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THEMA:   Entartete Kultur.

 Bisher 4 Antworten.

DietrichStahlb begann die Diskussion am 16.09.07 (12:46) :

Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte. Zitat Ende.

Schlimm genug diese Wortentgleisung eines erzkonservativen, katholischen Bischofs, eines Erzbischofs in einem Festgottesdienst in einem Dom im Jahre 2007.

Mindestens ebenso schlimm ist die damit verbundene Diffamierung aller Nichtgläubigen, der Atheisten resp. der Agnostiker, besonders der Kultur schaffenden. Hierzu gehörten die Pantheisten Giordano Bruno, Spinoza, Goethe, die Philosophen Diderot, Kant, Feuerbach, Nietzsche, Schopenhauer, Kierkegaard, Camus, Jaspers, Russel, Sartre, Bloch, sowie Sigmund Freud und schon vor 2500 Jahren Siddhartha Gautama Buddha.

Internet-Tipp: http://www.dietrichstahlbaum.de


Vorlesefunktion  Lissi antwortete am 16.09.07 (21:46):

Imperdinenz liegt für mich in deinem o.a. Satz des Bischofs, weil diese Leute so reden - im Namen Gottes und im Namen Christi.


Vorlesefunktion  plautus antwortete am 16.09.07 (22:21):

durch den auszug der kunst aus dem dienst am kult wurde sie frei.und diesen freiheit wurde zur grundlage unserer kultur.
das hat den kultdienern nie gefallen,und seit eh und je versuchen sie, die kunst wieder ihrer botmässigkeit zu unterwerfen.
ich empfehle mal nen ausflug zu googles-wikipedia.
stichwort klerikalfaschismus.


Vorlesefunktion  kreuzkampus antwortete am 18.09.07 (08:30):

Nachdem ich einige Kommentare zu den Äußerungen des Bischofs gelesen habe, halte ich die Aussage inhaltlich für falsch; soviel vorweg. Die Kritik an der Art seiner Äußerung läßt mich nur mit dem Kopf schütteln. Nach meiner Einschätzung hätte weit mehr als 90 % der Deutschen überhaupt nicht (mehr) gemerkt, wie der Begriff "entartet" einmal benutzt wurde. Noch ein paar Generationen weiter und das weiss niemand mehr. Wozu also diese für mich künstliche Aufregung? Der Mann ist ebensowenig Nazi wie Eva Herman. Es gibt wahrlich schlimmere Äußerungen. M.E. sind die ganz üblen rassistischen Äußerungen des iranischen Präsidenten im letzten Jahr viel zu schnell ad acta gelegt worden.


Vorlesefunktion  DietrichStahlb antwortete am 18.09.07 (15:35):

Es geht hier nicht allein um das Adjektiv „entartet“. Meisner hätte einen anderen Begriff verwenden können, um alle Kunst, alle Kultur, die seinem Gottesglauben nicht entspricht, zu verketzern, damit auch die Menschen, die Kunst, die Kultur geschaffen haben. Das ist die Quintessens seiner ganzen Rede. Dies zum Vorwurf, das Zitat sei willkürlich aus dem Zusammenhang gerissen worden, wie da und dort behauptet worden ist.

Zwar handelt die Rede von Künstlern und ihren Werken, nachzulesen unter http://kath.net/detail.php?id=17733 , sie gipfelt jedoch in einer – generalisierenden – Schlussfolgerung, nämlich: „Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet.“

»Kultur« umfasst weit mehr als Kunst. Die christliche Kultur mit ihren Sonnen- und Schattenseiten ist ein Teil der Gesamtkultur, der Menschheitskultur. Einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Entwicklung haben die Denker und Dichter der Aufklärung beigetragen, die Atheisten, die Agnostiker, die Nichtgläubigen. Der erste von ihnen war der (historische) Buddha.

Ich weiß nicht, ob Meisner in seiner orthodoxen Glaubenswelt derart gefangen ist, dass er darüber hinaus gar nicht denken kann.
Deshalb lasse ich die Frage offen, ob eine Diffamierung der Nichtgläubigen beabsichtigt war oder nicht gewollt.

In meinem „Lesebuch“ »Der kleine Mann. Geschichten, Satiren, Reportagen aus sechs Jahrzehnten«, Aachen 2005, hält ein junger Mönch eine Rede, die von Meisner stammen könnte: »Empfang der Lehrlinge Gottes« in einem Kloster. (1967)

Mehr dazu auf der Seite »LITERATUR« im ZEITFRAGENFORUM I: Link unten!

Übrigens, im DUDEN (21. Aufl. Bd.1) wird unter "entarten; entartet; -e Kunst" auf den Nationalsozialismus hingewiesen, sodass jedes Schulkind lernen kann, diesen Begriff historisch einzuordnen und dementsprechend zu verwenden oder zu vermeiden.

Internet-Tipp: http://www.dietrichstahlbaum.de



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