THEMA: Unser Menschenbild verändert sich ständig- Wie werden die Religionen damit fertig?.
Bisher 7 Antworten.
Arno_Gebauer
begann die Diskussion am 29.01.07 (11:07) :
Hallo, ST-Beteiligte,
in den Religionen ist das Menschenbild seit Jahrtausenden unveränderlich festgeschrieben.
Anders ist es in den Neurowissenschaften. Dort wird das Menschenbild ständig mit dem zunehmenden Wissen über den Menschen verändert. Wir wissen, daß es eine Willensfreiheit gar nicht gibt, daß wir viel mehr reagieren als agieren, daß wir aber auch manipulieren und auch heilen können. Die Neurowissenschaften erschüttern immer mehr das alte durch die Religionen manifestierte Menschenbild als Geschöpf Gottes. Werden die Organisationen der Religionen die weitere Erforschung des Menschen blockieren oder manipulieren oder wird das ganze religiöse Menschenbild umgedeutet?
Viele Grüße Arno
Senhora
antwortete am 29.01.07 (11:32):
Eigentlich hat doch schon Darwin das Bild vom Geschöpf Gottes erschüttert. Die These über die angeblich fehlende Willensfreiheit ist schon ziemlich gewagt. Den Faden weiter zu spinnen hieße doch, es wäre theoretisch kein Verbrecher mehr, für seine Taten so richtig zur Verantwortung zu ziehen.
Gerdi
antwortete am 29.01.07 (13:05):
"Werden die Organisationen der Religionen die weitere Erforschung des Menschen blockieren ...?"
Ist ja wohl nicht Dein Ernst, Arno, so eine Frage zu stellen.
Deine Schlußfolgerung ist ganz richtig! Wir gehören zu den aktiven Lebewesen. Das ist an sich weder gut noch schlecht. Unsere Handlungen erfolgen bewußt mit Vorsatz und unbewußt auch fahrlässig. Sowohl die vorsätzliche als auch die fahrlässige Handlung können falsch oder richtig sein. Ob wir durch unsere Handlung im juristischen Sinne schuldig werden, hängt davon ab, ob wir uns den Mitgliedern unserer Gemeinschaft gegenüber solidarisch verhalten haben. Unser Verhalten in der menschlichen Gemeinschaft wird ein Leben lang geprägt. Entscheidungsfehler sind in der Regel Prägungsfehler. Entscheidungsfehler sind für die Persönlichkeitsentwicklung zwar notwendig, werden aber leider geahndet. Durch die Fehlentscheidungen werden bewußt durch andere Gemeinschaftsmitglieder Schuldgefühle erzeugt, damit eine Unterordnung, eine Abhängigkeit, ein Vorteil usw., usw. geschaffen werden kann, welche dann die Begründungen für Strafe sind. So gesehen ist der „Schuldbegriff“ ein überflüssiges Konstrukt. Strafe und Bestrafung sollten durch Belehrung ersetzt werden.
Hallo, Gerdi,
die Frage habe ich ernst gemeint. Die Entwicklung der Forschung wird maßgeblich durch die Religionsvertreter im Ethikrat bestimmt. Letztlich gehts den beiden (Forschung u. Religionsvertretern) ums Geld.
Viele Grüße Arno
mart
antwortete am 29.01.07 (18:12):
Ich finde, Arno, du hast dich mit deinen Beiträgen und insbesondere mit dem vom 17:30 wieder einmal übertroffen:-)
Karl
antwortete am 30.01.07 (19:42):
@ arno,
wenn du schreibst "Wir wissen, dass es eine Willensfreiheit gar nicht gibt, daß wir viel mehr reagieren als agieren" solltest du nicht "Wir" schreiben. Ich würde dir nämlich widersprechen.
Willensfreiheit muss definiert werden. Sie genügt völlig unabhängig von dem Entscheidungsmechanismus (der kausal abläuft) wenigen Kriterien: a) Der Handelnde hat objektiv mehrere fast gleichwertige Handlungsoptionen b) Der Handelnde empfindet die Wahlfreiheit, er fühlt sich weder von außen, noch durch überstarke innere Antriebe genötigt, etwas zu tun.
Mir als Person ist es egal, dass mein Gehirn den Kausalgesetzen gehorcht. Nur so kann es zuverlässig funktionieren. Meine Freunde schätzen meine Verlässlichkeit, nicht die Zufälligkeit des Verhaltens. Ich habe Willensfreiheit, weil ich Entscheidungen frei treffen kann, so dass sie mir passen. Für meine Handlungen, die ich im zurechnungsfähigen Zustand durchgeführt habe, bin ich als Person verantwortlich, denn ich bin dieses Kausalgeflecht.
Die widersinnige Bildung des Gegensatzpaares willensfrei oder kausal ist ein Denkfehler, der in der Philosophiegeschichte oft gemacht wurde, selbst oder gerade von Kant.
Wenn wir über die Kausalität einer Entscheidung reden, reden wir über den Mechanismus des Gehirns. Wenn wir von Verantwortung und von Freiheit reden, bewegen wir uns auf einem anderen Niveau. Die Vermischung dieser unterschiedlichen Ebenen steht auch den Neurobiologen, die dies derzeit häufig tun, nicht gut an.
vielen Dank für Deinen guten Beitrag. Als ich die Themenbeschreibung abfaßte, dachte ich bei dem Begriff der Willensfreiheit daran, daß eine Handlung über die Nerven schon dann in Gang gesetzt worden ist, bevor wir dies bewußt wahrgenommen haben. Die Zeitspanne zwischen den Nervenimpulsen und der wahrgenommenen Entscheidung soll nur wenige zehntel Sekunden betragen. Daraus habe ich dann abgeleitet, daß wir keine Willensfreiheit besitzten. So, jetzt ist es mir auch als Person egal, dass mein Gehirn den Kausalgesetzen gehorcht.
Vielen Dank und viele Grüße Arno
Gerdi
antwortete am 31.01.07 (06:59):
Zur Existenz eines "freien Willens" ist hier in den Foren schon so oft diskutiert worden --> kontrovers.
Vorerst warte ich persönlich ab, wie sich in der Hirnforschung die Auffassung darüber, daß es einen "freien Willen" nicht gäbe, weiterentwickelt.