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THEMA:   L.G.Buchheim tot.

 Bisher 9 Antworten.

NIL begann die Diskussion am 24.02.07 (15:43) :

Geht es euch auch so?

Das Boot, ein Meisterwerk, von ihm getextet, ein interessanter Film.
Aber auch sein Museum, im Streit realisiert, toll, ungewöhnlich.
Sein Verhalten, polternd, fordernd, dass man ihm eins überbraten mochte.
Er wird nun gefeiert als Genie mit Fehlern.

Ein Kerl, den man zum Fressen liebgehabt hat, ich wenigestens.


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 25.02.07 (09:44):

Ja, Nil, er ist es bestimmt wert, dass man seiner gedenkt!
Als echte "Doppelbegabung" war er wirklich sehr kreativ, gleichermaßen aber unbequem, wirklich "grantig" und kämpferisch. Das hatte schon was, wie er lange um die Errichtung "seines Museums" in seinem kleinen Wohnort gekämpft hat. Aber schließlich hatte er sich mit so vielen seiner Mitbewohner überworfen, dass "nichts mehr ging".

Ich mochte ihn und schätze seine Vielseitigkeit, aber zum "Liebhaben" fehlt dann doch noch ein Stück, bei mir jedenfalls, dazu war er mit etwas zu sehr Querulant und zänkerisch, das "kantige Urgestein". Aber, wie gesagt, meine Wertschätzung gehört ihm.
Und es hat ja auch was, so für seine Ziele zu kämpfen!

Aber Du hast ihn nicht alleine gewürdigt, sondern Offizielle auch :-)) - she. Internet-Tipp!

Internet-Tipp: http://www.focus.de/kultur/kunst/kunstsammler-buchheim_nid_45198.html


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 25.02.07 (10:12):

Wahrscheinlich heißt es aber "zänkisch" und nicht "zänkerisch" - oder?? *grrrr*


Vorlesefunktion  kropka antwortete am 25.02.07 (11:08):

NIL: "Ein Kerl, den man zum Fressen liebgehabt hat, ich wenigestens."

Ich auch NIL! Ich habe ihn sehr bewundert. Sein "Museum der Phantasie" in Bernried besuchte ich mehrmals.
Danke für Worte, die ich so präzise wie du, nicht finden konnte...


http://www.buchheimmuseum.de/

Internet-Tipp: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/321/103218/


Vorlesefunktion  Elfenbein antwortete am 25.02.07 (12:46):

Wenn jemand Buchheims bekanntesten Kriegsroman lesen will, kann er sich hier informieren.
Mich interessieren solche Kriegsschinken nicht.

Als Beleg für Widerstandsverhalten oder -literatur wollte der große Zanker es ja auch nicht verkaufen.

Internet-Tipp: http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=293


Vorlesefunktion  Marina antwortete am 25.02.07 (16:51):

Auszug aus einem Artikel der FR vom Wochenende:
"Das Boot, ist weniger eine kritische Auseinandersetzung mit und realistische Schilderung des Krieges, als die das Buch auch gedacht war, es ist vor allem die Wiedereinführung des Heroismus in das deutsche Nachdenken und Reden über den Krieg gewesen, den Zweiten Weltkrieg und den Krieg überhaupt. Wie alle Prozesse der Normalisierung, die wir seitdem erlebt haben, hatte das etwas von Schönfärberei: Das war und ist nicht der Krieg, was Buchheims tapfere Männer da tief unter dem Meeresspiegel erlebten. Die Bewährungsprobe, die sie da bestanden, das war die Sicht der Überlebenden, der gestärkt aus dem Untergang Hervorgegangenen. Am Ende war es das Glück und nicht das Grauen des Krieges, von dem Buchheim erzählte. Und doch befreite es die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg von den engen Fesseln, die es bis 1973, als Lothar-Günther Buchheims Roman erschien, gegeben hatte. Buchheim erlaubte öffentlich Identifikation, wo es vorher vor allem Schuld gegeben hatte."

Und jetzt weiß ich wieder, warum ich nie Lust hatte, mich mit Buchheim überhaupt zu beschäftigen. Bücher, die es einem erlauben, sich mit Krieg zu identifizieren und über dessen "Glück" zu berichten, braucht die Menschheit meiner Meinung nach nicht, auch wenn sie noch so spannend sind. Es soll auch spannende Antikriegsromane oder -filme (z.B. Remarque: "Im Westen nichts Neues") geben, die würde ich mir schon eher antun als solche Kriegsbeschönigungen und -verherrlichungen.

Internet-Tipp: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1081795


Vorlesefunktion  nasti antwortete am 25.02.07 (18:17):

"Ein Kerl, den man zum Fressen liebgehabt hat"

muss ich auch kennelernen, noch nie die Name gehört. Sein Museum muss ich besuchen.


Vorlesefunktion  Elfenbein antwortete am 26.02.07 (07:24):

Menschen zum Knuddeln...?
Da bin ich wählerischer mit meinen Erkenntissen und sparsamer mit meinen Gefühlen und Vorlieben.

Kostbare Gelegenheiten gibt's nicht viele...:

Berggruens "Bilder waren seine Kinder..." - und sein und deren Schicksal sind ein würdiges und bleibendes.

Der Kunsthändler, Sammler und Mäzen Heinz Berggruen ist 93-jährig gestorben. Er war mit Künstlern wie Picasso befreundet und überließ Berlin eine der wichtigsten Kollektionen der Klassischen Moderne...

Die Welt der Kunst hat zwei große Sammler-Persönlichkeiten verloren: Nach Lothar-Günther Buchheim ist jetzt auch Heinz Berggruen gestorben. Hochbetagt, mit 93 Jahren in Paris.

Da soll jeder in seiner Zeitung (und in seinen Armen oder auf seinen Lippen lesen...), wen er denn braucht für sein Herzens- und Seelen- und Kunstheil.

Dank an Marina!


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 26.02.07 (07:57):

Ja, bei Berggruen könnte ich auch schon eher mit meinen Gefühlen dabei sein. :-)
Erst kürzlich habe ich ein FS-Interview mit ihm gesehen, das u.a. auch seine feine Ironie zeigte, als er sich anläßlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Berlin wunderte, dass man ihn erst rausschmiss aus Deutschland und ihn nun zum Ehrenbürger der Hauptstadt machte.
Seine Sammlung muss wirklich toll sein - aber er kannte ja auch viele wichtige Künstler - she. auch Internet-Tipp!

Internet-Tipp: http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Berggruen


Vorlesefunktion  NIL antwortete am 01.03.07 (10:23):

Impressionismus, Expressionismus, beides z.T. mehr als 100 Jahre her und fortgeführt, ist nach wie vor ein non plus ultra der Kunst.
Buchheim hat hier einen Pflock reingehauen, ein wichtiges Denkmal gesetzt.

Dass Berggruen, der mir bisher unbekannt war, Berlin seine Sammlung überliess, setzt ebenfalls Masstäbe, besonders angesichts seiner Vorgeschichte.



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