Arno_Gebauer
begann die Diskussion am 24.01.07 (10:48) :
Hallo, ST-Beteiligte,
Berührungen sind ein Zeichen für Beziehungen, Sehnsucht und Freude. Braucht man nicht sehr viel Mut für Berührungen (Umarmungen, Kuß, Streicheln, usw.)? Kann man echte von falschen Berührungen unterscheiden?
Viele Grüße Arno
pilli
antwortete am 24.01.07 (12:04):
nicht "Mut" sondern gelegenheit braucht es...datt mit dem "echt" und "falsch", sortiert sich dann schon!
:-)
dmz
antwortete am 24.01.07 (12:44):
Beruehrungssuechtigkeit - bedeutet das nicht Ausleben der animalischen Beduerfnisse ? - Ich schaetze Beruehrung von Mensch zu Mensch nicht. MfG/dmz.
Gerdi
antwortete am 24.01.07 (12:54):
Mich bitte nicht ..., Arno.
Felix
antwortete am 24.01.07 (16:34):
dmz,
weshalb hast du Berührungsängste? Ich kenne die kaum!
nasti
antwortete am 24.01.07 (16:43):
In Spanien hat uns jeder geknutscht, mir war das ganz peinlich. Einmal eine junge Malerin versuchte mich von beide Seiten küssen, ich verweigerte mich, Sie hatte viele Pickeln in Gesicht, ich dachte plötzlich das Sie Pocken hat, war auch bisschen dunkel. Nachdem ich erklärte für meine Gruppe warum ich so unfreundlich war, hat sich das „Pocken“ Erlebnis eingefleischt, beim so rumknutschen lachten die deutsche ganz schallend, und sprachen auch über Pocken, die Spanier haben das sowieso nicht verstanden, nur einer. Der ist ganz ernsthaft geworden, von dem hatten wir mal Ruhepause. Von ganzem Maler Kolonien, BesucherInnen und Filmstabs waren wir täglich herumgeküsst.
schorsch
antwortete am 24.01.07 (16:49):
Ich liess mich als Kind gar nicht gerne abknutschen. Da war so eine Jungfer, die mich dauernd abknutschen wollte. Als sie es wieder mal versuchte, drehte ich den Kopf weg und sagte: "Hab dich schon geknutscht". Sie: "Wann denn?". Ich: "Um Zwölf!"
Felix
antwortete am 24.01.07 (17:49):
Als Sohn einer welschen Mutter und eines Deutschschweizers erlebte ich immer wieder beide Seiten. Bei meinen Verwandten in der französischen Schweiz war das gegenseitige Umarmen und Küssen eine Selbstverständlichkeit. Locker und unverkrampft erlebte ich diesen körperlichen Kontakt mit Vertretern aller Altersgruppen bei beiden Geschlechtern. Bei meinen väterlichen Verwandten war das ganz anderst. Die meisten küsste ich nur ungern. Schon bei meinem Vater, der die Sitte von der Verwandtschaft seiner Frau übernommen hatte, fühlte ich mich wie in einem Schraubstock, wenn er mich einmal umarmte. Seine Küsse waren hart und ohne viel Gefühl. Heute kann ich je nach Stimmung spontan umarmen ... oder es auch sein lassen. In der Regel nehmen meine "Antennen" die unterschiedlichen Signale wahr! Wo ich Mühe habe, ist das Umarmen und Küssen wie man es bei Russen gelegentlich sieht. Das ist mir nun doch all zu formell!
dmz
antwortete am 24.01.07 (17:52):
Felix antwortete am 24.01.07 (16:34): <<< Weshalb hast du Berührungsängste? Ich kenne die kaum! - Ich finde die koerperliche Beruehrung - soweit sie nicht von mir zugelassen wird (z.B.aerztl.Untersuchg) - irgendwie unhygienisch. Wenn jemand auf mich zukommt und mich beruehrt, will er mich doch manipulieren, oder ? MfG/dmz.
Felix
antwortete am 24.01.07 (18:40):
dmz,
ich nehme einmal an, dass diese negativen Gefühle, die mit einer körperlichen Berührung ausgelöst werden, etwas mit früheren Erfahrungen zu tun haben könnten. Ich kann mir auch sogar frühkindliche Erfahrungen im Säuglingsalter als Auslöser vorstellen. Kannst du dich an solche noch positiv oder nagativ erinnern?
Gerdi
antwortete am 25.01.07 (07:28):
"frühkindliche Erfahrungen im Säuglingsalter"
"Kannst du dich an solche noch positiv oder nagativ erinnern?"
????????
schorsch
antwortete am 25.01.07 (12:32):
Wenn wir mit den Freundinnen meiner Frau zusammenkommen, wird von ihnen umarmt und geküsst. Ich stehe etwas ratlos daneben und frage mich: Warum darf eigentlich meine Frau so viele Freundinnen haben und küssen, ich aber darf nicht mal EINE Freundin haben ? ):-(
Marina
antwortete am 25.01.07 (13:58):
Vielleicht ist dmz ein medizinisches Wunder und kann sich tatsächlich noch an frühkindliche Erfahrungen im Säuglingsalter positiv oder negativ erinnern? Wäre immerhin ein Novum in der Medizin. :-)))
Gerdi
antwortete am 25.01.07 (15:08):
Ich glaube eher, daß F e l i x ein "medizinisches Wunder" ist --, wenn er doch solche Fragen stellt :-))
Felix
antwortete am 25.01.07 (18:25):
Ja freilich Gerdi und Marina,
ihr dürft euch ruhig über meine Fragestellung lustig machen. Die Frage nach der Erinnerung bezog sich ja auf frühere Erfahrungen und nicht auf die Frühkindheit. Das war mein Fehler. Andrerseits kann man durchaus annehmen, dass es auch sehr frühe ... vielleicht sogar pränatale Erfahrungen gibt, die uns zwar nicht bewusst werden, aber unbewusst in unseren Ängsten und Empfindungen beeinflussen können.
Klarer so?
dmz
antwortete am 26.01.07 (00:23):
@Felix Was meine Abneigung gegen das Beruehren in diesem Zusammenhange anbelangt: Entscheidend duerfte vermutlich in meinem Falle gewesen sein, dass ich in der Jugendzeit durch einen mir heute unerklaerlichen Umstand - frueher vielleicht als manche Altersgenossen - dazu gekommen bin, die Personen meiner Umwelt incl. meiner eigenen Person - ich sag's mal etwas ueberhoeht - kritisch zu sehen mit Ergebnissen, die zunaechst haeufig nicht korrekt gewesen sein moegen aber zu einer gewissen Zurueckhaltung gefuehrt haben. - Spaeter bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, dass unser Leben durch hypothetische Konstrukte begleitet wird, - Verklaerungen (Intelligenz, Dummheit, Sympathie, Altruismen, (Naechsten)Liebe ...), hinter denen sich nackte Wahrheiten verbergen wie Egoismen, Manipulation, Selbstdarstellung, Beduerfnisbefriedigung usw. - Deshalb sprach ich auch von dem Verdacht des Manipulierens in Bezug auf das Beruehren von Mensch zu Mensch. Wenn ich meine Abneigung gegen dieses Beruehren als unhygienisch bezeichnet habe, so meinte ich das auch in psychischer Hinsicht; es schloss den Verdacht des Manipulierens ein. Ich meine aber, dass ich deshalb keine ernsthaften Beruehrungsaengste an sich habe sondern nur Vorbehalte. So kann ich die Beruehrung nicht immer konsequent vermeiden: zB das Haendegeben; aber ich mag's halt nicht. MfG/dmz.
Felix
antwortete am 26.01.07 (00:41):
Hallo dmz,
danke für deine Ausführungen. Ich habe den Eindruck, dass du es dir auch heute noch mit deinen zwischenmenschlichen Kontakten nicht besonders leicht machst. Man kann sein Gegenüber auch allzukritisch beurteilen. Damit wird auch der Kreis der in Frage kommenden Kontakte stark reduziert. Ich gebe zu, dass ich in dieser Hinsicht bedeutend mehr zulasse. Die Streu trennt sich mit der Zunahme an Erfahrungen vonselbst vom Weizen.
tigrablue
antwortete am 26.01.07 (04:19):
hi, dmz,
d.h. also, wenn ich dich spontan und herzlich in den arm nehmen wollen würde, einfach, weil ich mich freue, dich zu sehen (vorausgesetzt, wir würden uns überhaupt persönlich kennen natürlich), wäre es dir unmöglich, einfach meine freude über dein da-sein hinzunehmen, sondern du würdest schlankweg vermuten, ich wolle dich manipulieren? wie manipuliert man jemanden, über dessen pure anwesenheit man sich einfach nur freut? hm ...
manipulationsfreie grüße :-) tigrablue
Gerdi
antwortete am 26.01.07 (06:48):
"Andrerseits kann man durchaus annehmen, dass es auch sehr frühe ... vielleicht sogar pränatale Erfahrungen gibt, die uns zwar nicht bewusst werden, aber unbewusst in unseren Ängsten und Empfindungen beeinflussen können." (Felix)
Dem stimme ich ohne Einwand zu.
Aber bedenke zu Deiner Frage an schorsch, ob er sich erinnern könne: hier müßte die ganze Diskussion wieder anfangen, ob, wann und wie Gespeichertes aus dem Unbewußten hervorgeholt werden kann. Deshalb oben meine 8 Fragezeichen.
[Wobei dieser Zahl weiter keine Bedeutung zugeordnet werden sollte, außer vielleicht - um Dich, Felix, 'mal wieder zu nerven: ich als S. sehe die 8 dunkelblauschwarz, und sie ist mir sehr sympathisch :-))]
dmz
antwortete am 26.01.07 (11:47):
tigrablue antwortete am 26.01.07 (04:19): <<< wie manipuliert man jemanden, über dessen pure Anwesenheit man sich einfach nur freut? >>> - Ich hatte in meinem letzten Beitrag den Unterschied zw den hypothetischen Konstrukten - den romant Verklaerungen - ..... - die unser Leben an der Oberflaeche ertraeglich machen - ..... u den zugrunde liegenden existenzbedingten Wahrheiten angedeutet. - Auch wenn ein Mensch einen anderen sympathisch finden mag, so sind seine Gesten durch diese Grundwahrheiten hintergruendig hervorgerufen, welche bedeuten koennen: das Bestreben (Egoismus), einen anderen fuer sich einzunehmen, ihn wohlgesonnen zu stimmen, Beduerfnisbefriedigung (etwa umgedeutetes sexuelles Triebleben) und weitere Motive mehr. - So ist dann die freundliche Umarmung durchaus Manipulation des anderen. Wenn ich nun auf die Geste 'Umarmung' meinerseits eingehe, so tue ich das ebenfalls im Sinne einer Manipulation; weil ich im Hintergrund durchaus Eigeninteressen empfinde, die ich vielleicht mal fuer mich nutzbar machen koennte. - Es faellt uns allemal schwer, unser Leben auf diese Weise tiefgruendig zu betrachten, sonst wuerden wir ganz traurig u verzweifelt werden, weil alles ganz 'nackt' u zweckbestimmt ist. Deshalb schaffen wir uns an der Oberflaeche eine romantische, illusionaere Welt: die ist einfach schoener und auszerdem funktionieren wir hintergruendig dennoch: Existenzsicherung, Erhaltung der spezifischen Lebenskette (Erbfolge). Aber ich gestehe ein, dass eine solche Darstellung der Zusammenhaenge erst durch Hinterfragen zustandekommt, welches nicht gelingt bei staendiger Ablenkung durch das, was uns vordergruendig umtreibt. MfG/dmz.
hugo1
antwortete am 26.01.07 (18:55):
eigentlich wollte ich früher nie Staatsmann werden, weil ich z.B. nicht von Leonid Iljitschbe Breshnew beküsst werden wollte. Sogar das Berühren des mich vor lauter Freude immer anspringenden Riesenboxers vom Nachbargehöft war nicht mit echter Freude verbunden. Aber ich könnte mir vorstellen dass ich nicht immer und überall einer rührenden Berührung abgeneigt wäre. *g*
eleisa
antwortete am 26.01.07 (19:58):
Berührungen zwischen Liebenden, schön und gut. Küsschen links und rechts zwischen befreundeten und verwandten Menschen kann ich auch akzeptieren , muß aber nicht unbedingt sein. Es hat so etwas oberflächliches. Ein guter ehrlicher Händedruck kann zwischenmenschlich sehr viel bewirken.
tigrablue
antwortete am 27.01.07 (23:07):
du willst also damit sagen, dmz, daß unser gesamtes nach außen getragenes, bewußtes und unbewußtes, agieren und reagieren stets utilitaristisch und ebenso stets teleologisch sind. wie ordnest du dann allgemein als sinn-,zweck- und ziellos eingestufte handlungen ein? oder bezieht sich deine "grund"sicht nur auf die interaktion mit anderen menschen? das könnte eine interessante diskussion werden :-) tigrablue