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THEMA:   Immer auf die Kleinen (Ungerechtigkeit).

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sternwart begann die Diskussion am 14.11.07 (18:49) :








Wie man unschuldig drei Ohrfeigen bekommt


Es war erst in den letzten Tagen,
da hielt mit seinem Eselwagen
gerad' vor dem Gymnasium an
ein alter, derber Bauersmann.
Es war just um die Vesperzeit,
und weil zu Possen stets bereit
die hoffnungsvolle Jugend ist,
wird Langohr mit Geschrei begrüßt.

Der Bauer sonst nicht Spaß verstand,
doch war er als Milchlieferant
grad in das nächste Haus gegangen,
wo man sein harrte mit Verlangen.
So wurde denn ganz ungeniert
mit Langohr allerlei probiert.
Der schreiet: "hü!", der "hott!", der "har!"
Ein andrer schwingt die Peitsche gar,
ja, ein ganz extra Gescheiter
schwingt sich auf ihn als kühner Reiter!

Der Esel stand geduldig da,
nur manchmal schreit er sein I - a!
Denkt wohl dabei in seinem Sinn:
"Mich freut's nur, daß ich klüger bin."
Doch plötzlich kam - o Schreck und Graus! -
der Milchmann aus dem nächsten Haus.
Vor Zorn rot wie ein Puterhahn,
schrie er die Knaben grimmig an.
Ich weiß nicht mehr die schönen Namen,
die über seine Lippen kamen;
Es quoll nur so aus ihm heraus.

Die Knaben überlief ein Graus,
doch eh's der Bauer sich versah,
war keiner mehr von ihnen da.
Nur einer von den kleinsten Jungen
ist nicht so schnell davongesprungen.
Er hatte ja nur zugeseh'n,
Was mit dem Esel war gescheh'n!
Drum war auch das Gewissen sein
von jedem Schuldbewusstsein rein.

Der Bauer naht im Zorn heran,
der Knabe sieht ihn freundlich an.
O Büblein, wärst du nur entfloh'n,
denn sieh, das Unglück naht dir schon!
Der Bauer hat in wilder Hast
den kleinen Mann am Rock erfasst
und schlägt ihm eine hinters Ohr,
dass er fast seinen Kopf verlor.
Zum Glück entgeht mit kühnem Sprung
er einer zweiten Lieferung.

Und in gekränkter Unschuld eilt
er nun zum Rektor unverweilt.
Dem will er seine Not jetzt klagen
und ihm die Rache übertragen;
Doch selten kommt ein Leid allein.
Der Knabe eilt ins Haus hinein,
das Taschentuch noch vorm Gesicht,
drum sieht er auch den Lehrer nicht,
der jetzt zur Türe tritt heraus,
und rennt auf ihn. O Schreck und Graus!

Eh sich's der Knabe nur verseh'n,
da war das Unglück schon gescheh'n.
Eh er ein Wort nur bracht' hervor,
saß ihm die zweite hinterm Ohr!
Zum Rektor tritt er weinend ein,
der fragt: Mein Kleiner, was soll sein?"
Und schluchzend stottert er hervor:
"Der Lehrer schlug mich hinters Ohr,
hab doch dem Esel nichts getan!"
Schwubs flog die dritte Ohrfeig' an.

Und tiefgekränkt im kleinen Herz
und hinterm Ohr dreifachen Schmerz
kann er es sich doch nicht versagen,
im stillen also sich zu fragen:
"Warum schlug mich der harte Mann?
Hab' doch dem Esel nichts getan?"
(Eduard Gürsching)


der Esel war wirklich nicht an dem Dilemma schnuld, meint sternwart



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