THEMA: Kohlekraftwerke und Umweltschutz - verträgt sich das ?.
Bisher 16 Antworten.
helmutfl
begann die Diskussion am 19.02.07 (14:43) :
Zurzeit laufen planungen und genehmigungsverfahren für 28 kohlekraftwerke, die in den nächsten 10 jahren in Deutschland gebaut werden sollen. Kohlekraftwerke sind die grössten produzenten des treibhausgases CO2. Nach heutiger erkenntnis liegt mit einem anteil von 45% am gesamtausstoss von treibhausgasen die stromerzeugung in Deutschland vorn. Davon entfallen wiederum 80% auf kohlekraftwerke. Wie ist der bau von 28 kohlekraftwerken mit der von der bundesregierung zugesagten verringerung des CO2 ausstoss für unsere land zu vereinbaren. Es ist anzunehmen, dass neue kraftwerke mit einer besseren technologie arbeiten, der CO2 ausstoss geringer ist als bei alten anlagen, aber es gibt noch keine nullemissions-kohlekraftwerkstechnologie. Auch wird die bei der verbrennung der kohle erzeugte wärme als energie nur in sehr geringen umfang genutzt. (in älteren anlagen liegt die energieausbeute bei max. 50%) Die betriebsdauer der neuen kraftwerke liegt im allgemeinen bei mindestens 40 jahren. Im laufe der nächsten 10-20 jahre soll die produktion von treibhausgasen nach planung der EU drastisch gesenkt werden. Wie soll das unter diesen voraussetzungen gelingen? Und dabei ist Deutschland auch bei dem energieträger kohle zu 62% von importen abhängig. Der importanteil wird kontinuierlich steigen, da bis 2018 alle deutschen zechen geschlossen werden.
Bis auf Bayern, Brandenburg und Thüringen sind in allen bundesländern mindestens 1 neues kohlekraftwerk geplant; in NRW sogar 11!! Die planung und der bau dieser kraftwerke wird von der bundesregierung durch die grosszügige zuteilung vom emissionszertifikaten noch gefördert. Dies kostet in den nächsten 10-12 jahren den steuerzahlern ca. 5 milliarden €. Dabei wäre es dringend erforderlich den einsatz von erneuerbarer energie mit allen mitteln zu erforschen und zu fördern. Denn alle fossilen ressourcen stehen nur endlich zur verfügung. Wichtig ist weiterhin den verbrauch von energie unbedingt zu reduzieren. Energiesparen muss das ziel in allen produktions- und lebensbereichen sein!
Wolfgang
antwortete am 19.02.07 (16:22):
Kohlekraftwerke und Umweltschutz - vertraegt sich das? - Nein.
schorsch
antwortete am 19.02.07 (16:28):
In der Schweiz ist die Atom-Lobby daran, die Bevölkerung aufzuweichen. In meiner Nähe (1 km) steht ein A-Werk, das die hiesige Bevölkerung zähneknirschend duldet. Nun behauptet die A-Lobby, das A-Werk sein inzwischen ja so gut akzeptiert, dass man getrost ein zweites neben dem bestehenden bauen könne - der Boden dafür sei ja bereits vorgeplant!
hugo1
antwortete am 19.02.07 (16:43):
es gibt zwar noch bessere Lösungen als neue Kohlekraftwerke in Betrieb zu nehmen aber immerhin. Da wir ja nicht davon ausgehen können das das dafür investierte Geld (auch wenn dies wünschenswert wäre) für alternative Energien greifbar würde ( das sind Gelder über welche nicht der Staat sondern solche Firmen wie EON, Vattanfall, RWE usw verfügen und die (und ihre Aktionäre)wollen eben auch entscheiden wofür sie ihr Geld ausgeben. Da aber alternative Energien in großem Maßstab (noch) nicht lohnen -sonst würden wir sicher hier nicht darüber diskutieren müssen, ist dieses Thema eben noch zerrig und ohne staatlichen -besser internationalen politischen Druck kommt zu wenig Bewegung hinein.
deshalb bin ich gegenwärtig gar nicht so abgeneigt gegen den Bau von Kohlekraftwerken. Es müssten für ein Neues, modernes 2 alte Dreckschleudern abgeschaltet werden oder so ähnlich und Druck gemacht werden das bald die nächste -noch bessere- Generation vom Reißbrett kommt.
Vielleicht wär zu überlegen ob nicht von jedem eingenommenem Euro oder jeder erzeugten KW-Stunde durch Kohlestrom, einige Cent abgezweigt und in emmissionsarme Energietechnologien fließen. (bestimmt besser als der Kohlepfennig bisher für lahme langatmige Rückzugsgefechte aus der Steinkohle,,
fest steht, daß der alte Kraftwerkspark in der BRD über 30 Jahre alt ist und erneuert werden muß! Die zu ersetzende Kraftwerksleistung kann noch nicht mit Hilfe der erneuerbaren Energien ersetzt werden. Die modernen Kraftwerke emittieren kaum Schwefeldioxide und kaum die ca. 100 mal als Kohlenstoffdioxid schlimmeren Stickoxide !!!!!! Die modernen Kraftwerke werden von den Behörden überwacht und kontrolliert.
Alles was sich unter der Wolkenschicht (=Luftwäscher) abspielt, ist nicht so schlimm wie die 2000°C heißen und ungereinigten und mit sehr hohen Stickoxidkonzentrationen angereicherten Abgase aus den Strahltriebwerken der Flugzeuge, die jährlich in der klimasensiblen Schicht über den Wolken ca. 1 Milliarde Tonnen Kerosin verbrennen!
Unter den Wolken ist die viele Dekaden andauernde Verklappung von Säuren im Meer besonders schlimm, weil dadurch die Aufnahmekapazität von Kohlenstoffdioxid im Meerwasser unterbunden wird.
Viele Grüße Arno
Wolfgang
antwortete am 19.02.07 (18:47):
Einen Unsinn verzapfst Du, Arno. Das ist wirklich schlimm. Dein Steckenpferd mit den heissen Abgasen ist so ein Unsinn. Mach' Dich doch erst einmal schlau, bevor Du hier auftrittst. "Alles was sich unter der Wolkenschicht (=Luftwaescher) abspielt, ist nicht so schlimm ..." (Arno). Was soll so eine geistige Tieffliegerei?
dmz
antwortete am 19.02.07 (19:17):
@schorsch Ich darf mal neugierig nachfragen: Ist das AKW/KKW Goesgen b Olten gemeint? MfG/dmz.
mart
antwortete am 19.02.07 (19:33):
helmutfl
Du kannst doch sicher belegen, was du in deinem Anfangsbeitrag geschrieben hast <<Kohlekraftwerke sind die grössten produzenten des treibhausgases CO2. Nach heutiger erkenntnis liegt mit einem anteil von 45% am gesamtausstoss von treibhausgasen die stromerzeugung in Deutschland vorn. Davon entfallen wiederum 80% auf kohlekraftwerke.<<
Kohlekraftwerke mit modernster Technik haben mit den alten Dreckschleudern nichts mehr zu tun. Sie können in Bezug auf Staub-, Schwefeldioxid und Stickoxidemissionen durchaus so geführt werden, daß die Umweltschützer zufriedengestellt werden - außer es handelt sich um diejenigen fanatischen Leute, die das zukünftige Heil der Welt in einer Rückkehr in die Welt von vorvorvorvorgestern sieht.
Wolfgang
antwortete am 19.02.07 (20:19):
Es war schon immer ein Unsinn und es bleibt ein Unsinn zu behaupten, dass Kohlekraftwerke umweltfreundlich und nachhaltig seien. Das ist die Propaganda der Kohlebarone (die bekanntlich auf die Umwelt scheissen) und ihrer gekauften und - so sie nicht gekauft sind - ziemlich dummen Nachplapperer. Umweltfreundlich und nachhaltig sind auch die neuen, erst zu bauenden Kohlekraftwerke nicht. Diese Dreckschleudern brauchen wir nicht.
CO2 wird weiter ausgestossen. Neue Kohlekraftwerke mit gegenueber den Altanlagen nur geringfuegig hoeheren Wirkungsgraden loesen das Problem nicht. Im Gegenteil: Sie zementieren die klimaschaedliche Kohle-Vorrang-Politik fuer weitere Jahrzehnte und blockieren die Energiewende.
Es ist moeglich, die Energieversorgung vollstaendig per erneuerbare Energien zu sichern. Nur ein Energiemix aus Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie verbunden mit der Erschliessung aller Einsparpotenziale sichert die Versorgung, schuetzt das Klima und schafft neue Arbeitsplaetze.
jetz komm mal runter auf die Erde! Dein Energiemix kann heute und in den nächsten 30 Jahren nicht die für die vielen High-tech-Anlagen benötigte Versorgungssicherheit und Verfügbarkeit bringen. Es fehlen Infrastruktur, Versorgungsnetze, Verteiler, usw.. Die Umstellung der Energiewirtschaft kostet Zeit und viel, viel Geld! Übrigens ist die Nutzung der Wasserkraft in der BRD bereits heute ausgeschöpft und für Umweltschützer ein Dorn im Auge, weil die Turbinen die Fische zerkleinern und schwer verletzen. Außerdem sind die Überwachungsauflagen für ein kleines dezentralisiertes Bioheizkraftwerk sehr gering, wenn man den Aufwand auf ein großes neues Kohlekraftwerk bezieht. Ich will damit sagen, daß die Emissionen eines modernen Kohlekraftwerkes sehr viel kleiner sind als die Emissionen aus einer Vielzahl kleiner Bioheizkraftwerke, wenn die Kraftwerksleistung als gleich groß angenommen wird. Bis eine Energiewende vollzogen ist, benötigen wir noch neue konventionelle Kraftwerke.
ich habe vergessen auf Deinen heutigen Beitrag von 18:47 Uhr zu antworten. Du weißt, daß Kohlenstoffdioxid der wichtigste Baustein alles Lebendigen ist. Ohne dieses Gas in der Atmosphäre wäre die Erde unbewohnbar und ohne den jährlichen Kreislauf lebte keine Pflanze und kein Tier.
Die ganze Aufregung um das Kohlenstoffdioxid resultiert aus der Beobachtung, daß sich im Jahresumsatz der Biosphäre von rund 200 Gigatonnen aus einem Gesamtkreislauf von rund 50.000 Gigatonnen und einem Vorrat der Erdkruste von rund 50.000.000 Gigatonnen in den letzten Jahren ein kleiner Stau von etwa 3 Gigatonnen bildet !
Die Biosphäre kann die zusätzliche Lieferung von Kohlenstoffdioxid aus verbrannten Wäldern und fossilen Brennstoffen nur zur Hälfte verarbeiten. Das hat in 100 Jahren zu einer 10%-igen Zunahme des kurzfristig in der Atmosphäre verweilenden Kohlenstoffdioxids von 0,033 auf 0,036 Prozent aller atmosphärischen Gase geführt. Die Biosphäre hat sich aber auch schon mit 0,1 % Kohlenstoffdioxid kannibalisch wohl gefühlt! Ich denke an die Braunkohle des Jungtertiärs. Soviel zu einer CO2-Zunahme in der Atmosphäre .
Viele Grüße Arno
Wolfgang
antwortete am 19.02.07 (21:36):
"Die Umstellung der Energiewirtschaft kostet Zeit und viel, viel Geld!" (Arno) - Ein lichter Moment, Arno? Du hast ja so recht! Genau deswegen ist jegliche Investition in endliche und zudem schmutzige Energietraeger rausgeschmissenes Geld. Und verlorene Zeit. Deshalb ist es vernuenftig, gleich das Richtige zu tun. We told you so.
Ich muss mich jetzt leider fuer ein paar Tage abmelden aus der Diskussion. Away on business. Du verstehst. Ausserdem will ich heute abend noch etwas Fastelovend fieere und dat Lied von der superjeilen Zick metsinge. ;-) - Ich hoffe, ich konnte das ein oder andere Neuron auch bei Dir zum Tanzen bringen. Wenn nicht, ist's aber auch kein Beinbruch. Die Dinge entwickeln sich so oder so. Hoffentlich zum Guten. Ich meld' mich so Gott will wieder.
dmz, du liegst richtig mit deiner Vermutung. Wie bist du drauf gekommen?
hugo, auch ich bin der Meinung, dass die Kohle noch eine sauberere Zukunft hat. Wie denn kann es möglich ein, Kehricht mit fast keinen Schadstoffen zu verbrennen, bei Kohle aber sollte dies nicht möglich sein?
Ich vermute übrigens stark, dass auf unserer Erde noch riesige andere Energie-Rohstoffe vorhanden sind. Wie wäre es z.B. mit der Umwandlung von Granit in Energie? Da täten sich nämlich für die Bergvölker immense Möglichkeiten auf...
mart
antwortete am 20.02.07 (10:28):
Modernste Kohlekraftwerke und Umweltschutz vertragen sich gut.
dmz
antwortete am 20.02.07 (17:51):
@schorsch Ich bin mal an diesem Projekt beteiligt gewesen. Und ich bin seitdem sehr angetan vom technischen Verstaendnis u Engagement des Schweizer Ingenieurwesens und dem Bestreben, einen hohen Qualitaetssicherheitsstand aufrecht erhalten zu wollen.
schorsch
antwortete am 21.02.07 (10:57):
dmz, leider hängt die Sicherheit jeder Anlage vom schwächsten Glied in der Kette des "Schweizer Ingenieurwesens" genau so ab wie überall auf der Welt. Und: Der grösste Feind der Sicherheit eines A-Werkes ist die Routine.
helmutfl
antwortete am 21.02.07 (13:34):
Ein einfaches Ja oder Nein zum thema kohlekraftwerke und umweltschutz ist eine klare meinung aber noch kein argument. Es ist richtig, wir brauchen energie und können sicherlich auf kohlekraftwerke noch nicht verzichten. Inwieweit ältere anlagen stillgelegt werden wenn neue und weniger umweltschädliche kohlekraftwerke in betrieb gehen bleibt abzuwarten. Die frage nach alternativen muss aber gestellt werden. Die grossen energieerzeuger betreiben auch gaskraftwerke. Im gegensatz zu kohlekraftwerken, die nur zur grundlasterzeugung eingesetzt werden, sind gaskraftwerke flexibler zu nutzen. Diese können relativ einfach angefahren und abgeschaltet werden. Gaskraftwerke belasten die umwelt deutlich geringer. Unter anderem wird das ersichtlich aus der zuteilung von verschmutzungsrechten. Die zertifikate werden ausgestellt bei Kohle für 750g CO2 / kw-stunde Gas 365g CO2 / kw-stunde. Dies sieht nach einer bevorteilung der kohlekraftwerke bei der zuteilung von zertifikate aus. Hohe investitionen in kohlekraftwerke lassen dann nur wenig spielraum für den bau z.b. von gaskraftwerken. Es ist richtig, dass auch die manager der energieunternehmen den aktionären verpflichtet sind. Das urteil zuküntiger generationen könnte jedoch kritischer ausfallen, da kurzfristige gewinne der unternehmen schon mittelfristig grosse verluste für die gesamte volkswirtschaft verursachen könnten.
Nachstehend einige interessante zahlen für energieerzeugung und energieverbrauch in Deutschland:
Erzeugung von primärenergie in % Kohle 23,9 Mineralöl 35,7 (die überwiegende menge sind schwer- u. teeröle für die industrie) Gas 22,8 Kernkraft 12,6 Regenrative/alternat. 5,0
Energieverbrauch nach energieträgern in % Kohle 4,3 kraftstoff 28,7 heizöl 12,2 gas 27,4 strom 20,2 fernwärme 3,5 sonst.(Holz/torf/müll) 2,7
Anteil der verbrauchsbereiche am energieverbrauch in % Industrie 26,8 verkehr 28,6 haushalt 28,8 gewerbe/handel+ dienstleistungen 15,8 (alle zahlen sind entnommen einer statistik des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie In Deutschland werden 17 kommerziell genutzte kernkraftwerke betrieben. Das risiko beim betrieb von solchen kraftwerken wird gern klein geredet. Technisch mag ein sehr hoher sicherheitsstandard erreichbar sein. Das schwächste glied in dieser sicherheitskette ist und bleibt der mensch. Soweit bekannt sind nahe zu alle grossen störfälle auf falsches handeln der verantwortlichen in krisensituationen zurück zu führen. Um den anteil an der energieerzeugung wesentlich durch kernkraftwerke zu erhöhen müssten eine grössere zahl solcher anlagen errichtet werden. Dies dürfte in Deutschland kaum durchzusetzen sein. Die grössten zuwachsraten, allerdings von niedrigem werten ausgehend, hat die alternative / regenerative energieerzeugung. Optimistische prognosen gehen von einem anteil an der gesamten ernergieerzeugung von 10-15% in den nächsten 10 jahren aus. Deutschland ist und bleibt bei der energieerzeugung abhängig vom import der notwendigen rohstoffe, die zukünftig knapper und teurer werden dürften. Dies bedeutet für die verbraucher bewusster = sparsamer mit der energie umzugehen. Weniger energieverbrauch bedeutet = weniger energieerzeugung = aktiver umweltschutz.