Arno_Gebauer
begann die Diskussion am 12.02.07 (09:17) :
Hallo, ST-Beteiligte,
es fällt sehr auf, daß es immer weniger behinderte Kinder in der Öffentlichkeit gibt. Pränatale Diagnostik und Abtreibungsmöglichkeiten scheinen die Ursache zu sein. Das hat Folgen. Absolventen des Studienfachs "Sonderpädagogik für geistig Behinderte" werden demnächst keine Anstellung mehr finden. Ich finde, daß solche Studiengänge ersatzlos gestrichen werden sollten, oder?
Viele Grüße Arno
schorsch
antwortete am 12.02.07 (10:24):
Keine Angst Arno; es wird auch heute und in Zukunft noch genügend Gottesgläubige geben, die behaupten, wenn Gott ihnen ein behindertes Kind zur Prüfung ihrer Gottesgläubigkeit in die Gebärmutter pflanze, müssten sie sich Gottes Willen beugen.
Medea.
antwortete am 12.02.07 (12:30):
Bei der Fruchtwasseruntersuchung der Tochter einer Freundin stellte sich heraus, daß das ungeborene Kind eine Mehrfachbehinderung haben würde. Die jungen Eheleute entschieden sich für eine Abtreibung. In den nächsten sechs Jahren folgten drei gesunde Töchter zur Freude der Eltern und Großeltern. Meine Freundin, die anfangs Unbehagen aus Gewissensgründen hatte, ist heute froh darüber, das sich Tochter und Schwiegersohn so entschieden haben.
kreuzkampus
antwortete am 12.02.07 (13:09):
Schorsch: Dein Beitrag ist, höflich ausgedrückt, deplatziert.
Kenny
antwortete am 12.02.07 (13:41):
Bei uns gab es auf der Straße - also in der Öffentlichkeit - immer sehr wenig Behinderte.
Meiner Meinung nach ist das ein gesellschaftliches Problem in Deutschland, da ich z.B. in Holland immer sehr viele Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung gesehen habe, und die Schwangerschafts-Unterbrechungs-Gesetze in beiden Ländern ähnlich sind.
schorsch
antwortete am 12.02.07 (15:35):
kreuzkampus, die Wahrheit ist immer dann deplatziert, wenn sie sich gegen die eigene Weltauffassung richtet......
eko
antwortete am 12.02.07 (16:28):
@ schorsch:
Was ist "Wahrheit"??
Felix
antwortete am 12.02.07 (17:19):
Schon die Entscheidung eine pränatale Untersuchung durchführen zu lassen ... oder allenfalls auch ein behindertes Kind einfach zu akzeptieren, ist keine einfache. Einen werdenden Menschen, der offensichtlich geschädigt ist auszutragen oder abzutreiben ist eine noch schwierigere Entscheidung. Religiöse Vorstellungen beeinflussen oft den Ausgang. In extremen Fällen werden ja sogar ärztliche Hilfen wie Bluttransfusionen, Kaiserschnitt oder Impfungen kategorisch abgelehnt und der mögliche Tod als Schicksal oder Wille Gottes interpretiert. Es wird schwierig sein, über festeingepflanzte Moralvorstellungen hinweg zu diskutieren.
hugo1
antwortete am 12.02.07 (17:56):
Medea, wenn in den darauffolgenden Jahren noch mehrere Kinder geboren und aufgezogen wurden, dann war die damalige Entscheidung eine GUTE. Hätten sich die Elten anders entschieden, wären wohl diese drei Kinder nicht geboren worden. Aber sowas kann man eben wohl immer erst im Nachhinein werten.
Marieke
antwortete am 12.02.07 (18:16):
eko, das soll der Statthalter Pilatus gesagt haben "zwinker"
Medea.
antwortete am 12.02.07 (18:36):
Ja Hugo, Fruchtwasseruntersuchungen werden ja von vielen Menschen abgelehnt; in der Verwandschaft des jungen Paares gab es einen schwerbehinderten Jugendlichen, daraus resultierend auch die pränatale Untersuchung. Fast hätte das Schicksal ja wieder zugeschlagen, so konnte das vermieden werden.
Die Entscheidung für oder gegen ein behindertes Kind können nur die Eltern treffen.
dutchweepee
antwortete am 12.02.07 (20:12):
@kreuzkampus + eko
im rahmen der KSG (katholischen studentengemeinde) in dresden nahm ich 1987 an einer diskussion zum thema "euthanasie und abtreibung" teil - vor allem weil neben kirchenvertretern auch medizinische kapazitäten aus dem westen sprechen sollten.
dort wurden mehrere schwere fälle von behinderungen aufgezeigt, die bereits im mutterleib erkannt werden können. manche säuglinge wären nichtmal tage lebensfähig, da der komplette hinterhauptsschädel fehlte.
in diesen fällen rät der mediziner immer zur abtreibung, da diese schwangerschaft nicht nur eine physische, dondern vor allem eine psychische belastung für die mutter ist.
ich war jedoch über die meinungen der ultra-konservativen katholiken entsetzt, die selbst in diesen fällen eine abtreibung strickt ablehnten, da dieser leidensweg "gottes wille" sei. übrigens schüttelten auch die mediziner zu solchen antworten nur erschrocken mit dem kopf.
solch ein denken und handeln in meinen augen krimineller blödsinn!
.
kreuzkampus
antwortete am 12.02.07 (22:20):
Am Beispiel des körperbehinderten deutschen, mit internationalen Preisen ausgestatteten, Baritons Thomas Quasthoff, frage ich: Wissen einige von Euch noch, wovon sie reden? Wer will sich hier zum Obergott aufschwingen?
dutchweepee
antwortete am 12.02.07 (22:58):
du kannst unmöglich die contergan-behinderung des baritons mit einer schweren spina bifida, oder gar dem fehlen kompletter organe des fötus vergleichen.
willst du wirklich eine mutter neun monate ein kind austragen lassen mit dem wissen, daß das kind sofort nach der geburt sterben wird, wenn ihm gott nicht plötzlich lungen wachsen lässt?
seewolf
antwortete am 13.02.07 (02:38):
Eine Frau sollte selbst entscheiden dürfen, was sie über ihre Leibesfrucht wissen möchte und was dann mit derselben geschehen soll. Allerdings müssen auch die Konsequenzen verantwortet werden.
dutchweepee
antwortete am 13.02.07 (05:48):
zum glück dürfen frauen selbst darüber entscheiden, ob sie ein lebensbedrohlich behindertes kind zur welt bringen oder nicht - zumindest in holland und in deutschland gewissermaßen auch.
wenn jedoch diese entscheidung durch glauben und glaubensgenossen verteufelt wird, ist das psychoterror.
haleluja
kreuzkampus
antwortete am 13.02.07 (07:42):
@dutchweepee: Will ich auch nicht. Ich wende mich nur gegen diejenigen, die hier generalisieren. Der differenziererten Diskussion kann ich durchaus folgen.
wanda
antwortete am 13.02.07 (07:44):
bei Thomas Quasthoff handelt es sich um ein sogenanntes "Contergan-Kind" das sind Beeinträchtigungen, die mit keinen anderen zu vergleichen sind.
Gerdi
antwortete am 13.02.07 (08:48):
Hast recht, wanda ..., -- hier sollte sich vielleicht einmal jemand aufschwingen, einigen Schreibern zu erklären, was es mit dem "Contergan" auf sich hatte.
kreuzkampus
antwortete am 13.02.07 (10:55):
gerdi: Falls Du mich meinsst:Die Erklärung brauche ich nicht. Dann wäre es aber nett, wenn Du lesen würdest, was ich erläuternd um 7.42 Uhr geschrieben habe.
mart
antwortete am 13.02.07 (11:27):
Wiederum stelle ich einmal an Arno eine Frage. Woher weißt du, daß es immer weniger behinderte Kinder gibt? Nimmst du das an, weil dir persönlich nur wenige behinderte Kinder auffallen, ist es deine Schlußfolgerung aus der Tatsache, daß Frauen heute die Möglichkeit der Abtreibung haben, oder ist es einfach aus deinen Fingern gesaugt, um endlich wieder einmal eine ordentliche Diskussion in Gang zu bringen?
eko, Wahrheit ist bekanntlich immer das, was man selber als solche hält....
Senhora
antwortete am 13.02.07 (12:45):
Jedes Elternpaar kann selbst entscheiden, was es verantworten, was es tragen und ertragen kann (und was es finanzieren kann) und das ist richtig so. Aber ich glaube auch, dass die neuen Vorsorgeuntersuchungen dazu beitragen, sich öfter gegen ein (mehrfach behindertes) Kind zu entscheiden. Ich habe einen Beitrag über Kinderhospize gesehen. Dort leben von Geburt schwerstbehinderte Kinder bis zu ihrem Tode, weil eine Betreuung familiär nicht zu leisten ist. Für mich, als Außenstehende, war die Schilderungen der Schicksale sehr bedrückend. Aber jeder muss seinem Gewissen und seinen Moralvorstellungen folgen, ich akzeptiere auch andere Meinungen.
mart
antwortete am 13.02.07 (12:51):
Heute werden heute extremste Frühchen hochgepäppelt, - müssen, wenn die medizinischen Möglichkeiten dazu bestehen -, -- leider oft Nachschub für den Beruf "Sonderpädagogik".
"Heute werden extremste Frühchen hochgepäppelt"(mart)
MÜSSEN, ja, doch der Entscheidungs-Freiraum der Ärzte ist sehr groß.
Früher hätte ich nie, ob ein gesundes oder behindertes Kind, eine Schwangerschaft unterbrochen.
Nach einem Wochenend-Praktikum in den Bodelschwingh'schen Anstalten, im Kontext der Ausbildung einer ehrenamtlichen Tätigkeit, bin ich dann zu einer gegenteiligen Auffassung gelangt.
Niemand, auch nicht der Staat, sollte Eltern die Entscheidung abnehmen.
Ein Kind, erst recht ein behindertes, braucht die Liebe seiner Eltern. Diese Liebe können aber Eltern oft nicht geben, wenn sie in ihrer Entscheidung beeinflusst worden sind.
Behinderte Kinder werden in Deutschland versteckt. Man schämt sich seiner.
Deshalb ist die Antwort deiner Frage, Arno, ob es immer weniger behinderte Kinder gibt, nur anhand von Statistiken zu klären. Können wir Statistiken trauen?
Also ist diese Frage, meiner Meinung nach, so, wie sie gestellt wurde, gar nicht genauestens zu beantworten!
ich muß gestehen, daß ich mir das Thema nur ausgedacht habe.
Viele Grüße Arno
dutchweepee
antwortete am 13.02.07 (14:53):
lol
Medea.
antwortete am 13.02.07 (15:42):
Nun Arno, immerhin hast Du damit eine ernsthafte Diskussion ingang gesetzt, auch wenn Deine Annahme falsch ist. Laut Marts Link werden mehr behinderte Kinder geboren als statistisch vorausszusehen war. Für diese Kinder sind zusätzliche besondere Schulen, Förderungsmaßnahmen und dergleichen mehr erforderlich geworden.
wanda
antwortete am 13.02.07 (18:17):
da die Geburtenzahl allgemein zurückgegangen ist, gibt es logischerweise auch weniger behinderte Kinder.
baerin52
antwortete am 16.02.07 (09:59):
Hallo allerseits, also erst einmal denke ich, dass in Deutschland immer noch sehr viele behinderte Kinder mehr oder versteckt werden, denn behindert ist man nicht, behindert wird man durch die Gesellschaft. Ausserdem kann man überhaupt nicht von "den Behinderten" reden, da jede Behinderung anders ausfällt als alle anderen, man vergleich nur mal zwei Spastiker miteinander: der eine ist so gut wie bewegungsunfähig und bei einem anderen fällt es kaum auf. Ich möchte nicht die Entscheidung tragen, ob ein Kind wegen einer Behinderung abgetrieben wird. Wisst ihr eigentlich wie hoch die Fehlerquote beim Feststellen der Behinderung ist? Ich habe mal von ziemlich hohen Zahlen gehört. Und dann hat eine Mutter ein gesundes Kind abgetrieben!! Übrigens habe ich ein spastisch behindertes Kind und muss sagen, dass sich mein Horizont durch dieses enorm erweitert hat. Auch sie hat ihre Aufgabe in der Gesellschaft erkannt und ist dabei, Behinderungen in die Öffentlichkeit zu bringen. Ich denke, die Gesellschaft hat durch die Behinderten etwas zu lernen: nämlich menschliches Miteinander. Es grüßt euch die Bärin
giro22
antwortete am 18.02.07 (22:03):
Mit Interesse habe ich die Beiträge gelesen. Ich war selbst Sonderpädagogin und habe von 39 Dienstjahren 37 Jahre an einer Sonderschule für Lernbehinderte gearbeitet. Nach meinen Erfahrungen wird es immer einen bestimmten Prozentsatz behinderter Kinder geben. Durch die geburtenschwachen Jahrgänge gibt es natürlich auch weniger geschädigte Kinder. Wie viele dieser Kinder eine Sonderschule besuchen müssen, liegt an den Auswahlkriterien. Die Schülerpopularität hat sich verändert. Sollte allerdings schon während der Schwangerschaft eine Mehrfachschädigung oder das Nichtfunktionieren lebenswichtiger Organe festgestellt werden, ist es allein die Entscheidung der Eltern, ob sie das Kind bekommen oder nicht. Kriterium für die Humanität einer Gesellschaft ist, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern - und dazu gehören z.B. auch behinderte Kinder - umgeht.
doris16
antwortete am 20.02.07 (02:52):
Eltern, die wissen, dass das Kind schwer behindert sein wird, und es trotzdem austragen, sollten dann aber auch darauf gefasst sein, dass sie die zusaetzlichen Kosten selbst tragen, und nicht verlangen, dass die Steuerzahler dafuer aufkommen.
Gerdi
antwortete am 20.02.07 (06:17):
" doris16 antwortete am 20.02.07 (02:52): Eltern, die wissen, dass das Kind schwer behindert sein wird, und es trotzdem austragen, sollten dann aber auch darauf gefasst sein, dass sie die zusaetzlichen Kosten selbst tragen, und nicht verlangen, dass die Steuerzahler dafuer aufkommen."
Welch ein mitfühlender Text!
baerin52
antwortete am 20.02.07 (09:14):
@doris Ich habe mal etwas von Humanität in dieser Gesellschaft gehört oder von menschlichem Miteinander ... Bist du jemals mit behinderten Kindern oder Erwachsenen in Kontakt gekommen? lg Bärin
giro22
antwortete am 20.02.07 (13:56):
@doris
Wo bleibt Dein Verständnis und Mitgefühl? Hast Du ein Leben führen müssen, das Dich so hart werden ließ? Dann tut es mir leid um Dich.
kreuzkampus
antwortete am 20.02.07 (14:18):
Doris, was Du da schreibst, ist menschenverachtend. Rauchst Du? Rauchern könnte man nämlich ähnliches vorhalten; denen aber berechtigt.
plautus
antwortete am 20.02.07 (18:26):
hallo freunde man sollte nicht vergessen, dass der moderne,, lifestyle,, verlangt, dass frauen nur ein kind haben, wenn überhaupt, und dieses ganz kurz vor torschluss. jeder mediziner weiss, das die gefahr von behinderungen mit dem alter der mutter zunimmt. aber ,,lifestyle,, verlangt, erst mal sein leben zu geniessen und kind ist ende von ,,leben geniessen,, hedonismus pereat! plautus
Medea.
antwortete am 20.02.07 (18:58):
Auch wenn Ihr es vielleicht nicht versteht, aber bei Eltern die sich dazu entschließen, ein Kind, das schwerbehindert sein wird, dennoch auszutragen und darauf hoffen, das dann der Vater Staat dafür weitgehendst aufkommt, kann ich kein verantwortungsvolles Handeln erkennen. Mir ist aber klar, daß darüber die Meinungen stark auseinander gehen.
Rosa
antwortete am 07.04.07 (17:57):
Vielleich ist der Grund auch, dass es ebenso immer weniger nicht-behinderte Kinder gibt.
Karl
antwortete am 10.06.07 (07:49):
test antwort
schneeflocke
antwortete am 12.06.07 (03:25):
Guten Tag – bin neu hier und finde Euer Thema interessant. Würde gerne noch ein paar Sätze dazu sagen: Der Anteil der Menschen, die aufgrund genetischer Ursachen mit einer mehrfachen Behinderung leben - sind 5 % des Anteils unserer Bevölkerung, der von solcher Art Behinderung betroffen ist (das sind ca. 0,4 - 0,5 %). Die Hauptursache liegt noch immer im Bereich von Schädigungen vor und während der Geburt. Ein Grund darüber nachzudenken, wie minimal die Auswirkungen der Genforschung und des medizin-technischen Fortschritts sich hier auswirken. Dass es immer weniger behinderte Kinder gibt ist nicht zutreffend. Seit Jahren sind die Zahlen etwa gleich (minimale Steigerungstendenz bei den zuständigen Verbänden erfahrbar). Weshalb die Kinder vielleicht weniger auf der Straße zu sehen sind - könnte an der Schwere der Behinderungen liegen - diese sind nämlich schwerer geworden, wie o. erwähnt durch die höheren Überlebenschancen von früh geborenen Kindern. Diese Menschen brauchen stellvertretende Hilfe anderer, um sich in unserer Gesellschaft zu bewegen und das ist bei uns in Deutschland immer noch so, dass man da sehr auffällt - auch als Begleitperson, wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Eine Menge gesundes Selbstbewusstsein und Persönlichkeit bedarf es um Vorurteilen und (starrenden) Blicken Stand zu halten. Aber wir sind ja eine lernende Gesellschaft und die Hoffnung stirbt zuletzt. Die integrativen Kindergärten helfen. Vielleicht kriegen wir auch noch andere Schulsysteme die sowohl behinderten Kindern, als auch den nicht behinderten Kindern entsprechende Bildungschancen bietet. Noch immer lösen Menschen mit Behinderungen Ängste aus - dabei kann es jeden selber treffen - täglich durch einen Unfall beim Sport, in Straßenverkehr, oder… Ich denke kein Mensch hat ein Recht einem anderen das Recht auf Leben in Frage zu stellen. Die Frage ab wann werdende Eltern dies für sich und ihr Kind entscheiden müssen, ab wann sie die Leibesfrucht als menschliches Leben betrachten, ist wohl eine der schwersten die es gibt. Ich wünsche allen denen sich diese Frage stellt – (und das sucht sich ja keiner aus!!!), dass sie für sich gut entscheiden und gute sachliche Berater zur Seite haben, die in jeglicher Hinsicht Beistand leisten. Eines kann man von Menschen mit mehrfacher Behinderung lernen: Trotz einem aus unserer "nicht Betroffenen-Sicht" erschwerten Leben, ist ihnen mehrheitlich ein hohes Maß an Zufriedenheit mit der eigenen Situation abzuspüren. Hut ab kann ich da nur sagen! Und von Euch Betroffenen kann man eine Menge lernen. Beispielsweise auch an solidarischen Fähigkeiten - ist das nicht ein Wert der in unserer hedonistischen Gesellschaft immer mehr verwischt?
giro22
antwortete am 12.06.07 (17:54):
Hallo liebe Schneeflocke, ich danke Dir für Deinen informativen, sachlichen und einfühlsamen Beitrag.Bei der Integration ist noch viel Arbeit zu leisten, aber es wird nach meinen Beobachtungen besser. Wo hat man denn früher Pflegeheime gebaut? Doch immer an den Rand der Stadt. Integrationskindergärten find ich sehr gut. Im sozialen Bereich profitieren Behinderte und Nichtbehinderte voneinander.In der Schule stellt sich das schon komplizierter dar und würde in vielen Bereichen einen zweiten unterstützenden Lehrer brauchen. Mich persönlich würde interessieren, ob und in welcher Weise Du mit Behinderten in Kontakt gekommen bist.
schneeflocke
antwortete am 13.06.07 (03:23):
Liebe Giro,
als Heilpädagogin arbeite ich in einer Einrichtung mit sechs unterschiedlichen sozialen Berufsfeldern seit 25 Jahren inzwischen im administrativen Bereich. Gut 15 Jahre davon war ich in der direkten Betreuung des Personenkreises von Menschen mit mehrfacher Behinderung tätig – und habe einige Jahre auch in einer Gemeinschaft mit diesem Personenkreis gelebt. Ich wollte das als Berufsanfängerin einfach mal für ein zwei Jahre machen und dann habe ich gemerkt, dass es einem zwar eine Menge Energie abfordert – aber dass es eine sehr bereichernde Arbeit ist, in der man hohe Verantwortung trägt und diese Tätigkeit dennoch sehr viel Erfüllung bringt, jede Menge Lernfelder für das eigene Dasein bietet und die überwiegende Freude am Leben dieser Menschen mich noch heute immer wieder neu beeindruckt und ansteckt. Und so kam es, dass ich da noch immer arbeite. Ich kenne wenige Menschen die ihr Dasein und die Kommunikation so ehrlich, natürlich und echt gestalten, wie diese Leute. Das Thema Integration fände ich als weiterführendes Thema sehr schön – vielleicht gibt es ja noch einige andere Stimmen hier die etwas dazu zu sagen hätten….?