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THEMA:   Leben und Kultur der Zigeuner.

 Bisher 19 Antworten.

lola begann die Diskussion am 27.03.07 (18:44) :

Hallo - u.a. Pilli - Erinnerst Du noch die Zeit, als ich mich mit dem Leben der Zigeuner beschäftigte und Euch von meinen Ergebnissen berichten wollte? Du (???) erinnertest für mich unglaubwürdig von einer Volksweise???
Soeben war eine wunderbare Sendung im Phoenix über Zigeuner und ihre Art zu leben! Das war hoch interessant,wenn ich darin auch alles wieder fand, was ich damals gelesen hatte. Jetzt waren sie alle in Lourd, in Frankreich sind sie alle akzeptiert und frei! Und in Lourd ist es bekannt, daß die Zigeuner zuverlässige Christen sind! - Ja, ich hätte Euch gern rasch angerufen! Aber wie - wo?
Aber wenn Ihr aus dieser Nachricht entnehmt, daß man im Fernsehen viel hören, erleben und kennen lernen kann!
Es ist schon ein großartiges Volk, daß von uns Deutschen einfach nicht anerkannt wird und oft sehr verfolgt!
Vielleicht findet Ihr derartige Sendungen auch?
Seid gegrüßt von lola.


Vorlesefunktion  schorsch antwortete am 28.03.07 (09:18):

"Die Zigeuner" unterteilen sich in Europa in die Hauptgruppen Sinti und Roma, dazu aber noch in kleinere Gruppen. In der Schweiz nannte man früher alle Fahrenden "Hudere". Besonders bekannt bei uns sind die "Hudere-Bader".

Vor Jahren kampierte ich in der Lindtebene an einem Grundwasserseelein, wo bereits 2 Wohnwagen standen. Nach und nach füllte sich die ganze Wiese. Es waren an die 20 Wohnwagen mit imposanten Zugfahrzeugen. Am Abend sassen wir um ein Feuer und einige "Zigeuner" musizierten. Anfänglich hatte meine Frau riesige Angst, es könnte etwas gestohlen werden. Aber nichts dergleichen geschah.

Anfangs bis Mitte 20. Jahrhundert wurden den fahrenden die Kinder weg genommen, in Anstalten verfrachtet, geplagt, misshandelt, missbraucht. Der "Beobachter" brachte das als erster in die Öffentlichkeit. Es fand ein Umdenken statt. Aber noch heute gibt es Menschen, die damals aus ihrer Familie gerissen wurden und sich noch nicht wiedergefunden haben.


Vorlesefunktion  lola antwortete am 28.03.07 (16:16):

Hallo, schorsch - und alle,die daran interessiert sind!
Als ich in die Schule kam, da waren uns die Zigeuner als "Kinderklauer" dargestellt! Ich hatte selber furchtbare Angst, lief immer sehr rasch heim und verschloss alle Türe gründlich! Das war der Grund, weshalb ich mich letztens sehr intensiv mit ihnen auseinandergesetzt habe: Wo kommen "sie" her? Was sind ihre Lebegewohnheiten, ihre Kultur etc. etc.
Ich will mich hier nicht wiederholen, aber wissen sollt Ihr, daß derartige Vorturteile nun einem großen Wissen gewichen ist! Es hat mich äußerst erfüllt. Aber - Pilli - für eine allgemeine "Nationalhymne" ist keine Bais je gewesen: Die Zigeuner kamen aus sehr vielen und weit auseinanderliegenden Gegenden. D.h. sie sprachen gar nicht die gleiche Sprache!
Was mich aber am tiefsten ergriffen hat, das ist, daß der Maler Otto Müller das Kind einer Zigeunerin gewesen ist. Er wurde von dem Vater des großen Dichters Gerhardt Hauptmann in der Familie aufgenommen, auf eine Kunstschule geschickt und ist dort zum Professor aufgestiegen.
Herrliche Bilder hat er gemalt, sehr einfühlsam und als solcher war er auch unter seinen Kollegen sehr geschätzt!
Wenn Ihr mehr darüber wissen wollt - ich liebe seine Bilder und könnte Euch sowohl über ihn als auch über seine Werke allerlei berichten!
Laßt es mich wissen! Das war für mich ein recht beglückendes Erlebnis!

Gruß von lola.


Vorlesefunktion  lola antwortete am 28.03.07 (20:41):

Ich habe mich bemüht, zwei herrliche Bilder von Otto Mueller hier einzubringen! Ich habe es leider wieder vergessen, wie es geht!
Ich habe Herbert gebetenm, es für mich zu tun! Es könnte ja auch sein, daß das nicht mehr gewollt ist!? Dann kann ich Euch nur anbieten, in meiner "Galerie" nachzusehen, dort findet ihr ein zauberhafte Tänzerin und eine farbig dargestellte Zigeunerin! Dort sind sie im Moment! Ihr könnt sie Euch ansehen! Ich finde es lohnt sich! Aber seht
selber! Gruß von lola.


Vorlesefunktion  lola antwortete am 29.03.07 (08:18):

Ich wollte Euch eigentlich 2 herrliche Bilder von Otto Mueller hier einbrigen. Leider vergesse ich immer wieder das Procedere, wenn ich es lange nicht tat! Darum habe ich Herbert schon gebeten, dieses für mich einzusetzen: Aber: entweder er hatte noch nicht die Zeit oder es ist nicht mehr erlaubt!
Darum: wenn Ihr dennoch diese herrlichen Bilder sehen möchtet, sie sind in meiner "Galery" bei "ST 6VFKS e.V. IM INTERNET.C
Ihr müsst dann zuerst den Platz "persönliche Datein" anklicken, danach "Lolas Computergrafiken" Da sind zwei der herrlichen Bilder von Otto Mueller!
Vielleicht gelingt es Euch? Es lohnt sich!!!
Gruß von Lola.


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 29.03.07 (08:56):

Hallo lola,

Otto Müller finde ich fantastisch. Wir haben schon mal kurz über ihn gesprochen. Nasti kann auch einiges über sein Leben beisteuern, glaube ich. Aber Du kannst uns auch gerne mehr über ihn erzählen. Deine Fotos in der Galerie habe ich schon bewundert.
In einem Internet-Shop für Kunstdrucke kann man auch einige Kopien bewundern - she. Internet-Tipp!

Internet-Tipp: http://www.kunstkopie.de/a/mueller-otto.html/&pid=999?gclid=CMzUrZqzmYsCFSOhZgodn3wkEg


Vorlesefunktion  nasti antwortete am 30.03.07 (01:12):

Hi Schorsch!

Doch war Otto Müller ein Zigeuner? Ich habe gelesen dass er nur wohnte gerne bei dem Zigeuner.
Das gleiche mit Frederico G. Lorca. Einige behaupten das er ein Zigeuner war, andere das Gegenteil.
Ein alter Zigeuner in Ungarn war mit Schulkinder in einem Wald entdeckt, habe ich in TV gesehen, so in 70-ge Jahre. Er wohnte in eine selbst gebastelte Bude in tiefen Wald. Malte auf Karton, lebte allein. Er schrieb Gedichte und malte, sprach mit Bäume und Pflanzen. Das TV Stab kam zu Ihm nachdem die Schulkinder brachten für Ihm Farben und Leinwände.
Hunderte von Bildern malte er danach, fast alle befinden sich jetzt in Budapester Museum. Er war mit Chagal verglichen, die Stadt möchte Ihm in eine normale Wohnung übersiedeln, was er lehnte ab. Er war glücklich, die Bäume waren seine Brüder und Schwester, die Vogel seine Familia, das Geld für die Bilder verteilte er zwischen Zigeuner. Seine Name: Balazs Janos.

Hi Enigma,


fantastisch gute Bilder, wie ich sagte die ganze "Brücke" liebe ich sehr, am meistens Ludwig Krichner.


Vorlesefunktion  nasti antwortete am 30.03.07 (01:48):

Hi Lola!

Ich habe eine Erzählung gelesen, wo das Paradies 2 war nach Atlantis verlegt. Dort war der Sohn von Adam der Kain, und er sollte der ernste Zigeuner sein. Wegen seiner Schuld dass er sein Bruder umgebracht hatte, war er so bestraft. Er war verbannt von Paradies 2, und das Fluch lautete: „Du wirst ein Nomade sein, und nie werdest du deine Heimat nirgendwo finden können, und das für ewige Zeiten.“
Über dieser Schuld muss für ewige Zeiten schweigen, keiner anderer darf erfahren das du der Kain bist, deine Nachfahren genauso müssen das verschwiegen.

Deswegen war das schriftliche verboten, es ist kein Dokument geblieben, woher kamen die Zigeuner, wie haben sich weiter entwickelt. Sie sollten nach Untergang des Atlantis in Indien landen mit seine Tarot Karten und magische Fähigkeiten zusammen, wo Sie mischten seine eigene Sprache mit Sanskrit.
Einige Wissenschaftler behaupten, das Sie sprechen auch heute teilweise mit Sanskrit, was ist schon lange Zeit ausgestorbene Sprache , die andere Teile der Zigeuner Sprache können Sie mit gar keine andere Sprache verglichen, oder identifizieren, total unbekannt.
Viele Zigeuner behaupten das Sie stammen von ernsten Söhnen des Adams. Es ist ein total geheimnisvolles Volk, frei, ohne Gesetze und Paragraf, und auch nach vielen Experimenten / Mischung mit weiße Menschen bis 5-6 Generationen / bleiben innerlich Zigeuner, auch mit hellen haut und blauen Augen.
In viele Menschen steckt ein Zigeuner. :O))). Wer weis, was vor paar hundert Jahren passierte?


Vorlesefunktion  Wolfgang antwortete am 30.03.07 (09:28):

Auf eine oesterreichische Website von und fuer Roma will ich hinweisen: http://www.roma-service.at/

Eine huebsche und interessante Zeitung machen sie: d|ROM|a. Die gibt es in ihrer eigenen Sprache und in Deutsch.

Die Ausgabe 12/06 ist die aktuellste Ausgabe. Die einzelnen Artikel sind nicht abrufbar, dafuer aber die ganze Zeitung. Ein Maerchen ist abgedruckt, das mir gefallen hat: Der Kranke traegt den Gesunden. Maerchen aus dem Burgenland, erzaehlt von Ludwig Horvath.

Internet-Tipp: http://www.roma-service.at/droma/zeitung.shtml


Vorlesefunktion  schorsch antwortete am 30.03.07 (09:39):

nasti, nach hemas Auffassung sind wir doch alle Nachkommen von Adams Söhnen, oder?


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 30.03.07 (15:53):

Das Märchen hat mir auch gefallen. :-)

Im Übrigen sind Sinti oder Roma nicht nur im Bereich der bildenden Künste nicht mehr wegzudenken, sondern es gibt auch hervorragende literarisch und musikalisch begabte Künstler.

Einer, den ich sehr gerne mag, ist eine Doppelbegabung als Sänger und Schriftsteller und textet seine Songs meist selbst.
Er heißt Muharem Serbezovski.
Hier eine Kostprobe von ihm:


Muharem Serbezovski:
Identität

Der Zigeuner sucht sich auf Erden
Der Zigeuner sucht sich im Himmel
Der Zigeuner sucht sich in den Träumen
Auf dem Mond im Gold
Der Zigeuner sucht sich im Wasser
Der Zigeuner sucht sich auf dem Wasser
Der Zigeuner sucht sich in den Tränen
In Deponien und im Schlamm
Der Zigeuner sucht sich in der Scham
Der Zigeuner sucht sich im Guten
Der Zigeuner sucht sich in der Armut
In der Illegalität und unter den Eingeschlossenen
Der Zigeuner sucht sich in Indien
Der Zigeuner sucht sich in Ägypten
Der Zigeuner sucht sich in Andalusien
Im zwanzigsten Jahrhundert und im Zoo
Der Zigeuner sucht sich im Feuer
Der Zigeuner sucht sich in der Asche
Der Zigeuner sucht sich im Konzentrationslager
In der Wüste und im Kosmos
Der Zigeuner sucht sich unter Politikern
Der Zigeuner sucht sich unter Sportlern
Der Zigeuner sucht sich in den Vereinten Nationen
In Stämmen unter großen und kleinen Menschen
Der Zigeuner sucht sich in den Wegen
Der Zigeuner sucht sich in den Zelten
Der Zigeuner sucht sich in den Liedern
Unter Lebemännern unter Nomaden
Sucht sich der Zigeuner

Musik kenne ich persönlich z.B. von:
Hannes Beckmann
Taraf de Haidouks
einigen Vertreten der Reinhardt -Dynastie
Marianne Rosenberg
Sándor Lakatos (in der verzweigten Familie Lakatos gibt es aber noch andere Musiker)
Die Gipsy Kings
Ich finde sie allesamt gut.

Aber es gibt noch viel mehr Interpreten oder Gruppen - she. Internet-Tipp!

Internet-Tipp: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ber%C3%BChmter_Roma_(Zigeunergruppen)


Vorlesefunktion  Wolfgang antwortete am 30.03.07 (20:12):

Ein huebsches Lied gespielt von den Gipsy Kings - der Klassiker 'Volare' - gibt es bei YouTube zu hoeren: http://www.youtube.com/watch?v=oNgSeJzLJFc

Internet-Tipp: http://www.youtube.com/watch?v=oNgSeJzLJFc


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 31.03.07 (09:02):

Ja, die Gipsy Kings machen melodisch-schmissige und sehr eingängige Musik.
Aber noch etwas ursprünglicher finde ich die Musik von "Taraf de Haidouks"(aber das ist ja bekanntermaßen immer auch eine Sache des persönlichen Geschmacks). :-)
Von "Taraf" besitze ich ein Album mit dem Titel "Romanian Gypsy Music".
Mehr über die Musiker - she. Internet-Tipp!
Und ich gucke mal, ob man irgendwo mal reinhören kann...

Internet-Tipp: http://www.inselmedia.de/leeson/nr8/taraf.htm


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 31.03.07 (09:22):

Der im Internet-Tipp angegebene Artikel ist natürlich nicht neu, zeigt aber m.E. sehr schön, wie die Musikgruppe entstanden ist.

Und man kann natürlich mal reinhören in die Musik. Wo?
Wieder mal dem Internet-Tipp zu entnehmen.... :-)

Internet-Tipp: http://www.lastfm.de/music/Taraf+de+Ha%C3%AFdouks


Vorlesefunktion  Wolfgang antwortete am 31.03.07 (10:53):

Prima Musik. Danke fuer den Tipp.

Internet-Tipp: http://www.lastfm.de/music/Taraf+de+Ha%C3%AFdouks


Vorlesefunktion  nasti antwortete am 31.03.07 (22:31):

Danke für die guten Links. Schon alle gespeichert. Eine Berühmtheit kenne ich persönlich, die Zigeunerin Vera Bílá aus Prag. Sie mit Ihrem Band sang auf Hochzeit meines Sohnes in Prag.
Tolle Frau, sehr dick und trotz vieler Auftritte in ganze Europa hat Sie ewige Geldnot. Eine leidenschaftliche Roulett Spielerin. Sie guckte mich in Pause sehr lange an, lachte, und erzählte meine Lebensgeschichte ganz genau, obwohl mich erste mal in leben gesehen hatte. Hat mich in Arme genommen und sagte: „ In diesem Kleid was Sie tragen steckt ein ganz andere Mensch.“ Und erzählte meine Leben, über meine Vorfahren, ich war verblüfft.
Etwas ganz unbeschreibliches fühlte ich, war ich zu Ihr magisch angezogen, ich hatte so ein Gefühl, das Sie eine Art „Urmutter“ ist, war Sie viel jünger als ich, ich fühlte mich wie ein Kind, und sehr geborgen. Und Sie verrät mir etwas. Sie zeigte auf junge küssendes Paar, mein Sohn und damalige Schwiegertochter. „Bald kommt die Ende“—sagte Sie. Ich könnte mir das nicht vorstellen, das Glück pur war da. Nach einem Jahr war die Ehe fertig. Er heiratete danach eine andere. Woher wüsste Sie es? Sie war angagiert als Künstlerin für die Hochzeit meines Sohnes, hat uns nicht gekannt.
Übrigens Ihr Foto ist in Link bei Enigma.


Vorlesefunktion  lola antwortete am 01.04.07 (14:33):

Ja, die große Musikalität der Zigeuner ist ja weithin bekannt, sowohl auf Instzrumenten als auch die herrlichen Tänze der Mädchen, sie folgen eben ihren eigenen Fähigkeiten und Interessen. Das ist auch der Grund, daß sie so interessante Dinge um sich verteilen!
Schön, daß offensichtlich Euer Interesse auch in diese Richtig geht!
Gruß von Lola.


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 02.04.07 (08:30):

Hallo nasti,

das Bild von Vera Bilá habe ich gefunden und den Hinweis auf ihre Musik. Leider gibt es dort keine Hörproben (jedenfalls habe ich keine gefunden). Aber irgendwo werde ich ich schon welche auftreiben...! :-)

Im Übrigen habe ich mich an eine alte Schallplatte erinnert, die irgendwo noch in meinem Bestand schlummert.
Es ist eine mit der Musik von Zoltan Kodály, einem Freund von Belá Bartok.
Dz kennst sicher beide!
Einmal ist die Harry-Janos-Suite auf dieser Platte und - wenn ich Glück habe - auch „die Tänze von Gálanta“. Das weiß ich nicht mehr so genau.
Aber die Hary-Janos-Suite habe ich auf jeden Fall. Und ich habe sie häufig und gerne gehört. Ich muss sie wieder mal hervorkramen, die alte Schallplatte.....

Nachstehend ein Auszug aus einem Artikel von Nicole Restle, der ganz nachgelesen werden kann - she Internet-Tipp!



„DEM VOLK ABGELAUSCHT

Zoltan Kodaly und Bela Bartok und die ungarische Volksmusik
von Nicole Restle

„Eine lebenslange Freundschaft verband die beiden ungarischen Komponisten Zoltan Kodaly und Bela Bartok. Und das, obwohl beide in ihrem Temperament und in ihrer Persönlichkeit so unterschiedlich waren: Konziliant, aufgeschlossen und humorvoll der eine, exzentrisch, eigensinnig und menschenscheu der andere. Was sie zusammenführte, war das gemeinsame Interesse an der ungarischen Volksmusik. Denn sowohl Kodaly als auch Bartok glaubten, dass das Wissen um die musikalischen Wurzeln den ungarischen Komponisten helfen würde, einen originalen, unverwechselbaren Nationalstil zu entwickeln.
Im Stil „alla Ungarese“ zu schreiben, kam bei vielen europäischen Komponisten im 19. Jahrhundert groß in Mode. Die Musik von Johannes Brahms etwa weckt Assoziationen an das wilde, freie, feurige Leben der Zigeuner, auch wenn das meiste nicht wirklich auf der ungarischen Volksmusik beruhte. Ungarische Musik und Zigeunermusik waren Synonyme. Aber das, was im restlichen Europa als „ungarischer Stil“ so geschätzt und geliebt wurde, das hatte, so der Historiker und Ethnologe Daniel Bein, Mitarbeiter des Hamburger Museums für Völkerkunde – ganz andere Wurzeln. Warum? Unsere Autorin hat ihn im Interview befragt.
Der Komponist Kodaly hatte nach eigener Aussage übrigens diese „echte“, ländliche Musik bereits in seiner Kindheit kennen- und liebengelernt - und zwar in Galánta, einem kleinen ungarischen Markflecken, in dem sein Vater Bahnhofsvorsteher war. Dort lauschte er den Mägden und Bauern ihre Gesänge, Neckereien und Lieder ab, wenn sie auf ihren Zug warteten. Kodaly tug sie später dann einem interessierten Publikum vor – gegen ein gewisses Kleingeld, versteht sich. Außerdem gab es dort eine Zigeunerkapelle, die den jungen Kodaly sehr beeindruckte. Sie spielte Musik, die um 1800 in Wien als ungarische Tänze publiziert worden waren, und die auch zum alten Volksgut gehörten. Kodaly setzte diesen prägenden musikalischen Kindheitserinnerungen seiner Jugend ein musikalisches Denkmal: in den „Tänzen aus Galánta“, in denen er eben jene alten Weisen der Zigeunerkapelle verwendet....(...)“




_____________________________________________________________

Internet-Tipp: http://www.br-online.de/bayern4/sendungen/musikderwelt/archiv2006.shtml


Vorlesefunktion  Enigma antwortete am 02.04.07 (10:45):

Es hat mir ja keine Ruhe gelassen....
Hier könnt Ihr mal reinhören, in die "Tänze von Gálanta, sogar länger als die üblichen 30 Sekunden.
Ich finde sie erneut so schön, die Tänze, dass ich mir wohl ober übel mal eine CD bestellen muss. ;-))

Internet-Tipp: http://www.universaledition.com/uefilm/sound/kodaly_galanta_5211.mp3


Vorlesefunktion  nasti antwortete am 02.04.07 (20:54):

Hallo Enigma!

Eine besonders schöne Melodie, voller Sehnsucht. Bei der Vera Bílá habe ich ein Video gefunden bei deinem Link, wo sie auch singt. Ganz anders wie der ungarische Zigeuner.
Angeblich die echte zigeunerische Musik bei dem Ungaren ist wenig vorhanden, Sie haben sich schon jahrhunderte lang an die ungarische Musik angepasst. Also verlor Ihre Echtheit.
Die slawisch sprechenden zigeunerischen Musikanten haben noch Ihre eigene Echtheit bewahren, ganz andere Melodien, sehr traurige. Vera Bílá singt auch so.
Als Kind habe ich viel gehört so ungarische wie die slawische auch. Obwohl ich Volksmusik nicht besonders mag, ausnähme sind die Zigeunerische Volkslieder.
Wäre wirklich interessant sich mehr damit beschäftigen. Ich lese darüber viel in ungarischen PC, Sie haben wirklich viel getan in letzte Zeit in Literatur, Musik, Bildende Künste, etc.
Wie gewöhnlich die Konkurrenz wächst, und so sind schon hunderte Bücher von Zigeunern in Umlauf.
Die Zeit ist kurz, leider dafür braucht man viel Zeit .



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