platz zum Schlafen, und schlaf da.

3. Reduziere intellektuellen und emotionalen Lärm,
bis du zu deiner eigenen Stille kommst,
und hör ihr zu.

4.


(Richard Brautigan)


sieghard antwortete am 24.09.02 (14:08):

Deine Locken

Ich wühlte gern hitzig in deinem Haar,
Sage mir: reden die Locken wahr?
Die Locken werfen sich voll und rund
Wie tolle Bäche an meinen Mund.
Und jeder Lockenleib wild sich rollt,
Als ob er mit Glut mir zufliegen wollt.
Ich möchte vor Lust mein Herz zerbrechen,
Mit tausend Splittern zu dir sprechen.
Max Dauthendey
(1867-1918)
.


Rosmarie V. antwortete am 26.09.02 (21:30):

Bitte

Sei sanft, wenn du kannst, das Leben
Ist sowieso hart und schwer.
Vielleicht hat es das früher gegeben,
Jetzt gibt es das nicht mehr:
Leicht sein und einfach leben
Ohne Nutzungs- und Musterungsschein.
Wenn wir uns nicht Liebe geben,
uns umfangen und uns erheben,
Betonieren sie uns ein.

Eva Strittmatt


team seniorentreff antwortete am 28.09.02 (10:14):

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