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Kunst, Literatur & Kultur
THEMA: Die vergessene Odyssee .
Bisher 4 Antworten.
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nasti
begann die Diskussion am 13.03.07 (11:11) :
Die vergessene Odyssee der Verschleppten
Mittwoch Abend um 20.40 Uhr
Aus sowjetischer Gefangenschaft kehrten 1955 nicht nur Krigsgefangene heim. Wer waren die Verschleppten?
http://www.arte.tv/de/geschichte-gesellschaft/251900.html
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eleonore
antwortete am 13.03.07 (12:31):
@nasti,
wenn du schon ein tv tipp reinstellst, lies wenigstens die programm zeitung und such in netz nach. _________________________________________
Hunderttausende Deutsche wurden in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppt. Viele verloren dort ihr Leben. Zurückkehren konnten die Überlebenden meist erst nach vielen Jahren, zahlreiche von ihnen krank und lebenslang geschädigt.
In der Potsdamer Konferenz im August 1945 hatten die Alliierten diesen „Bevölkerungstransfer”, der in „humaner Weise” erfolgen sollte, gebilligt.
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hugo1
antwortete am 13.03.07 (19:41):
1948 kamen ca 50000 Ungarndeutsche nach Sachsen und wurden dann auf die Dörfer und Städte aufgeteilt.
So bekam ich in der Schule einen neuen markanten Banknachbarn der weder sächselte und noch weniger oberlausitzer Mundart beherrschte.
Der kam aus Ungarn mit den Großeltern. Seine Eltern waren in den Донбасс (das Donezbecken) in die Steinkohlegruben verschleppt worden. Sie mußten dort hart Unter Tage arbeiten und kamen erst einige Jahre später in die DDR, nutzten aber verständlicherweise die erstbeste Gelegenheit in den Westen zu flüchten um aus dem sowjetischem Einflussbreich zu gelangen.
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eleonore
antwortete am 14.03.07 (06:09):
@hugo, in den tv tipp , was hier steht, geht um as anderes. am mittwoch, um 20.40 auf arte kommt eine sendung, mit den titel:*spurlos verschwunden* es geht dabei um menschen, die in eine art reparations leistung NACH dem 2. weltkrieg in stalins sowjetunion verschleppt wurden.
sozusagen, eine lebendige wiedergutmachung, für stalins *menschen* verluste. es kamne an die 300.000 deutschen, mit billigung der alliierten nach russland.
über ihren schicksal und teilweise verschwinden herrscht bis heute ein merkwürdiges schwegen.
ich fand folgendes darüber:
Wie kaum ein historisches Ereignis hat sich die "Heimkehr der Zehntausend" aus sowjetischer Gefangenschaft im Herbst 1955 in das Bewusstsein der Nachkriegs-Bundesrepublik eingegraben. Doch bis heute ist kaum bekannt, dass beinahe ein Drittel dieser Rückkehrer keine Kriegsgefangenen waren. Diese Menschen waren erst nach dem Krieg als politische Opfer des Stalinismus in die Sowjetunion regelrecht entführt worden. Die Dokumentation deckt das Schicksal einiger Verschleppter auf.
Als offiziell schon Frieden herrschte, wurden Hunderttausende aus Deutschland in Stalins Sowjetunion verschleppt, weil die Willkür seiner Justiz es so wollte, weil sie als Arbeitssklaven für die enormen Kriegsschäden büßen sollten oder weil sie als deutsche Waisenkinder in sowjetische Obhut geraten waren. Doch über diesem massenhaften Abtransport Richtung Osten liegt bis heute ein seltsames Schweigen. In der DDR unterlag er einem Tabu und im Westen erschien er politisch nicht opportun. Mithilfe neu erschlossenen Archivmaterials, Film- und Fotoaufnahmen sowie persönlicher Schilderungen erzählt die Dokumentation das Schicksal von Menschen, die in jungen Jahren aus ihrem gewohnten Dasein gerissen wurden und mit ihren erschütternden Erfahrungen jahrzehntelang kaum Beachtung fanden.
Bezeichnend ist die Geschichte von Siegfried Jenkner. Nicht einmal seine Eltern erhielten einen Hinweis, als der 20-jährige Leipziger Student 1951 von einem sowjetischen Militärtribunal in einem Geheimprozess zu langjähriger Lagerhaft verurteilt wurde. Er hatte zusammen mit Gleichgesinnten Kritik an den gesteuerten Einheitswahlen in der DDR geübt. Nach monatelanger Haft wurden die Gefangenen in einem als Postzug getarnten Waggon nach Moskau, von dort meist weiter in sibirische Straflager deportiert. Schätzungsweise wurden an die 300.000 Menschen im gesamten sowjetischen Besatzungsgebiet als eine Art menschliche Reparationsleistung in die Sowjetunion verschleppt. So geriet schon kurz nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 die 20-jährige Regina Hahn im oberschlesischen Beuthen zusammen mit über 2.000 deutschen und polnischen Landsleuten in einen Transport, der nach zweiwöchiger Odyssee in der russischen Hafenstadt Kandalakscha am Polarkreis endete. Dort sollten sie den unterirdischen Kanal eines Wasserkraftwerks in den Granit treiben. Mehr als die Hälfte der Deportierten fand dabei den Tod - unter ihnen auch Reginas Zwillingsschwester Resi.Der Raub von Arbeitssklaven war allerdings keine sowjetische Erfindung. Drei Millionen Sowjetbürger waren während des Zweiten Weltkrieges zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich verschleppt worden. Diese Erkenntnis ordnet das Geschehen historisch ein, das Leid der Betroffenen vermag sie jedoch nicht zu relativieren. - Auch nicht das Schicksal von Kafina Sinskamp, die heute noch bei Kaliningrad lebt. Erst als Jugendliche wurde ihr bewusst, dass sie als deutsches Waisenkind in die Sowjetunion entführt und dort "sowjetisiert" worden war. Im Bann der stalinistischen Glaubenslehre wies sie eine Suchanfrage ihrer deutschen Eltern brüsk zurück. Heute bereut die über 60-Jährige, dass sie ihre Herkunft einst verleugnet hat. Bis in ihren Lebensabend hat sie sich die Sehnsucht bewahrt, wenigstens eine Ahnung von ihren Wurzeln und ihren leiblichen Eltern zu erhalten. Quelle:ARTE
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hugo1
antwortete am 14.03.07 (08:57):
eleonore, ich zähle die Verschleppung dieser Ungarndeutschen doch dazu. Der Krieg war zu Ende, die für den Bergbau in der Sowjetunion untauglichen Großeltern und Enkel wurden später nach Deutschland ausgesiedelt nachdem die Eltern in die SU verschleppt waren.
Was Du beschreibst (Beispiel 1951) würde ich unter politische Inhaftierung einstufen, genauso wie die Gefangennahme vieler ehemaliger einfacher Naz-Mitläufer und neuer Regimekritiker in die neuen Nachkriegs Konzentrations-Läger wie Sachsenhausen, Fünfeichen usw.
Wer da alles noch nach "Sibirien" kam, wegen echter, unechter und willkürlicher Gründe ist wohl kaum noch im Detail nachzuweisen, zumal es auch eine deutsche Mithilfe (Denunziation usw.) gab. Die Unterlagen dafür dürften beträchtliche Lücken aufweisen und Zeugenbefragungen wurden zu DDR Zeiten (aus bekannten Gründen)nicht durchgeführt.
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