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Kunst, Literatur & Kultur
THEMA: Vor Palmfest , Passion und Ostern.
Bisher 30 Antworten.
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Elfenbein
begann die Diskussion am 24.03.07 (10:14) :
Horst Bienek: Unerwartete Gäste
Gestern waren die Zwölf Apostel bei mir zu Gast ich tischte allen auf was der Kühlschrank hergab
Sie müssen von sehr weit gekommen sein sie waren hungrig und durstig und auf ihren Mänteln klebte dick der Staub Ich wollte wissen wer unter ihnen Johannes sei und wer Judas
Sie sagte sie übten noch die Rollen werden erst kurz vor Ostern festgelegt *
(Aus: Horst Bienek: Wer antwortet wem. München 1991: Carl Hanser Verlag. S. 37)
* Dieses Gedicht stand hier schon mal im ST, vor Jahren.
Ich möchte noch auf eine Deutung hinweisen:
Internet-Tipp: http://kurzlink.seniorentreff.de/0nVMEBw3M
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Elfenbein
antwortete am 28.03.07 (10:10):
Hier sollen nicht nur religiöse Jahreszeit-Gedichte, sondern auch Poeme im Naturlook oder im putzigen Festgewand erscheinen; z. B. ein Text, der die Stärken des Deutschen retten will, im "Starkdeutsch":
März
Bei uns, wo wenig ist normal, vollindt das Jahr sich nun im März, dem stärksten Mond am Erdenball, vorbei des Frostes Harm und Schmerz.
Nun wieht der Lenz mit lauer Luft den Schnee aus Berg und Auen, vertriebt den Winter, diesen Schuft, und endlich in die Flur uns ruft Gott Mars, das Grün zu schauen,
das er mit Donners Schall erwuk, zu brechen durch die Krumen, und hier und da das Aug’ erbluk die ersten Frühlingsblumen.
Nun hird nicht, Bauer, iel hinaus, bestill des Feldes Scholle! So auch der Stadtmensch hipf vor’s Haus und spind der Märzenkraft Applaus und freue sich - wie Bolle!
Mein Dank gilt carun, diesem Freund, der kennt nicht Klecks, nur Klotzen, und hat, mit mir im Werk vereint, zwölf Monde übersotzen. * Verfasset, translatieret und edieret von amarillo.
Internet-Tipp: http://www.soviseau.de/verben/lyrisches.htm#maerz
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Enigma
antwortete am 28.03.07 (10:29):
...oder auch Briefe an den Osterhasen??
Zwieselchen schreibt an den Osterhasen
Das Zwieselchen hatte unter seinen Sachen ein kleines Heft mit sehr schönen Bildern, auf denen lauter feine Damen in Pelzmänteln zu sehen waren. Es war einmal mit der Post gekommen, und die Eltern hatten gesagt, sie bräuchten es nicht, das Zwieselchen könne es haben. Es war auch etwas mit ganz dicken und großen Buchstaben darauf gedruckt, das anfing: "Wir raten Ihnen zur Vorsicht beim Ankauf von Pelzwaren." Dieses Heft fand die Else besonders schön, und darum hatte sie dem Zwieselchen auch oft das Gedruckte vorgelesen. Mit diesem Heft ging das Zwieselchen jetzt zur Else in die Küche und sagte: "Else, bitte, lies es mir noch einmal vor!" "Jetzt habe ich keine Zeit, Zwieselchen", antwortete die Else, "ich muss das Frühstücksgeschirr abwaschen." "Nur den Anfang, Else, das dauert doch nicht lange." Da las die Else: "Wir raten Ihnen zur Vorsicht beim An ... " "Nur bis daher, Else!" rief das Zwieselchen. "Jetzt zeige mir bloß noch, wo 'Vorsicht' gedruckt steht." Die Else zeigte auf die Stelle, und das Zwieselchen machte sich rasch mit dem Fingernagel einen Strich hin. "Warum musst du denn das wissen ?" fragte die Else. Aber darauf gab das Zwieselchen keine Antwort, es sagte bloß: "Danke schön!" und lief weg. Aus dem Papierkorb neben Mutters Schreibtisch holte es sich einen Briefbogen, der auf der einen Seite noch leer war, so dass man darauf einen Brief schreiben konnte, einen Brief an den Osterhasen. jetzt schreit ihr alle: "Aber das Zwieselchen kann doch noch gar nicht schreiben!" Da habt ihr freilich recht, aber den Brief an den Osterhasen hat es doch fertiggekriegt, hört nur zu. Aus einer Zeitung vom Papierkorb schnitt es sich mit der Schere aus Mutters Nähkasten ein Bild vom Osterhasen heraus, klebte es mit Syndetikon auf den Briefbogen. Dann holte es sich sein Struwwelpeterbuch, das leider schon ganz auseinandergefallen und zerrissen war, sooft hatte das Zwieselchen es schon besehen. Dort, wo die Geschichte vom wilden Jäger und dem Hasen war, dort war es besonders zerrissen, darum war es nicht weiter schade, dass das Zwieselchen ein Bild vom Jägersmann herausschnitt, und das wurde neben das Hasenbild geklebt. Dann schnitt das Zwieselchen die ersten Worte aus dem Pelzheft heraus, bis zu dem Strich mit dem Fingernagel, und klebte sie darunter, und nun war der Brief fertig. Rundherum sah man die Kleckse von dem Syndetikon, und das Zwieselchen konnte kaum die Finger von dem Papier losmachen, so klebrig waren sie geworden. Da war also erstens ein Osterhasenbild und zweitens ein Jägerbild, und darunter stand "Wir raten Ihnen zur Vorsicht". Gewiss würde der Osterhase verstehen, was das bedeutete: nämlich, dass er sich vor dem Jäger in acht nehmen sollte.
Fortsetzung!
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Enigma
antwortete am 28.03.07 (10:34):
Fortsetzung!
Das Zwieselchen ging zum Vater und bat um einen Briefumschlag. "Wozu denn?" fragte der Vater. Das Zwieselchen wurde rot und sagte: "Das ist ein Ostergeheimnis", und da lachte der Vater und gab ihm einen Briefumschlag. In den Umschlag kam der Brief, und auf den Umschlag malte das Zwieselchen drei Kreuze, damit der Osterhase den Brief auch recht schnell bekommen sollte. Aber in den Briefkasten wollte es den Brief nicht stecken, denn es war ja Sonntag, da wurde der Kasten nur einmal geleert, dann kamen die Briefe noch auf die Post, da konnte es wer weiß wie lange dauern. Nein, der Brief musste zum Hasennest gebracht werden, aber das Zwieselchen wusste nicht, wie es hinkommen sollte, denn allein durfte es nicht so weit fort in den Wald, und im Kindergarten waren Ferien, und die Eltern und die Else konnte es nicht bitten, mit ihm. hinzugehen, weil es doch ein Geheimnis bleiben sollte, und außerdem hatten die keine Zeit, denn der Vater saß in seinem Schreibzimmer, und die Mutter wirtschaftete mit der Else in der Küche umher. Aber da sah das Zwieselchen eben aus dem Fenster, und wen sah es ? Den Onkel Sebastian, der gerade von der Straße aus die Gartentür aufklinkte! Das Zwieselchen brüllte: "Hurra!" und rannte ihm entgegen und schrie: "Onkel Sebastian! Onkel Sebastian! Ach bitte, bitte, du musst gleich ein bisschen mit mir spazieren gehen! " "Donnerwetter 1 " sagte der Onkel Sebastian lachend. "Das ist ja eine sonderbare Begrüßung, wenn man sich ein halbes Jahr nicht gesehen hat! Darf ich nicht wenigstens erst ins Haus und deinen Eltern guten Tag sagen?" "Ach, der Vater schreibt, und die Mutter ist in der Küche, und wir sind ja auch sehr schnell wieder zurück, ach, bitte, bitte, Onkel Sebastian!" Der Onkel wunderte sich allerdings sehr, aber er war ein herzensguter Mann, und darum werdet ihr euch nicht wundern, dass er mit dem Zwieselchen spazieren ging. Das Zwieselchen war nur rasch ins Haus gelaufen und hatte den Brief geholt. "Aber nicht fragen, Onkel Sebastian, was ich mit dem Brief will, das ist nämlich ein Ostergeheimnis " Also fragte der Onkel Sebastian nicht, und als sie bei den Eichen im Walde waren, da musste er einen Augenblick warten, das Zwieselchen rannte mit seinem Brief weg und kam ohne den Brief wieder. Der Osterhase war gerade nicht zu Hause gewesen, und Eier waren in dem Nest auch nicht gelegen, aber nun lag der Brief darin, und wenn der Hase zurückkam, dann musste er ihn finden und würde sich vor dem Jäger in acht nehmen.
Autor: Werner Bergengruen
Internet-Tipp: http://www.ostern.fk8.de/geschichten/inhalt.htm
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angelottchen
antwortete am 28.03.07 (10:55):
schönes Thema :-) ein kleiner Lesetipp für alle, die es ein wenig schräg mögen: "Ostergeschichten" von Robert Gernhardt ...
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Marina
antwortete am 01.04.07 (09:21):
Im Vatikan bedient man sich Palmsonntags echter Palmen. Die Kardinäle beugen sich und singen alte Psalmen. Dieselben Psalmen singt man auch, Ölzweiglein in den Händen, Muß im Gebirg zu diesem Brauch Stechpalmen gar verwenden. Zuletzt, man will ein grünes Reis, So nimmt man Weidenzweige. Damit der Fromme Lob und Preis auch im geringsten zeige.
Johann Wolfgang von Goethe
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Enigma
antwortete am 02.04.07 (07:40):
Ostergedicht
Wenn die Schokolade keimt, Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen "Glockenklingen" sich auf "Lenzesschwingen" Endlich reimt Und der Osterhase hinten auch schon preßt, Dann kommt bald das Osterfest.
Joachim Ringelnatz
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schorsch
antwortete am 02.04.07 (10:59):
Wenn Osterhasen Eier legen, Hormone sich im Körper regen, wenn ich zur Liebe bin bereit, naht wohl die holde Osterzeit!
Schorsch
P.S.
Wenn Hormone sich im Körper regen, kann ich auch eigene Eier legen (;-)
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Marina
antwortete am 02.04.07 (17:52):
Häschen, Häschen in den Tann' (Kindergartenlied)
Häschen, Häschen in den Tann mit zwei langen Ohren, hast ja wohl ich seh's dir an dein Pinselchen verloren.
Häschen, Häschen ist nicht dumm, dideldidel Häschen. Häschen dreht sich einfach um, und pinselt mit dem Schwänzchen.
:-)
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Enigma
antwortete am 03.04.07 (08:48):
Marina, da will ich Deinem Häslein doch flugs noch eines zur Seite stellen, sonst ist es ja so alleine "in der Tann". ;-)
Das Häslein
Unterm Schirme, tief im Tann, hab ich heut gelegen, durch die schweren Zweige rann reicher Sommerregen.
Plötzlich rauscht das nasse Gras - stille! Nicht gemuckt! Mir zur Seite duckt sich ein junger Has -
Dummes Häschen, bist du blind? Hat dein Näschen keinen Wind?
Doch das Häschen, unbewegt, nutzt, was ihm beschieden, Ohren, weit zurückgelegt, Miene, schlau zufrieden.
Ohne Atem lieg ich fast, lass die Mücken sitzen; still besieht mein kleiner Gast meine Stiefelspitzen ...
Um uns beide - tropf - tropf - tropf - traut eintönig Rauschen ... Auf dem Schirmdach - klopf - klopf - klopf ... Und wir lauschen ... lauschen ...
Wunderwürzig kommt der Duft durch den Wald geflogen; Häschen schnuppert in die Luft, fühlt sich fortgezogen;
Schiebt gemächlich seitwärts, macht Männchen aller Ecken ... Herzlich hab ich aufgelacht Ei, der wilde Schrecken!
Christian Morgenstern
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Elfenbein
antwortete am 03.04.07 (16:26):
Ich werde hier noch einige Texte zum Thema "Judas=Verräter?" einstellen:
Peter Schütt: Wanted
Gesucht wird der mutmaßliche Pazifist Jesus von Nazareth. Wegen Friedenshetze, fortgesetzter Kriegsdienstverweigerung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Der Gesuchte macht rücksichtslosen Gebrauch von seiner Friedfertigkeit und befindet sich im Besitz staatsgefährdender Materialien wie dem Urtext der Bergpredigt. Er hat an illegalen Besetzungsaktionen von Tempeln, Ställen und anderen der militärischen Sicherheit dienenden Anlagen teilgenommen. Meldungen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen; für die Ergreifung des Täters sind dreißig Silberlinge als Judaslohn ausgesetzt. * (Aus: Helmut Lamprecht: Wenn das Eis geht. Fischerhude 1983. S. 42)
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Enigma
antwortete am 03.04.07 (20:35):
Ein tolles Gedicht!
Ich möchte gerne eines einstellen,das mir sehr gut gefallen hat. Es hat zwar nichts mit Judas zu tun, aber mit der Auferstehung und den möglichen Folgen dieser Auferstehung:
das könnte manchen herren so passen wenn mit dem Tode alles beglichen die herrschaft der herren die knechtschaft der knechte bestätigt wäre für immer das könnte manchen herren so passen wenn sie in Ewigkeit herren blieben im teuren privatgrab und ihre knechte knechte in billigen reihengräbern aber es kommt eine auferstehung die anders ganz anders wird als wir dachten es kommt eine auferstehung die ist der aufstand gottes gegen die herren und gegen den herrn aller herren: den tod
Kurt Marti Leichenreden
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elena
antwortete am 04.04.07 (00:12):
Zu diesen österlichen Gedichten und Versen hier die passenden Fotos von der Semana Santa, der Heiligen Woche in Spanien, - aufgenommen in díeser Woche.
Allen ein schönes Osterfest und Grüsse von Elena
Internet-Tipp: http://www.seniorentreff.de/hp/kluge
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schorsch
antwortete am 04.04.07 (08:43):
Eniga, gewusst, dass Kurt Marti ein Schweizer Pfarrer ist? In seiner "doppelten Funktion" sitzt er immer zwischen zwei Stühlen: Als Pfarrer muss er die Bibel zitieren, als Schriftsteller muss er akzeptieren, dass die Bibel auch nur ein Buch ist wie die seinigen: Krimis!
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Elfenbein
antwortete am 04.04.07 (09:09):
"Judas", "Judaskuss", "Judaslohn", der "Mann mit den Silberlingen", der "Selbstmörder"...; der Name des Judas wurde zum Synonym für "Verräter". Der christliche Antijudaismus machte daraus, dass jeder Jude des Gottesmordes schuldig sei. Der Antisemitismus war die weltlich politische Form dieser Ausgrenzungs- und Vernichtungsideologie; in Deutschland perfektioniert.
Der Begriff, jemanden zum "Judas" zu stempeln, um sich selbst - mit Berufung auf Gottes Liebe - zu rechtfertigen, ist schon in vielen Texten aufgegriffen worden, die solche Denunzitationen kritisieren.
Heinz Rudolf Kunze: Dein Spion
Ich bin dein Spion komm und ertapp mich schon ohne mich zu warnen sollst du mich enttarnen Ich bin dein Spion dein Paradoxon abgefeimter Dunkelmann in deinem Pentagon Ich bin dein Spion innerste Mission ganz gewisse Stunden sind mein Judaslohn Ich bin dein Spion deine leise Waffe umkreise dich im Satellit als tapfrer Rhesusaffe Ich bin dein Spion du sollst mir nicht vertrauen ich bin deine letzte Rettung tanz mit mir auf dem Seilbahndach nie nach unten schauen Ich bin dein Spion innerste Mission ganz gewisse Stunden sind mein Judaslohn * (Aus: H.R.K.: Heimatfront. Berlin. 2000)
Internet-Tipp: http://www.heinzrudolfkunze.de/texte/texte/deinspion.html
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Enigma
antwortete am 04.04.07 (09:30):
@schorsch ja, ich weiß, wer Kurt Marti ist. Aber nach meinem Dafürhalten sitzt er nicht zwischen zwei Stühlen, weil er sagt, was er sagen will oder wollte, selbst auf die Gefahr, daraufhin als "Subversiver" bezeichnet zu werden. Für mich gehört er aber zu den "Aufrechten", wie einige andere auch. Ich glaube auch, dass er nicht mehr als Pfarrer tätig ist. Aber das müsste ich kontrollieren. Später, weil ich jetzt dringend weg muss. :-)
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Elfenbein
antwortete am 04.04.07 (16:41):
Ostern Wenn ich alle deine Wunder vergessen hätte, Jesus, Gesandter des Herrn, Deine Auferstehung von den Toten wär genug, daß ich Dir anhing in Verehrung, in frommem Glauben, auch mein Tod ist nur Vorübergang.
Der Schein der irdischen Leuchten bedeuten Deinen Sieg. Du bist die Mitte des Ostertags. Die Wärme flog herab, Dich zu umarmen.
Taub schien der Fels zu sein, doppelt taub nach dem Karfreitagstod. Er taute auf. Himmelsglorie erleb ich, Kirchenlieder, es summt der Erdkreis mit.
Johannes Kühn * Ist mir zugeflogen, passend zur Passionswoche; auferstanden aus Kopien...
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schorsch
antwortete am 04.04.07 (17:03):
http://www.predigtpreis.de/predigtpreis2005/predigten2005/lebenslauf-marti.html
Internet-Tipp: http://kurzlink.seniorentreff.de/mwf3tr9ph
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Enigma
antwortete am 04.04.07 (18:04):
Ich sehe das etwas anders, Schorsch, nämlich so, dass seine zwei „Berufe“, wie im nachfolgenden Text aufgeführt, ihm eher ein positives Spannungsfeld und gesteigerte Produktivität verliehen haben.
„Kurt Marti wurde am 31.1.1921 in Bern geboren. Nach der Matura studierte er evangelische Theologie in Bern und Basel. Im Dienste des ökumenischen Rates der Kirchen verbrachte er ein Jahr in Paris. Von 1963 bis 1983 war Marti Pfarrer an der Nydeggkirche in Bern. Er ist Mitbegründer der "Erklärung von Bern" für mehr Solidarität mit der Dritten Welt und Mitbegründer der "Schriftsteller-Gruppe Olten". Marti lebt in Bern. Sein Werk ist undenkbar ohne die Impulse des christlichen Glaubens und utopischer Vorstellungen. Dennoch - oder deswegen? - geriet Marti, als amtierender Pfarrer, in der Zeit des Kalten Krieges in den Verdacht, ein Kommunist und Subversiver zu sein. Der Beruf, den Marti kontinuierlich ausübte, hat ihn im Schreiben nicht gehemmt, sondern bereichert und angeregt, gerade durch die dauernde Spannung zwischen der kirchlichen und der literarischen Sprache." (...) She. Internet-Tipp!
dem herrn unserem gott hat es ganz und gar nicht gefallen daß gustav e. lips durch einen verkehrsunfall starb erstens war er zu jung zweitens seiner frau ein zärtlicher mann drittens zwei kindern ein lustiger vater viertens den freunden ein guter freund fünftens erfüllt von vielen ideen was soll jetzt ohne ihn werden? was ist seine frau ohne ihn? wer spielt mit den kindern? wer ersetzt einen freund? wer hat die neuen ideen? dem herrn unserem gott hat es ganz und gar nicht gefallen daß einige von euch dachten es habe ihm solches gefallen im namen dessen der tote erweckte im namen des toten der auferstand: wir protestieren gegen den tod von gustav e. lips
was kommt nach dem tod? nach dem tod kommen die rechnungen für sarg begräbnis und grab was kommt nach dem tod? nach dem tod kommen die wohnungssucher und fragen ob die wohnung erhältlich was kommt nach dem tod? nach dem tod kommen die grabsteingeschäfte und bewerben sich um den auftrag was kommt nach dem tod? nach dem tod kommt die lebensversicherung und zahlt die versicherungssumme was kommt nach dem tod? ( aus: Leichenreden von Kurt Marti, 2001 Nagel & Kimche)
Internet-Tipp: http://www.svbbpt.ch/Literatur/deutsch/treschT19.htm
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Elfenbein
antwortete am 05.04.07 (07:30):
Kurt Marti: Auferstehung
die indianer sind da vom genocid auferstanden & wir schämen uns weisse zu sein denn die farbe der unschuld ist braun & wir werden einander die körper bemalen in allen oekumenischen farben & die letzte enzyklika macht rassenvermischung zur christlichen pflicht
* Aus: K.M.: Republikanische Gedichte. 1959/1971. S. 36.
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kropka
antwortete am 05.04.07 (09:22):
Karfreitag
Karfreitags Krone. Heldenkönig! Einsames Haupt. Verstoßen. Erheben Die feige Flucht verdammender Hände. Ein suchender führender Quell. Wenn ich erhöht sein werde, will ich alle zu mir ziehen. Und die Welt, die schwere Welt, die leichtsinnschwere Welt, Fast schon oben, reißt ab, eine Wunde reißt auf, Der Seele, Wunde des Leibes, Wunde des Todes: Vater verzeihe ihnen, sie wissen nicht, was sie tun. Zum schmerzlichen Hohn der Dornenkrone Fallen kühlende Tropfen fühlender Größe. Dem bedeutenden, einsamen Menschen an seinem Tage nahe sei, So ist stiller Freitag, so ist Ostern Trauerhelles Opferglück. Abschiednehmendes Wiedersehn.
PETER HILLE aus: Blätter vom fünfzigjährigen Baum.
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Enigma
antwortete am 05.04.07 (17:01):
"Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln."
Dietrich Bonhoeffer, (1906 - 1945), deutscher evangelischer Geistlicher und Widerstandskämpfer im Dritten Reich, am 9.4.1945 in Flossenbürg hingerichtet
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schorsch
antwortete am 06.04.07 (08:41):
Wer an den Osterhasen glaubt auch nicht - es sei denn im Moment, da ihm seine Illusion zerstört wird (;-)
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Enigma
antwortete am 06.04.07 (09:42):
DER EINSAME CHRISTUS
Wachet und betet mit mir! Meine Seele ist traurig bis an den Tod. Wachet und betet mit mir! Eure Augen sind voll Schlafes - könnt ihr nicht wachen? Ich gehe, euch mein Letztes zu geben - und ihr schlaft … Einsam stehe ich unter Schlafenden, einsam vollbringe ich das Werk meiner schwersten Stunde. Wachet und betet mit mir! Könnt ihr nicht wachen? Ihr alle seid in mir, aber in wem bin ich? Was wißt ihr von meiner Liebe, was wißt ihr vom Schmerz meiner Seele? O einsam! Einsam! Ich sterbe für euch - und ihr schlaft! Ihr schlaft!
Christian Morgenstern
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Elfenbein
antwortete am 07.04.07 (08:55):
Jean Paul, in seiner "Vorschule der Ästhetik" (§ 14)
Instinkt des Genies oder genialer Stoff
Sobald im Genius die übrigen Kräfte höher stehen, so muß auch die himmlische über alle, wie ein durchsichtiger reiner Eisberg über dunkle Erden-Alpen, sich erheben. Ja eben dieser hellere Glanz des überirdischen Triebes wirft jenes Licht durch die ganze Seele, das man Besonnenheit nennt; der augenblickliche Sieg über das Irdische, über dessen Gegenstände und unsere Triebe dahin, ist eben der Charakter des Göttlichen, ein Vernichtungskrieg ohne Möglichkeit des Vertrags, wie ja schon der moralische Geist in uns als ein unendlicher nichts außer sich für groß erkennt. Sobald alles eben und gleich gemacht worden, ist das Übersehen der Besonnenheit leicht. Hier ist nun der Streit, ob die Poesie Stoff bedürfe oder nur mit Form regiere, leichter zu schließen. Allerdings gibt es einen äußern mechanischen Stoff, womit uns die Wirklichkeit (die äußere und die psychologische) umgibt und oft überbauet, welcher, ohne Veredlung durch Form, der Poesie gleichgültig ist und gar nichts; so daß es einerlei bleibt, ob die leere Seele einen Christus oder dessen Verräter Judas besinge.
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Elfenbein
antwortete am 07.04.07 (08:59):
Walter Jens fragt sich auch, wofür eine Friedensreligon einen "Judas" brauche...
Jens: Braucht Gott den Judas?
Nein, es sind die Menschen in ihrer Mutlosigkeit, ihrem Rechthabenwollen, in ihrer Machtbereitschaft oder im Autoritätsmißbrauch, in ihrer häufig verzweifelten brauchen – für ihre Restitution, für ihre Selbstbehauptung, für ihre Menschen- und Gottesbilder – den Judas. Für ihre Selbstvergewisserung. Daß hier Umbrüche entscheidend sind, wird kaum ein Judas- abstreiten. Wie wir aus der theologischen-paradoxen und sozial-liebesentleerten Sackgasse entkommen – ein Rätsel – szenisch und dialogisch darzustellen am Fall Judas. * Walter Jens: Zeichen des Kreuzes. Vorwort zu "Der Fall Judas"; in: Vier Monologe. Stuttgart 1994. S. 21-39.
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kropka
antwortete am 07.04.07 (23:42):
Judas
Die Locke der Qual springt über der Stirne Drin wispern Winde, und viele Stimmen Die wie Wasser vorüberschwimmen.
Doch er rennet bei Ihm gleich einem Hunde Und er picket die Worte hervor in dem Kote. Und er wieget sie schwer. Sie werden tote.
Ach, der Herr ging über die Felder weiß Sanft hinab am schwebenden Abendtag Und die Ähren sangen zum Preis, Seine Füße waren wie Fliegen klein, In goldener Himmel Schein.
Georg Heym
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kropka
antwortete am 08.04.07 (11:32):
Fröhliche Ostern
Da seht aufs neue dieses alte Wunder: Der Osterhase kakelt wie ein Huhn und fabriziert dort unter dem Holunder ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.
Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder – er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei ... Ja, was errötet denn die Gattin wieder? Ei, ei, ei ei, ei ei!
Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware ins pappne Ei zum besseren Konsum: Ein seidnes Schupftuch, Nadeln für die Haare, die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.
Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben, sucht die voll Sinn versteckte Leckerei. Man ruft beglückt, wenn sies gefunden haben: Ei, ei, ei ei, ei ei!
Und Hans und Lene steckens in die Jacke, das liebe Osterei – wen freut es nicht? Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke, und ohne jedes innre Gleichgewicht.
Die deutsche Politik... Was wollt ich sagen? Bei uns zu Lande ist das einerlei – und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen! Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!
Kurt Tucholsky
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Elfenbein
antwortete am 09.04.07 (23:23):
Dank Dir, Kropka, für die schönen Judas-Gedichte!
Ich hoffe, du hattest auch ein schönes Fest!
* Ein etwas schwerer, klassischer Text:
Jean Paul: Vorschule der Ästhetik (§ 14)
Instinkt des Genies oder genialer Stoff
Sobald im Genius die übrigen Kräfte höher stehen, so muß auch die himmlische über alle, wie ein durchsichtiger reiner Eisberg über dunkle Erden-Alpen, sich erheben. Ja eben dieser hellere Glanz des überirdischen Triebes wirft jenes Licht durch die ganze Seele, das man Besonnenheit nennt; der augenblickliche Sieg über das Irdische, über dessen Gegenstände und unsere Triebe dahin, ist eben der Charakter des Göttlichen, ein Vernichtungskrieg ohne Möglichkeit des Vertrags, wie ja schon der moralische Geist in uns als ein unendlicher nichts außer sich für groß erkennt. Sobald alles eben und gleich gemacht worden, ist das Übersehen der Besonnenheit leicht. Hier ist nun der Streit, ob die Poesie Stoff bedürfe oder nur mit Form regiere, leichter zu schließen.
Allerdings gibt es einen äußern mechanischen Stoff, womit uns die Wirklichkeit (die äußere und die psychologische) umgibt und oft überbauet, welcher, ohne Veredlung durch Form, der Poesie gleichgültig ist und gar nichts; so daß es einerlei bleibt, ob die leere Seele einen Christus oder dessen Verräter Judas besinge.
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kropka
antwortete am 10.04.07 (11:50):
Und was sagst Du hier dazu?.. Ich habe Kurt Eimers in der lyrikwelt.de gefunden. Ich eile.. morgen ist vielleicht für "alles" zu spät? :-) Kurt Eimers
Ostergedicht
Den Nagel im Kreuz auf den Kopf getroffen
Die Lanze gebrochen für ein flatterndes Herz
Noch heute zusammen im Paradies
Und morgen schon über alle Berge
Auferstehung soll stattfinden
Aber wer rollt den Grabstein weg?
Die Zähne zusammengebissen im Essigschwamm
Sitzt ein Engel einsam im Bunker
Apostel schwärmen hinaus in die Welt
Die Finger geschwärzt von druckfrischen Bibeln
Stalin zankt sich mit Hitler um das Recht auf Asyl
Die unbefleckte Empfängnis wird Bürgerpflicht
In Gottes zahllosen Ländern
Kinder üben Erbrechen
Ein Held jagt das V aus dem Alphabet
Sanft bläst der Wind die Feuer aus
Rauch beisst aus den Haufen aus Scheitern
Es ist Zeit zum Holzsammeln, Freunde
(aktualisierte Fassung 2003)
http://www.lyrikwelt.de/
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kropka
antwortete am 10.04.07 (11:57):
Und zum Schluss... Ja, natürlich, ich war brav gewesen ;-) habe 3 x DIE MANNS bei 3sat gesehen (danke!), musste auch an Angelotte denken, sie hat es mal "Guildo Horn und seine Gäste" empfohlen und es kam jetzt tatsächlich auf SWR die Wiederholung: gestern.. und vorgestern! Auch danke!
zweitausendeins.de schickte mir ein Gedicht, dieses würde ich gerne noch zum Abschluss der Feiertage mit dem Kommentar hier plazieren: UND ZUM SCHLUSS EIN GERNHARDT-GEDICHT: Lied
In dem Grase war ein Tier, es saß dort, ich stand hier. Ich ging langsam darauf zu, fragte es: Wer bist dann du? Bist du bräunlich oder rot? Bist lebendig oder tot? Bist ein Teufel oder Gott? Oder bist du ein Hase?
'Denken wir uns einen Dichter. Einen, der wunderbar leicht und tiefsinnig dichten kann, dass selbst Menschen, die sich eine Hornhaut ueber der Seele zugelegt haben, wieder an Lyrik glauben. Geben wir ihm den Namen Robert Gernhardt' (Luebecker Nachrichten).
http://www.zweitausendeins.de/r.cfm?Nr=3330
Internet-Tipp: http://www.zweitausendeins.de/r.cfm?Nr=3330
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