THEMA: Tiermastanstalten stehen vor riesigem Intensivierungschub!.
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Arno_Gebauer
begann die Diskussion am 24.01.07 (09:54) :
Hallo, ST-Beteiligte,
die Agrarindustrie beabsichtigt, auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen bei Allstedt in Sachsen-Anhalt eine Anlage mit 95 000 Schweine-Mastplätzen zu bauen. Es folgen industriemäßige Stallungen in Hassleben (Brandenburg) mit 85 000 Schweinen, darunter 52 800 Masttiere, sowie im Kreis Stendal mit 75 000 Schweinen. Andere Massenställe mit Platz für mehr als 60 000 Schweine sind bereits in Betrieb, etwa in Thüringen. Dimensionen, die man in der deutschen landwirtschaftlichen Realität bisher nicht kannte. Welche Dimensionen die UMWELTBELASTUNGEN erreichen werden, kann nur erahnt werden.
DIE EINEN lassen sich in Kastenställen mästen, die anderen auf Regierungssitzen (;-)
Wolfgang
antwortete am 24.01.07 (11:52):
Klar werden die Preise sinken. Leider wird dieses Gammelfleisch nicht als solches gekennzeichnet. Es wird hoechste Zeit, dass, aehnlich der Kennzeichnungspflicht bei Eiern, auf den Fleischpackungen auf die Art der Tierhaltung hingewiesen wird. Dann wuerde sicher mancher Kaeufer angeekelt das preiswerte Schnaeppchen zuruecklegen. Bis dahin sollte der, der das noetige Kleingeld dafuer ausgeben will, auf Siegel a la 'Bioland' oder 'Demeter' oder mindestens 'Bio nach EG-Oeko-Verordnung'* achten und nur so gekennzeichnetes Fleisch kaufen. So, wie ich es erfahre, kostet das aber rund das Doppelte, was Gammelfleisch kostet.
-- * Das Siegel 'Bio nach EG-Oeko-Verordnung' steht nur fuer Mindeststandards und bleibt weit hinter 'Bioland', 'Demeter' + Co. zurueck. Immerhin, besser als gar nichts.
die Biostandards beziehen sich meistens nur auf die Futtermittelqualitäten, die die Tiere erhalten. Leider beziehen sich die Biostandards nicht auf die Haltungsbedingungen und den Umgang mit den Tieren!
Viele Grüße Arno
Wolfgang
antwortete am 24.01.07 (21:56):
Warum, Arno, setzt Du im Brustton der Ueberzeugung Falsches in die Welt? Alle Bio-Standards umfassen eine Fuelle von Bedingungen, die eingehalten werden muessen, auch Bedingungen bezueglich der Haltung der Tiere. Beispiel: Der 'Bioland'-Standard erlaubt maximal 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr, der schlechtere Standard 'Bio nach EG-Oeko-Verordnung' immerhin auch nur 14 Mastschweine pro Hektar und Jahr.
Merke: Jeder Bio-Standard ist besser als gar keiner.
hugo1
antwortete am 24.01.07 (23:36):
ich denke das da die EU noch ne Unmenge zu tun hat. was nützt der örtlich begrenzte Kampf von Grünen, Ökos, Tierschützern, Vegetariern usw, wenn hundert Km weiter kein Hahn danach kräht. Einige Unverbesserliche -nur auf Umsatz und Gewinn orientierte Übeltäter- kennen da keine Grenzen.
Mit den Erkenntnissen von heute dem Wissen um die Möglichkeiten tiergerechterer Zucht, Mast, Haltung, Transporte, Schlachtung usw. sollte es doch machbar sein auch Gute Qualität zu bezahlbaren Preisen zu garantieren. Freie billige stillgelegte und prämierte Flächen gibt es massenhaft, freie Arbeitskräfte für den Mehraufwand gibt es in Europa auch. Technische und medizinische Kontrollmöglichkeiten werden auch von Jahr zu Jahr besser. Was also hält uns davon ab noch stärker gegen diese Fleischmüllmafia anzugehen? Für extreme Gewinne sind schlecht kontrollierte Ganoven immer bereit, ungeheure Schweinereien zu begehen. Beispiele gibt es reichlich. Obwohl im Rahmen einer aufgeregten und künstlich hochgepuschten Diskussion auch unbescholtene gutgläubige und fleißige Bauern unter Generalverdacht geraten.
Vielleicht drückt auch die Natur auf die geplanten Riesenställe. ( Tierseuchen,,,)
Wolfgang
antwortete am 25.01.07 (11:12):
Das sind nicht "einige Unverbesserliche, nur auf Umsatz und Gewinn orientierte Uebeltaeter", wie Du schreibst, Hugo. Das ist der ganz normale kapitalistische Wahnsinn, wenn es - wie jetzt beim Status quo - keine politische Kontrolle und Steuerung gibt. Denn es gibt nur eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die ueber Gedeih und Verderb einer Unternehmung entscheidet - die Eigenkapitalrendite. Die muss stimmen, sonst geht die Unternehmung eher frueher als spaeter ueber den Jordan.
Rendite bringen, dafuer sind Unternehmungen da, und dafuer haelt sich der Unternehmer solch ein Gebilde. Das gilt fuer die Grossen wie fuer die Kleinen, fuer die konventionellen landwirtschaftlichen Unternehmungen wie fuer die unkonventionellen landwirtschaftlichen Unternehmungen.
Der Skandal ist ein politischer: Dass Politiker eine Politik machen zu Gunsten der grossen, umweltzerstoerenden, tierquaelenden Betriebe und zuungunsten der kleinen, umwelterhaltenden, tierschuetzenden Betriebe. Eine andere Politik waere moeglich, ohne irgendwas am durchaus nuetzlichen kapitalistischen Wirtschaftssystem zu aendern. Z. B., wenn der Standard 'Bio nach EG-Oeko-Verordnung' verpflichtend fuer alle landwirtschaftlichen Betriebe in der EU gemacht wuerde. Das waere freilich das Aus fuer die Massentierhaltung, und das Aus fuer billiges Gammelfleisch, und das Aus fuer die unmaessige Fleischproduktion, die dem unmaessigen Fleischkonsum vorangeht.
klaus
antwortete am 25.01.07 (11:54):
Wolfgang, "Bis dahin sollte der, der das noetige Kleingeld dafuer ausgeben will, auf Siegel a la 'Bioland' oder 'Demeter' oder mindestens 'Bio nach EG-Oeko-Verordnung'* achten " Es gibt sehr viele, bei denen es nicht um "ausgeben wollen", sondern um nicht ausgeben KÖNNEN geht. Ich halte es für arrogant, das Fleisch, dass die Mehrheit der Bundesbürger kaufen kann, als Gammelfleisch zu bezeichnen. Leider ist ordentliches "Bio-Fleisch", wie du schreibst, etwa doppelt so teuer und für viele Menschen schon zu teuer. P.S. Ich halte ohnehin den Begriff Bio-Fleisch für unangebracht - Öko-Fleisch wäre besser.
Gerdi
antwortete am 25.01.07 (12:17):
Vegetarier aller Länder, vereinigt Euch!
:-))
Wolfgang
antwortete am 25.01.07 (12:55):
Wer nur die Haelfte zum doppelten Preis kauft, gibt dasselbe aus wie vorher, hat aber Besseres auf dem Tisch. ;-)
Uebrigens... Viel wurde bisher ueber die Qualitaet von 'Bio'-Lebensmitteln spekuliert. Alberta Velimirov und Werner Mueller haben internationale Untersuchungen ausgewertet. Ergebnis der Vergleichsstudie: 'Bio' bringt neben oekologischen Vorteilen auch eine Menge gesundheitliche und sensorische Vorteile.
Ist Bio wirklich besser? Fakten zur Qualitaet biologisch erzeugter Lebensmittel Ergebnisse einer Studie von Dr. Alberta Velimirov und Dr. Werner Mueller [PDF, Reader - z.B. Foxit Reader - erforderlich] http://www.global2000.at/files/biostud03.pdf
@Wolfgang, "Wer nur die Haelfte zum doppelten Preis kauft, gibt dasselbe aus wie vorher, hat aber Besseres auf dem Tisch. ;-)" Dieser Ausspruch zeigt deine enorme Entfernung von der Realität und von der Situation in Millionen von Familien.
mart
antwortete am 25.01.07 (14:58):
In Österreich ist "Bio"fleisch um etwa 30% teurer als konventionell hergestelltes.
Die oben angeführten Tiermastanstalten werden sich über kurz oder lang selbst ausrotten, da derartige Tierbestände ohne gewaltigen Aufwand nicht dauerhaft zu betreiben sind.
Wolfgang
antwortete am 25.01.07 (16:34):
ZDFmediathek Vorsicht bei Bio-Siegeln Aus "kontrolliertem Anbau", oder "alternative Herstellung" - viele der Begriffe sind bei Bio-Lebensmitteln nicht geschuetzt. Wir erklaeren, auf welche Hinweise Sie beim Kauf achten muessen. http://www.heute.de/ZDFmediathek/inhalt/25/0,4070,3962905-5,00.html
Vielleicht sucht noch jemand kompakt dargebotene Informationen ueber die Biolandwirtschaft (oder wie immer einer diese Art der Landwirtschaft nennen will). Da habe ich was anzubieten, aus der Schweiz, vom dort ansaessigen Forschungsinstitut fuer biologischen Landbau (FiBL):
90 Argumente fuer den Biolandbau (von Res Schmutz) FiBL, 2007, 16 Seiten, Bestellnr. 1440 Laenderausgabe Schweiz 6.00 CHF, 4.50 EUR
Die 16-seitige Broschuere gibt's kostenlos als PDF (Reader - z.B. Foxit Reader - erforderlich): https://www.fibl.org/shop/pdf/1440-argumente.pdf
Das Ganze gibt*s auch ganz knapp in Form eines 2-seitigen Flyers (ebenfalls PDF): https://www.fibl.org/shop/pdf/1439-flyer-argumente.pdf