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Kunst, Literatur & Kultur
THEMA: Es wird Herbst.
Bisher 9 Antworten.
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wanda
begann die Diskussion am 22.09.07 (08:31) :
Es gibt Tage im September,
Es gibt Tage im September, die schon älter sind als der, die nach November schielen wie ein Kind nach dem Dessert, die zufrieden Abschied nehmen von des Sommers vollem Bauch. Ihre Zeit hat andere Themen, und die meine hat sie auch.
Es gibt Tage im September, die mehr wissen, als ich weiß, die mich langsam gehen lehren auf des Winters dünnem Eis, die den Sommer noch mal zeigen durch das Loch im Gartenzaun, und ich seh’ ihn sich verneigen wie ein nimmermüder Clown.
Es gibt Tage im September, die so müde sind wie Blei, die mir die Erinn’rung nehmen an den Monat namens Mai, die randvoll sind mit Gewitter, die mir sagen. Du bist alt. Es sind Tage wie die Ritter Von der traurigen Gestalt.
Es gibt Tage im September, die für mich nicht übrig sind, die nach mir geboren werden so wie manches andre Kind, die ich um Vergebung bitte, daß ich sie nicht sehen kann. Meine ersten, letzten Schritte fing ich schon zu gehen an.
(Miriam Francis)
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kropka
antwortete am 25.09.07 (23:26):
Ja, liebe Wanda, es wird Herbst... wie schön. Es gibt Tage im September, die so schön sind wie Gestern und ich lese Worte wie diese hier:
»Bald wirst Du jetzt zweiundachtzig sein. Du bist um sechs Zentimeter kleiner geworden, Du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist Du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe Dich mehr denn je. Kürzlich habe ich mich von neuem in Dich verliebt, und wieder trage ich in meiner Brust diese zehrende Leere, die einzig die Wärme Deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag.«
(André Gorz: "Brief an D.")
So beginnt die als Brief verfasste Geschichte einer Liebe, eine der schönsten veröffentlichten Liebeserklärungen seit langem. Autor ist der Sozialphilosoph André Gorz. "Was ich in dem Brief herausarbeite, erlebt machen wollte, ist, dass der einzige menschliche und größte Reichtum das Empfindungsvermögen ist", erklärt der Autor. "Wenn man das ausschaltet, dann gibt es nur Sinnlosigkeit. Oder nur materiellen, instrumentellen Reichtum, aber keinen menschlichen."
"Brief an D." Rotpunktverlag 2007
http://www.zeit.de/2007/39/ST-Gorz http://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9_Gorz
Internet-Tipp: http://www.3sat.de/dynamic/mediathek/mediathek.php?obj=6041&mode=play&more=
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kropka
antwortete am 25.09.07 (23:28):
Und es gibt Tage im September wie Heute. Der Regen heult den ganzen Tag und ich lese: Der französische Philosoph André Gorz (84) hat sich zusammen mit seiner schwer kranken Frau das Leben genommen.
Internet-Tipp: http://www.zeit.de/news/artikel/2007/09/24/2386571.xml
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wanda
antwortete am 26.09.07 (08:16):
Liebe kropka, das hat mich heute morgen, als ich es in der Zeitung las, auch sehr mitgenommen. Nur wenige Menschen haben diesen Mut.
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nasti
antwortete am 26.09.07 (12:04):
....."die erdrückende Schönheit einer Kommunion im Selbstmord zweier sich liebender Achtzigjähriger».
Diese Worte gehen direkt ins Herz,
Grüsse euch Wanda und Kropka
in Herbstwetter was mir macht nichts aus, das extrovertierte in mir dominiert jeden Woche mehr, vielleicht muss ich mir so etwas wie Johanneskraut besorgen *g* Bin von meiner Reisen zurück, nächste Woche ist schon das Hotel in München reserviert, geht es wieder los, neulich habe ich keine Zeit nicht mal für das malen.
Ich spüre den Hauch der bittersüßes Herbstes, und das Tot naht….
Oder so ähnliche schöne Herbstgedichte hat Alexander Blok geschrieben, jetzt finde ich das Buch nicht, muss ich gehen, sehen, sehen.
By by
Nasti
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wanda
antwortete am 29.09.07 (08:47):
hallo kropka und nasti - es regnet hier wie verrückt und alles scheint grau in grau. Selber sitze ich auf dem Absprung oder aber auch nicht. Es geht um ein Projekt in Bulgarien, zu dem ich engagiert bin und jetzt bleiben die Gelder aus..... Nun weiß ich nicht, wann ich fliegen soll, oder ob ich überhaupt fliegen soll usw. usw. entschuldigt ich werde gleich noch ein Herbstgedicht suchen.
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wanda
antwortete am 29.09.07 (08:58):
Schloss im Herbst
Durch düstre Turmkronen wo vom Gemäuer Sand hinstiebt und große schwarze Vögel gespenstisch rauschend durch morsche Luken flattern läuft der Sturm in Nächten wenn der rote Vollmond funkelnd zwischen grauen Wolken liegt stöhnt und läuft durch weite öde Säle wo aus verwitterten Wänden dunkle Bilder trüb herschimmern in vergilbten goldnen Rahmen über dämmrig schauernde lange Korridore bleiche Gänge steile Stufen in den Park der wie smaragdene Brandung an die Mauern drängt purpurumraschelt vom Prunkgewand des Herbstes und der rote Mond webt seltsam um das glühe Laub der Eschen und der Schlinggewächse die die alten tiefen Brunnen umsponnen halten deren Rauschen lange starb in einer schwülen Sommernacht.
(Ernst Stadler, 1883-1914)
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idurnnamhcab
antwortete am 29.09.07 (11:05):
Erste Morgennebel im September
Erste Morgennebel schweben sanft danieder. Über Nacht gekommen schufen sie ein Märchenbild. Baumesriesen schaun zu mir herüber. Sonnenstrahlen zeigen schwach sich, bunt und mild.
Und der Berge sanftgeschwungne Rücken, die, durch Nebelschleier, schemenhaft ich seh, gleichen, die Gedanken fliehen fort mir, sie entrücken, jenem zart bedeckten Körper einer schönen Fee.
Nebelteppiche, verloren, zwischen Erde und Unendlichkeit, lassen träumend mich in fernen Ländern weilen. Doch auch Wehmut und Gefühl von Trauer macht sich breit, ob der Stunden, die, so schön sie warn, enteilen.
Schreite weiter ich, lass hinter mir die Schatten, kommt heraus der Morgensonne warmer, klarer Schein, wird mir klar, gedenk der Stunden, die wir hatten, Herbst und Winter folgen Frühlingstraum und Sein.
© rgbv
Ja, das habe ich beizutragen. Dieses Gedicht und die Meinung, dass der Herbst (des Lebens), trotz aller Erkenntnisse, Erfahrungen und Empfindungen der Endlichkeit, so gesehen werden sollte, dass ihm, wenn auch für eine doch begrenzte Zeit, immer wieder ein Frühling folgt.
Das von Kropka angesprochene Buch "Brief an D." werde ich mir auch besorgen, da der Autor (auch in der ZEIT geschildert) hier genau diese (lebenslange) positive Empfindens - und Sichtweise in Worte (der Liebeserklärung) festgehalten hat.
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wanda
antwortete am 06.10.07 (08:24):
allen hier eventuell noch Lesenden ein schönes Wochenende und liebe Grüße Wanda
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kropka
antwortete am 06.10.07 (12:59):
Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz! Fliege fort! fliege fort! (Friedrich Nietzsche)
Ja, liebe Wanda, ein schönes Wochenende Dir .. Schreibe mir, besuche mich. Es lebe offline! :-))
Eigentlich haben wir uns alle alles gesagt... ;-) (Schade dass Gerdi sich nicht mehr meldet) Dann.. bis dann und... -Bis dass der Tod uns nicht scheidet- Dorine und André Gorz http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Herbst.jpg
Internet-Tipp: http://www.onlinekunst.de/herbstlyrik/friedrich_nietzsche.html
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