Leichenschau - Applaus
für Gunter von Hagens
«Körperwelten»-Erfinder
von Hagens vor Gericht
Plaste &
Elaste, Gunther von Hagens!
Der Plastinator
kehrt zurück: "Körperwelten"-Chef auf Visite
Keine
Ermittlungen gegen Gunther von Hagens
Plastinator zieht
"Körperwelten" aus Deutschland ab
Gunther von Hagens
beging Titelklau
Amtsgericht
erlässt Strafbefehl gegen Gunther von Hagens
Wird
die Leichenöffnung gesetzlich geregelt?
«Körperwelten»-Ausstellung
will in die USA
«Körperwelten»
kommen nicht nach Leipzig
Chinesische Kopie
von "Körperwelten" in Peking eröffnet
HANS GUIDO
MUTKE GESTORBEN - Luftfahrtpionier will plastiniert werden
Von Hagens:
Keine Leichen für Ausstellung in Peking geliefert
"Ärzte können
dann um mich springen"
Gunther
von Hagens stellt in Frankfurt am Main aus - Öffentliche Präparation
in "Körperwelten"-Ausstellung
Fahrt der 13.
Jahrgangsstufe des Wildunger Gymnasiums zur Ausstellung Gunter von Hagens'
Vor den "Körperwelten" brutzeln
die Würstchen
"Wir sind kein
Gruselkabinett"
Kunstsinnig:
Das wirklich allerletzte Tabu
Körperwelten-Casting
- Gunther von Hagens sucht Anatomie-Modelle
Gorilla aus «Körperwelten»-Ausstellung
entfernt
"KÖRPERWELTEN"
- Frankfurt verbietet von Hagens nackte Nächte
"Körperwelten":
keine "nackten Nächte" in Frankfurt
Ausstellung
zieht dauerhaft in die USA
Von Hagens:
Deutsche Behörden noch nicht reif für «Körperwelten»
"Körperwelten"-Ausstellung
verlässt Deutschland
Von Hagens:
Deutsche Behörden noch nicht reif für «Körperwelten»
"Körperwelten"-Ausstellung
verlässt Deutschland
Die Horror-Schau
geht auf Tournee durch die USA
Gartendom als
Glücksfall
Von Hagens
erwirkt Unterlassungserklärung
"Natürlicher
Tod bei einigen Leichen nicht nachweisbar"
Körperwelten-Ausstellung
erstmals in den USA
09.03.2004
Heidelberg (dpa) Die Ermittlungen gegen den «Körperwelten»-Erfinder Gunther von Hagens wegen des angeblichen Bezugs von Leichen unbekannter Herkunft aus China und Kirgisien sind eingestellt worden.
«Man kann ihn strafrechtlich nicht belangen», sagte die Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Heidelberg, Elke O'Donoghue. Zwei Anzeigen von Privatleuten wegen Störung der Totenruhe im Zusammenhang mit der Ausstellung «Körperwelten» werden ebenfalls nicht weiter verfolgt.
Dem umstrittenen Anatom war vorgeworfen worden, er kaufe in China und Kirgisien Leichen ungeklärter Herkunft sowie Leichen von Hingerichteten und Opfern von Straftaten. Er plastiniere sie, ohne das Einverständnis der Hinterbliebenen oder der Betroffenen zu Lebzeiten erhalten zu haben, hieß es weiter. Von Hagens hatte bestritten, wissentlich Leichen von chinesischen Hinrichtungsopfern für seine Schau verarbeitet zu haben. Ob kirgisische Krankenhäuser, von denen er seit 1997 neun Leichen bezogen habe, die Angehörigen der Toten informiert hätten, wisse er nicht.
Mit Blick auf den Kauf von Leichen unbekannter Herkunft könne von Hagens nicht vorgeworfen werden, dass er die Toten oder Leichenteile unbefugt genommen habe, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Auch stelle die Plastination von Leichen und ihre Ausstellung keinen «beschimpfenden Unfug» im Sinne einer Störung der Totenruhe dar. Unter «beschimpfendem Unfug» sei nur ein Verhalten gegenüber Toten zu verstehen, «das durch ein besonderes Maß an Pietätlosigkeit und Rohheit gekennzeichnet ist und mit dem der Täter bewusst seine Verachtung oder Missachtung zum Ausdruck bringt».
Von Hagens berufe sich hingegen darauf, dass er auch von wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen geleitet werde. Da dies letztlich nicht widerlegt werden könne, fehle es an der Motivation, die Leichen zu missbrauchen oder Tabus zu verletzen. «Dass mit den Veranstaltungen eine Kommerzialisierung einhergeht, steht dem nicht entgegen», hieß es.
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Von Hagens: Ende der Leichenschau
veröffentlicht: 11.03.04
Stuttgart (rpo). Der umstrittene Plastinator
Gunther von Hagens will seine Ausstellung "Körperwelten" vorläufig
nicht mehr in Deutschland zeigen. Grund für den "Boykott" ist ein
laufendes Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart.
Die "Bild"-Zeitung zitierte den Heidelberger
Anatom mit den Worten: "Ständig versucht man hier, mich zu kriminalisieren,
meine Ausstellung zu stoppen." Man wolle sein Lebenswerk zerstören,
so von Hagens. "Wegen der fehlenden Anerkennung und des Neides in Deutschland
wohne ich bereits in China. Ich fühle mich dort sehr wohl."
Nach dem Ende der Frankfurter Ausstellung am 18. April soll die Schau daher ins Ausland gehen, "vorzugsweise in die USA", sagte von Hagens in einem Interview. Nach Deutschland werde die Ausstellung erst zurückkehren, wenn ein Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart erfolgreich sei.
Körperwelten-Ausstellung sorgt für Streit in Frankfurt
Es sei nicht so, dass er sich enttäuscht von Deutschland abwende, betonte von Hagens. Allerdings habe die Auseinandersetzung um seien Arbeit "an Schärfe zugenommen": "Gegner und Befürworter sind stärker polarisiert als zuvor." Deshalb sei "eine gewisse Zeit der Abkühlung" angezeigt. Er sei in den USA mit mehreren Städten im Gespräch und habe auch Angebote aus anderen Ländern, etwa der Türkei, Italien oder Spanien.
In dem Stuttgarter Prozess klagt die Ehefrau des Präperators gegen Auflagen der Stadt zu einer Ausstellung im März 2003. Nach Angaben des Verwaltungsgerichts will die Klägerin im Fall eines Erfolgs in diesem Jahr eine weitere Ausstellung in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle organisieren. Nach von Hagens' Einschätzung kann es bis zu einer Gerichtsentscheidung jedoch zwei bis drei Jahre dauern.
Die baden-württembergische Bestattungsverordnung verbietet es, öffentlich Leichen zu zeigen. Die Stadt Stuttgart hatte von Hagens aber unter bestimmten Auflagen eine Genehmigung erteilt. Die Organisatoren der Schau berücksichtigten zwar die Auflagen; von Hagens' Frau forderte später, dass die Ausstellung keiner Ausnahme von der Bestattungsverordnung bedurft hätte.
Bocholter-Borkener Volksblatt
Dr. Gunther von Hagens ist kein Professor.
Das bestätigte das Amtsgericht Heidelberg und brummte ihm eine Geldstrafe
auf.
Heidelberg - Der wegen seines Umgangs
mit Leichenteilen umstrittene Anatom Gunther von Hagens ist wegen Titelmissbrauchs
mit einer Geldstrafe belegt worden. Über welchen Betrag sich der vom
Amtsgericht Heidelberg erlassene Strafbefehl beläuft, konnte eine
Gerichtssprecherin am Dienstag nicht sagen. Falls der auch wegen seiner
Ausstellung "Körperwelten" kritisierte Hagens Einspruch erhebt, kommt
es zu einer förmlichen Gerichtsverhandlung.
Kein Professor
Im Jänner hatte die Anklagebehörde erklärt, von Hagens werde zur Last gelegt, zwischen Anfang Februar 2002 und Mitte August 2003 in fünf Fällen Schriftstücke mit "Prof." oder "Professor" Dr. Gunther von Hagens unterzeichnet zu haben, obwohl er nicht berechtigt gewesen sei, den akademischen Grad eines Professors ohne Hinweis auf dessen Herkunft zu führen. Die Staatsanwaltschaft war auf Grund einer Anzeige der Universität Heidelberg aktiv geworden.
Hagens hatte im September 2003 betont, er trage den chinesischen Professorentitel rechtmäßig. Der Anatom sorgt mit seiner Ausstellung "Körperwelten" für Wirbel.
Artikel vom 02.03.2004 |apa |ale
Amtsgericht erlässt Strafbefehl gegen Gunther von Hagens
Körperwelten-Erfinder soll Professorentitel unberechtigt benutzt haben
erstellt 03.03.04
Heidelberg/dpa. Das Amtsgericht Heidelberg
hat gegen den Erfinder der Ausstellung «Körperwelten»,
Gunther von Hagens, einen Strafbefehl über 144 000 Euro wegen Titelmissbrauchs
erlassen. Das bestätigte eine Sprecherin von Hagens' am Mittwoch in
Heidelberg. Die Universität Heidelberg hatte Strafanzeige erstattet,
weil von Hagens unbefugt den Titel eines Professors trage. Beim Amtsgericht
war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Dem Leichenpräparator wird zur Last
gelegt, zwischen Februar 2002 und August 2003 Schriftstücke mit «Prof.»
oder «Professor» Dr. Gunther von Hagens unterzeichnet zu haben.
Er sei aber nicht berechtigt, den akademischen Grad eines Professors ohne
Hinweis auf dessen Herkunft zu führen. Die Heidelberger Staatsanwaltschaft
hatte daher im Januar den Erlass eines Strafbefehls gegen von Hagens mit
einer Gesamtgeldstrafe von 120 Tagessätzen beantragt.
Nach Angaben von Hagens hat die Medizinische Universität Dalian in China ihm den Professorentitel verliehen. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium habe bereits im Jahre 2001 gebilligt, dass er den Titel führe.
Mitteldeutsche Zeitung
Bayern prüft ein eigenes Sektions-Gesetz nach dem Vorbild von Berlin und Hamburg
Nicht erst seit Gunther von Hagens mit den „Körperwelten“ und der fragwürdigen Beschaffung seiner Leichen ins Zwielicht geraten ist, beschäftigt uns die Frage: Was darf man mit toten Menschen tun? Auch Pathologen, Rechtsmediziner und Anatomen bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Bayern denkt jetzt über ein Sektionsgesetz nach.
NÜRNBERG - „Kein Mensch weiß, was das ist: eine Leiche. Sie ist keine Sache, keiner besitzt sie“, sagt Professor Peter Wünsch. Seit 1988 leitet er die Pathologie am Nürnberger Klinikum — und pocht wie kein anderer auf die Sektion. Denn sie lehrt die Lebenden. Erst aus der Untersuchung von Verstorbenen und Gewebeschnitten können die Ärzte ihre Kunst überprüfen und neue Therapien entwickeln.
Spitzenstellung erreicht
Beispiel Klinikum Nürnberg: 80 000 Patienten werden hier jährlich behandelt. Über 2000 davon sterben im Krankenhaus, etwa 800 werden obduziert. Mit einem Anteil von gut 30 Prozent erreicht die Pathologie eine Spitzenstellung — bundesweit ist der Anteil unter fünf Prozent gefallen. „Ein Skandal“, urteilt Wünsch. Denn um sichere Aussagen über Todesursachen, über Erfolg und Misserfolg von Diagnose und Therapie zu bekommen, müsste häufiger obduziert werden. Eine Grundlage hierfür bietet derzeit nur das vor drei Jahren neu gefasste Bestattungsgesetz: 36 Paragrafen regeln den Umgang mit Toten. Angefangen bei der „Veranlassung der Leichenschau“, über den Transport und die Bekleidung von Leichen bis hin zu den Hygienemaßnahmen für Bestatter und Einäscherungsvorschriften.
Die „innere Leichenschau“, die Obduktion, wird nur in Zusammenhang mit der Ausstellung des Totenscheines genannt. Eindeutig ist die Lage nur für Rechtsmediziner: Bei unklarer Todesursache oder Gewaltverbrechen ordnet der Staatsanwalt eine Obduktion an. Ohne Wenn und Aber. Auch die Anatomie ist auf der sicheren Seite. Zu Lebzeiten schließt sie Verträge mit jenen Menschen, die ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung stellen.
Nur die Pathologen bewegen sich auf unsicherem Terrain: Sie dürfen zwar obduzieren. Aber unter welchen Voraussetzungen? Im Klinikum Nürnberg bemühen sich die Ärzte deshalb immer um die persönliche oder telefonische Zustimmung der Angehörigen — auch wenn Patienten bei der Einweisung eine Widerspruchsregelung unterschreiben. Danach ist die Obduktion erlaubt, falls Angehörige nicht innerhalb von 24 Stunden Einspruch erheben. Aber, begründet Professor Wünsch, man wolle nicht gegen den Willen der Familie entscheiden. Auch weil es in der Vergangenheit schon so hässliche wie unbegründete Briefwechsel mit Rechtsanwälten gab.
Eine Grauzone. In Berlin und Hamburg sah man deshalb Handlungsbedarf. Seit 1996 hat die Hauptstadt, seit 2000 die Hansestadt ein Sektionsgesetz. Danach gibt es Ausschlussgründe: etwa, wenn die Leichenöffnung erkennbar dem Willen des Verstorbenen entgegenläuft oder Angehörige innerhalb von acht Tagesstunden widersprochen haben. Eine Sektion ist dagegen zulässig, wenn Zustimmung vorliegt, wenn sie der Klärung der Todesursache dient oder die Fürsorge für die Hinterbliebenen sie erforderlich macht — zum Beispiel bei Versicherungsfragen, möglichen Erb- und Infektionskrankheiten.
Bedenkliche Formulierung
Dass die Berliner Fassung auch „wissenschaftliches Interesse“ nennt, hält Professor Wünsch für bedenklich. Die Formulierung könnte als Freibrief genutzt werden. Im zuständigen Bayerischen Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz werden Für und Wider noch abgewogen. „Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Sprecherin Andrea Kinateder. Auf der einen Seite möchte man die Zahl der Obduktionen erhöhen, auf der anderen Seite haben weder Berlin noch Hamburg dies per Gesetz erreicht.
Klar ist: Falls der Freistaat ein Sektionsgesetz erlässt, müsste begleitend viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Wer wüsste das besser als Professor Wünsch? Wenn im Fernsehen ein Krimi lief, in dem Obduktionen die Zuschauer schaudern lassen, erzählt er, würden noch Tage später Angehörige die Zustimmung verweigern. Da können die Ärzte den Nutzen der Sektion noch so eindringlich erklären.
GABI PFEIFFER
26.3.2004 0:00 MEZ
© NÜRNBERGER NACHRICHTEN
Gunther von Hagens, Erfinder des Plastinationsverfahren zur Konservierung von Leichen.
Frankfurt/Main. AP/BaZ. Die umstrittene Leichenschau «Körperwelten» wird Deutschland verlassen. Als Grund nannte Plastinator Gunther von Hagens die anhaltenden öffentlichen Anfeindungen gegenüber der Ausstellung. Ziel seien die USA, man stehe kurz vor einer Vertragsunterzeichnung, teilte Hagens am Mittwochabend mit.
«Der Kulturkampf um die 'Körperwelten' hat sich auf unerträgliche Weise zugespitzt», erklärte Hagens. Angesichts der Schärfe der Diskussion gerate das eigentliche Ziel der Ausstellung, nämlich die Gesundheitsaufklärung der Bevölkerung, zunehmend ins Abseits.
Gleichzeitig mit dem geplanten Abschied gab Hagens die Verlängerung der Ausstellung in Frankfurt am Main bis zum 13. Juni bekannt. «Die Ausstellung in Frankfurt wird vom Publikum hervorragend aufgenommen», erklärte Hagens.
95 Prozent der Besucher bewerteten «Körperwelten» mit «sehr gut» oder «gut».
Basler Zeitung
Mittwoch 31. März 2004, 19:27 Uhr
«Körperwelten» kommen nicht nach Leipzig
Frankfurt/Main (ddp-lsc). Die Ausstellung «Körperwelten» kommt nicht nach Leipzig. Die Schau werde in Deutschland künftig nicht mehr zu sehen sein, berichtet die «Frankfurter Rundschau» (Donnerstagausgabe) vorab. Nach dem Ende der aktuellen Präsentation in Frankfurt am Main werde er die präparierten Körper vorerst nur noch in den USA zeigen, sagte der Initiator der Ausstellung, Gunther von Hagens, dem Blatt.
Die juristischen Auseinandersetzungen und ethischen Diskussionen um die Schau kosteten ihn viel Geld und Kraft, sagte Hagens. Auf sein Ziel, über den menschlichen Körper aufzuklären, könne er sich in Deutschland nicht mehr konzentrieren.
Zugleich beklagte sich Hagens über die «Willkür der deutschen Behörden», die seine Ausstellung mehrfach zensiert hätten. Hagens war zuletzt wegen der Annahme von Leichen aus China und Kirgisien in die Kritik geraten.
Yahoo Nachrichten
Ausland
Chinesische Kopie von "Körperwelten" in Peking eröffnet
PEKING. Eine Kopie der umstrittenen „Körperwelten“-Ausstellung hat am 8. April in Peking ihre Pforten geöffnet. Die Show wurde von einem früheren engen Mitarbeiter des deutschen „Körperwelten“-Initiators Gunther von Hagens auf die Beine gestellt. Die chinesische Ausstellung plastinierter Leichen trägt denselben Titel wie die deutsche Show. Der Ausstellungsmacher und frühere von Hagens-Mitarbeiter Sui Hongjin erklärte, sämtliche 17 ausgestellten Leichen und 160 Leichenteile seien von ihm und seinen Mitarbeitern plastiniert worden.
„Im Gegensatz zu ähnlichen Ausstellungen im Ausland hat die Show keine kommerziellen Ziele, sondern soll dem Publikum eine Möglichkeit zum Verständnis des Körpers und seiner Funktionen geben“, sagte Sui der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Körper seien im Medizinischen Institut von Dalian für medizinische Studien genutzt worden. Alle Betroffenen seien eines natürlichen Todes gestorben.
Von Hagens musste sich zuletzt gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, er habe für seine Präparate Körper von in China Hingerichteten verwendet. Er bestritt dies. Von Hagens' umstrittene Ausstellung soll wegen anhaltender Kritik künftig nicht mehr in Deutschland gezeigt werden. Derzeit sind die „Körperwelten“ noch bis zum 13. Juni in Frankfurt am Main zu sehen, danach soll die Ausstellung dauerhaft in den USA gezeigt werden./afp
Deutsches Ärzteblatt
Luftfahrtpionier will plastiniert werden
Von Markus Becker
Er hat behauptet, als erster Mensch die Schallmauer durchbrochen zu haben - und löste einen Expertenstreit aus. Am Gründonnerstag ist Hans Guido Mutke im Alter von 83 Jahren gestorben. Seinen Körper habe er dem Leichen-Plastinator Gunther von Hagens zur Verfügung gestellt, sagte sein Neffe gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Hans Guido Mutke mit einem Modell des Düsenjägers
Me 262: Im Alter von 83 Jahren gestorben
Mutke erlag während einer Herzoperation
einem Kreislaufversagen, wie sein Neffe Andreas Mutke gegenüber SPIEGEL
ONLINE mitteilte. Der Luftfahrtpionier, der bereits fünf Bypässe
getragen habe, sollte im Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen
eine künstliche Herzklappe bekommen. Er hinterlässt eine Frau
und zwei Kinder.
Mutke hatte mit der Behauptung für Aufsehen gesorgt, als erster Mensch der Welt die Schallmauer durchbrochen zu haben. Seiner Darstellung nach war er am 9. April 1945 in einer Me 262, dem ersten Serien-Düsenjäger der Welt, in zehn Kilometern Höhe über Innsbruck unterwegs. Als ein von alliierten Flugzeugen attackierter Kamerad per Funk um Hilfe rief, habe Mutke seinen Kampfjet in einen Sturzflug gesteuert.
Plötzlich sei das Flugzeug ins Torkeln geraten und habe heftig zu schütteln begonnen - sogar die Nieten seien aus den Tragflächen geflogen. Mutke war sich sicher: Was er erlebt hatte, war das so genannte "Buffeting", ein bis dahin unbekannter Begleiteffekt des Überschallflugs. Seine Me 262 ist im Deutschen Museum in München ausgestellt.
"Körperwelten"-Macher von Hagens: Landet Mutke in der Leichen-Schau?
Fachleute streiten seitdem, ob das Durchbrechen der Schallmauer mit dem Fluggerät der deutschen Luftwaffe möglich war. Klangvolle Namen finden sich auf beiden Seiten der Argumentationslinien. Wissenschaftlich untermauert wurden Mutkes Behauptungen freilich nie - "ebenso wenig wie die der anderen Piloten, die den ersten Überschallflug für sich reklamieren", sagte Klaus Böttcher, Mutkes langjähriger Vertrauter, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Offiziell gilt bis heute der Amerikaner Charles "Chuck" Yeager mit seinem Rekordflug vom 14. Oktober 1947 als erster Bezwinger der Schallmauer.
Mutkes Vorliebe für das Spektakuläre erstreckte sich auch auf die Zeit nach seinem Tod: Nach Angaben seines Neffen entschied der Pilot schon 1996, dass sein Körper nach seinem Ableben dem Leichen-Plastinator Gunther von Hagens zur Verfügung gestellt werden solle. Einen entsprechenden Spenderausweis habe Hans Guido Mutke am 10. Juni 1996 erhalten. Allerdings könnten die Hinterbliebenen auf Basis des Testaments entscheiden, was mit dem Leichnam geschieht. "Ob es ein Testament gibt, wissen wir aber noch nicht", sagt Andreas Mutke.
Sein Onkel sei zu Lebzeiten ein großer Fan der umstrittenen Ausstellung "Körperwelten" und darüber hinaus ein Duzfreund von Plastinator Hagens gewesen. Eine "Körperwelten"-Mitarbeiterin lehnte auf Anfrage eine Bestätigung von Mutkes Körperspende ab.
Von Hagens war nach Enthüllungen des SPIEGEL in den vergangenen Monaten wegen dubioser Geschäfte mit Toten und Körperteilen in die Schlagzeilen geraten. Nach immer schärfer werdender Kritik kündigte er im März das Ende seiner Leichen-Schau in Deutschland an.
Ob die Familie auf Grund dieser Entwicklung
die testamentarische Verfügung einer Körperspende anfechten würde,
ist laut Andreas Mutke offen. "Er stand immer für die Forschung ein",
sagte er über den toten Luftfahrtpionier. Und: "Der Wille des Menschen
ist sein Himmelreich."
Von Hagens: Keine Leichen für Ausstellung in Peking geliefert
Heidelberg/Peking (dpa) - Der Leichenpräparator Gunther von Hagens hat Vorwürfe zurückgewiesen, europäische Leichen für die chinesische Kopie der «Körperwelten»-Ausstellung zur Verfügung gestellt zu haben.
Es sei ihm nicht bekannt, wie die europäischen Körper ihren Weg in die Ausstellung genommen hätten, sagte der umstrittene Wissenschaftler in Heidelberg. Er begrüße es, dass die Ausstellung in Peking zu sehen sei, da sie zu einer «Demokratisierung der Anatomie» in China beitrage. Von Hagens versicherte, dass die europäischen Leichen nicht aus dem Körperspenderprogramm des Instituts für Plastination in Heidelberg stammten.
Die Ausstellung mit plastinierten Leichen ist seit einer Woche in Peking zu sehen. Gezeigt werden 17 Leichen sowie 160 Körperteile. Nach Angaben von Sui Hongjin, Ausstellungsorganisator und früherer Mitarbeiter des Leichenpräparators von Hagens, stammen alle Leichen von Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Die Schau in Peking trägt ebenfalls den Titel «Körperwelten».
Die Körper sind den Angaben der Ausstellungsmacher zufolge von Sui Hongjin und Mitarbeitern des Medizinischen Instituts der nordchinesischen Stadt Dalian präpariert worden. Organisator Sui Hongjin hatte sich von dem Anatom von Hagens, der in der nordchinesischen Stadt Dalian eine Firma betreibt, getrennt und im Jahr 2000 ein eigenes Unternehmen für die so genannte Plastination von Leichen gegründet.
Der Leichenpräparator hatte angekündigt, seine derzeit in Frankfurt laufende Ausstellung «Körperwelten» zumindest vorläufig aus Deutschland abzuziehen und ins Ausland zu verlagern. Dem umstrittenen Anatom war kürzlich vorgeworfen worden, er kaufe in China und Kirgisien Leichen ungeklärter Herkunft sowie Leichen von Hingerichteten und Opfern von Straftaten. Die Ermittlungen gegen von Hagens waren Anfang März aber eingestellt worden.
Lausitzer Rundschau
Adelgunde Dick stellt sich nach ihrem Tod der Ausstellung "Körperwelten" zur Verfügung
Vom 14.04.2004
KIRN Adelgunde Dick wird dieses Jahr 78 Jahre alt und plant die Zeit nach ihrem Tod, obwohl sie kerngesund und munter ist. Sie will nicht eingeäschert oder beerdigt werden, sondern hat ihren Körper dem Heidelberger Institut für Plastination zu Verfügung gestellt. Dr. Gunther von Hagens macht nach wie vor Furore mit seiner Ausstellung "Körperwelten", wo Adelgunde Dicks Leichnam auch einmal zu sehen sein wird. Die AZ wollte wissen, wie sie zu diesem Entschluss kam.
FRAGE: Frau Dick, was hat Sie veranlasst, Ihren Körper zu spenden?
DICK: Ich war 21 Jahre lang Krankenschwester und will nach dem Tod keine Delikatesse für die Würmer sein. Ich wollte mich ganz der Medizin verschreiben. In meiner Familie gab es acht Krankenschwestern, und ich selbst habe bis vor einigen Jahren noch meine Mutter mit Parkinsonscher Krankheit, meinen krebskranken Mann und eine Tante, die an Alzheimer erkrankt war, gepflegt. Allerdings wollte ich mich zuerst der Anatomie der Uniklinik in Mainz zur Verfügung stellen.
FRAGE: Wann haben Sie sich dazu entschlossen, Ihren Körper dem Heidelberger Institut für Plastination zu spenden?
DICK: Voriges Jahr. Da sah ich in der BILD-Zeitung einen Artikel über eine Familie, die sich zusammen zur Verfügung stellen wollen. Ich habe mit der BILD-Zeitung Kontakt aufgenommen und die Adresse von Dr. von Hagens bekommen.
FRAGE: Haben Sie die Ausstellung schon gesehen?
DICK: Nein, aber ich habe vom Institut eine Videokassette und eine Menge Informationsmaterial erhalten. Das Video ist wie ein Gang durch die Ausstellung. Aber bis zum Ende der Ausstellung werde ich bestimmt noch dahin fahren. Ich entscheide mich schnell.
AZ-InterviewFRAGE: Was sagen Sie zu den Kritiken, die zur Zeit durch die Medien laufen?
DICK: Die sind vollkommen unberechtigt. Ich finde das gut, was der "Professor" macht. Für mich ist das Kunst und man kann vieles über den menschlichen Körper lernen. Jahrelang bin ich um die Ärzte herum gesprungen, jetzt können die mal um mich herum springen.
FRAGE: Wie läuft so eine Körperspende ab?
DICK: Mir wurde ein Fragebogen zugeschickt. Ich habe angegeben, dass mein Körper in der Ausstellung nicht berührt werden darf und dass mein Name nicht dran steht. Jetzt habe ich den Körperspendeausweis immer bei mir.
FRAGE: Haben Sie Kontakt mit dem Institut?
DICK: Oh ja, ich schreibe ihnen laufend. Es ist auch vorgesehen, ein Treffen mit allen zukünftigen Körperspendern zu organisieren. Das wird wohl dieses Jahr der Fall sein. Außerdem schreibe ich Gedichte zu diesem Thema, die ich auch nach Heidelberg geschickt habe.
FRAGE: Haben Sie keine Scheu davor, von fremden Leuten betrachtet zu werden?
DICK: Nein, wenn ich tot bin, interessiert mich das nicht mehr.
FRAGE: Wenn Sie gestorben sind, müssen dann Kosten für den Transport übernommen werden oder wie läuft das dann ab?
DICK: Zuerst muss, wie üblich, ein Totenschein von einem Arzt ausgestellt werden. Dann bringt mich ein Bestattungsunternehmen in einem Sarg nach Heidelberg. Diese Kosten müssen bis dahin von mir, das heißt von meinem Nachlass finanziert werden. Den Rest übernimmt das Institut.
Das Gespräch führte
Susanne Wildberger.
Allgemeine Zeitung
Öffentliche Präparation in "Körperwelten"-Ausstellung
veröffentlicht: 30.04.04 - 14:56
Frankfurt/Main (rpo). Gunther von Hagens
will am Wochenende in seiner Ausstellung "Körperwelten" menschliche
Organe präparieren. Herz, Lunge, Leber und Lunge stehen nach Angaben
seines Instituts auf dem Programm des umstrittenen Leichen-Plastinators.
Der "Körperwelten"-Macher wolle mit
den Aktionstagen "Fitter durch die Körperwelten" eine von "Horror
und Fantasie" geprägte Vorstellung von Anatomie korrigieren, hieß
es zur Begründung. So könne das Bewusstsein der Besucher für
ein gesünderes Leben gestärkt werden.
Heftiger Protest gegen das Vorhaben kam von der Landesärztekammer. Die öffentliche Präparation von Leichenteilen sei "pervers" und überschreite aus Profitinteresse die Grenzen von Anstand und Seriosität, kritisierte das Medizinergremium. Die Kammer forderte Hagens auf, menschliche Organe nicht öffentlich zur Schau zu stellen und die Aktion abzusagen.
© RP Online, AFP, ap, ddp, sid, teleschau-der
Mediendienst
Vor den "Körperwelten" brutzeln die Würstchen
BAD WILDUNGEN/EDERTAL. Die Jahrgangsstufe 13 des Gustav-Stresemann-Gymnasiums fuhr nach Frankfurt zu der Ausstellung, die nach wie vor viele Gemüter bewegt: Gunther von Hagens' "Körperwelten". Hier die Eindrücke zweier Teilnehmer.
Die Körperweltenausstellung befindet
sich direkt neben dem Harley Davidson Laden. Vor dem Ein- und Ausgang befindet
sich ein einladender Biergarten mit Grill, ein guter Gedanke der Verantwortlichen,
denn von dem vielen Herumwandern zwischen toten Menschen bekommt man ja
schnell Hunger.
Was mir als erstes auffiel, waren die
großen Transparente, die, Flaggen gleich, von der Decke hingen. Zu
sehen waren auf ihnen Zeichnungen aus älteren Anatomiewerken (Mittelalter,
frühe Neuzeit) und Zitate von bekannten Denkern (Goethe, Aristoteles),
die sich zur Leichen-Schau und zur Anatomie äußerten.
Dies soll dem Besucher den Eindruck vermitteln,
dass das, was in der Halle geschieht, in Ordnung ist. Gleichzeitig verrät
es das schlechte Gewissen der Macher. Wenn es dabei nur um das anatomische
Interesse ginge, wäre die Besucherschaft sehr schnell gelangweilt.
Daher stehen die Leichen nicht einfach so da oder heben den Arm wie in
Lehrbüchern, sondern sind positioniert wie Schauspielerpuppen. Eine
Leiche auf einem Fahrrad, eine, die reitet, eine als Torwart, eine, die
Basketball spielt. Eine Leiche - von Hagens beliebte es, ihr den Titel
"Der FlügelmannÓ zu geben - breitet ihre Haut nach beiden Seiten
aus, öffnet sie wie einen Mantel, um dem Zuschauer ihr nicht mehr
verwesen könnendes Inneres zu zeigen. Die Toten strecken ihre Organe
hervor, präsentieren Magen, Hirn und Därme auf Handfläche
oder Arm, geben, bieten an, zwingen auf. Das Maß dessen, was man
selbst mitdenken muss, ist auf ein Minimum beschränkt. Alles wird
auf Tafeln ausführlichst erläutert, die optische Zufahrt zu jedem
noch so kleinem Organellchen ist erläutert. Der menschliche Körper
ist kein Geheimnis mehr.
In der großen Halle ist ein kleinerer
Bereich abgegrenzt. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass das Ausgestellte
in diesem Raum die moralischen Gefühle mancher Besucher verletzen
könnte. Dies hat ungefähr denselben Effekt wie die Aufschrift
"Nur ab 18 auf Videokassetten. In dem halbrunden Raum finden sich an der
runden Seite Embryos und Säuglinge mit allen Arten von Missbildungen.
An der gegenüberliegenden Seite findet sich eine tote Frau im neunten
Monat der Schwangerschaft. Sie liegt, den Kopf auf die Handfläche
gestützt wie ein Model, und sie scheint zu lächeln. Ihre Bauchplatte
ist entfernt, man kann das Kind sehen. Es ist schon in der Kopflage. Diese
Frau hat gelebt, hat ein Kind erwartet, sie starb. Ihr Körper ist
jetzt plastiniert und bietet jedem Einblick in die intimsten Stellen.Bei
der Totenkopf-SS war es schick, sich Gegenstände aus den Körpern
der KZ-Opfer zu schenken, wie Schrumpfköpfe oder Lampenschirme aus
Menschenhaut. Ein Mann aus Rothenburg hat seinen Freund gegessen. Wie kann
so etwas passieren?
"Faszination des Echten wirbt ein Plakat
für die Ausstellung und macht deutlich, dass scheinbar die Macher
selbst nicht wissen, was sie erreichen wollen. Faszination oder Einsicht,
Effekthascherei oder Belehrung? Beides? "Körperwelten heißt
das Ganze, aber was für eine Welt wird wirklich gezeigt? Von Hagen
behauptet, mit seinem Schaffen wolle er außerhalb der Anatomievorlesungen
und der Pathologien der breiten Masse einen Einblick in ihr eigenes Fleisch
gewähren. Aber der medizinische Ansatz hat einen Respekt vor den Toten,
der den "Welten abgeht. Dadurch, dass man beim Sezieren eben nicht alles
sieht, dass diese Körperschau nicht jedem zugänglich ist, bewahrt
sie sich eine Achtung vor den Toten, einen heiligen Abstand. Dinge, wie
die oben erwähnten, treten dann auf, wenn den Menschen diese Achtung
fehlt, wenn Körper zum Objekt werden.
Zu dem häufig vorgebrachten Vorwand
"Laut dem christlichen Glauben zieht die Seele in das Jenseits, was zurückbleibt,
ist nur Hülle, nur materiell, daher kann damit nach Belieben umgegangen
werden, möchte ich folgendes anmerken: Jedem Menschen gebührt
über den Tod hinaus Respekt, einfach nur, weil er ein Mensch ist.
Der christliche Glaube nimmt keineswegs eine Zweiteilung in Seele und Körper
vor. Dies ist eine Vorstellung aus dem griechischen Hellenismus, wie ihn
Sokrates vertreten hat.
Letztendlich hat die Körperweltenausstellung
etwas, was im Zeitalter von Internet und "rtl2 news" als schlimmer gilt
als die Respektlosigkeit nach dem Tod: Sie ist in all ihrer Obszönität
letztendlich unglaublich langweilig.
Unser Besuch dort war auf zweieinhalb
Sunden angesetzt. Nach einer halben hatte man alles gesehen, nach einer
ganzen begann man sich nach einer Sitzgelegenheit umzuschauen. Genauso
wie die Werke des Marquis de Sade ist sie zwar im Einzelnen erschreckend,
aber wie diese ist sie in ihrer ständigen Wiederholung und der mit
Effekten maskierten Einfallslosigkeit, mit der Präsentierung von allem
an der Oberfläche anödend. Man geht raus und hat das Gefühl,
es fehle etwas, das könne es doch nicht gewesen sein. Ich fuhr nach
Frankfurt und der Höhepunkt des Tages war ein Besuch im McDonalds.
Von Martin Gierczak, Jahrgangsstufe 13,
Gustav-Stresemann-Gymnasium.
Weder begeistert noch schockiert
Ein bunter Reigen an Würstchenbuden
und Bierpilzen begrüßte den gespannten Besucher mit einer Atmosphäre,
wie man sie sonst nur auf dem Oktoberfest findet. Nur die betrunkenen Japaner
mit ihren 5-Megapixel-Kameras fehlten zu meiner Enttäuschung. In der
Ausstellung waren ohnehin Fotoaufnahmen verboten. Jeder, der sich ein bleibendes
Bild machen wollte, sah sich also genötigt, den recht teuren Bildband
zu kaufen.
Gunther von Hagens' "Körperwelten",
das klingt nach Ereignissen wie Ridley Scott's "Bladerunner" oder Omas
Kirschmarmelade und macht Appetit auf mehr. Der weltbekannte Gunther von
Hagens proudly presents...
Leichen LIVE und in Farbe!
In der Halle stehen Leichen herum, in Vitrinen
sind Organe ausgestellt, darunter mindestens fünf Raucherlungen. Was
lernen wir? Raucher sind schlechte Menschen und sterben früher. Es
gibt Menschen in Scheiben geschnitten zu sehen, längs und quer. Künstliche
Exponate der Blutsysteme von Mensch und Tier wechseln sich ab mit echten,
aber dafür krebsüberwucherten und missgebildeten Körperteilen.
Doch eigentlich wollen wir ja alle die
Leichen sehen. Schon komisch, dass es "Körperwelten" heißt und
nicht Leichenwelten, denn ganzheitliche Körper gibt es nur selten.
Was man sieht, sind erstaunlich kleine, tote Menschen als Plastinate, die
sehr echt erscheinen. Farbe und Struktur sind komplett erhalten, oft sind
die Augen noch vorhanden. Das verunsichert. Augen, die Fenster der Seele,
Charakteristikum des belebten Wesen, schauen einen aus halbsezierten Körpern
starr und kühl an. Doch man gewöhnt sich schnell daran. (Härtet
man schnell ab?).
Lässt man dies unbeachtet, lernt
man den menschlichen Körper näher kennen, das Zusammenwirken
der Funktionsgruppen, Größe und Lage der Organe, betrachtet
Muskelstränge, wie sie in der Bewegung aussehen. Der Mensch wird verständlich,
sein Körper als biochemische Maschine klar, verwundbar und doch stark
(Knochen sind fester als Stahlbeton). Wer sich gegen die Zweiteilung von
Körper und Seele sträubt, hat es sicherlich schwer, die teilweise
entwürdigenden Posen der Plastinate hinzunehmen. Nach einer halben
Stunde war mir das egal.
Irgendwann geben die Exponate nichts Neues
mehr her. Ich lief zwischen Schulgruppen, Rentnern und Pseudoexperten,
die ihrer Frau die Überflüssigkeit des Blinddarms erklärten,
hin und her, immer auf der Suche nach etwas Interessantem. Da war dieses
Gruselkabinett in der Mitte mit kleinen missgebildeten Kindern drin und
einer sich räkelnden Frau mit geöffneter Bauchdecke, die schwanger
war. Man konnte das Kind sehen. Das fand ich geschmacklos. Ich glaube,
man stumpft ganz einfach ab, denn mich darüber empören kann ich
bis heute nicht. Die Aufmachung der Ausstellung ist fragwürdig bis
lächerlich, die mit Eifer und Inbrunst geführten Diskussionen
ob eines Verbotes nicht minder. Sonderlich begeistert wurde ich nicht,
schockiert genauso wenig. Ich war dort, ich habe alles gesehen, ich bin
in die Innenstadt gefahren, ich habe mich ins Kino gesetzt, ich habe eine
Jeans im Kaufhof erworben, ich bin um 17.22 Uhr nach Hause gefahren.
Jan Ph. Richter, Jahrgangsstufe 13, Gustav-Stresemann-Gymnasium
lokalredaktion@wlz-fz.de
In der Anatomischen Sammlung lernt man den Körper verstehen
VON SONJA GIBIS
Welches dieser Herzen hat einmal geschlagen, welche Lunge einmal geatmet? Der Laie kann kaum zwischen Modell und konserviertem Original unterscheiden. "Künstlich aufgeblasen" steht unter zwei grau-blauen Lungenflügeln, die in der Anatomischen Sammlung in München hinter Glas stehen. Sie erinnern irgendwie an Styropor. "Federleicht sind die", sagt Professor Reinhard Putz, Leiter der Anatomischen Anstalt. Nach der Präparation des Leichnams wurden die Lungen mit Gas gefüllt und getrocknet. Ein wenig schaudernd, sehen wir wie hypnotisiert hin.
Auf einmal quietscht und knarrt es überall.
Das kommt vom Saal über der Sammlung, wo Studenten Tische zurecht
rücken, zum Präparieren. Auf dem Unterrichtsplan steht die Zerlegung
des Gehirns. Putz findet das nicht gruselig. "Ganz selbstverständlich
ist es natürlich nicht, einen Leichnam zu zerlegen", sagt er. Nach
15 Minuten Einführung könne aber auch der Laie ohnmachtssicher
verfolgen, wie ein Gehirn in Scheiben geschnitten wird.
Dann, sagt Putz, wandelten sich Angst
und Ekel in Faszination. Ihn plagten im Studium ganz andere Sorgen. "Für
mich war es das Schwierigste, einem lebenden Menschen eine Spritze zu geben."
Im Regal gegenüber leuchten Meereskorallen. Zumindest ähnelt das zarte Geäst in Rot und Blau den Seetieren zum Verwechseln. "Ein Wunderwerk", sagt Putz. Die Korallen sind das feine Gespinst von Blutadern in der menschlichen Niere. Präparierungsprofis haben in das Organ eine Flüssigkeit gespritzt, sie gehärtet und das Gewebe in Salzsäure aufgelöst. Schweigend denken wir an das Blut, das im Augenblick durch unser eigenes Aderngespinst pulsiert. Und glauben auf einmal, die eigenen Nieren zu spüren. Da ist das Ganze gleich weniger gruselig.
"Die Anatomie ist nur in der Vorstellung gruselig", sagt Putz, der selbst Besuchergruppen durch die Sammlung führt. Zuerst bemerke er eine gewisse Scheu. Was mit Tod zu tun habe, sei in unserer Gesellschaft ein Tabu. "Dann aber kommt das Interesse für das Wunderwerk des Körpers."
Neugierigen bietet die Sammlung auf etwa 600 Quadratmetern mehrere hundert Schaustücke - vom Walwirbel bis zum konservierten Hüftgelenk und dem gigantischen Modell eines Fußes. Neben den Skeletten, die die Entwicklung des Menschen vom Embryo zum Erwachsenen demonstrieren, sitzen Studenten auf Bänken und betrachten Skizzen des Körpers. Putz nennt das eine "kreative Lernatmosphäre".
Der Grundbestand in den Vitrinen, die wie eine Art Buch der Natur die Studenten umgeben, ist ein Jahrhundert alt. Er stammt aus der Bauzeit des denkmalgeschützten Hauses: 1904 wurde das Gebäude an der Pettenkoferstraße, dessen Architektur den Besuch schon lohnt, unter Prinzregent Luitpold fertiggestellt. Die ältesten Präparate sind rare Museumsstücke, wie das von der Zeit stark gebräunte Plastinat einer Gesichtshälfte aus der Zeit um 1870. Gunther von Hagens war also kein Pionier. "Das Plastinieren ist eine uralte Technik", sagt Putz. Der Leichen-Aussteller habe nur einen besonders gut geeigneten Kunststoff erfunden.
Der Münchner Anatomie-Professor, der im Streit um die Ausstellung "Körperwelten" das kritische Gutachten für die Stadt verfasste, schätzt von Hagens Arbeit durchaus. "Wir wären glücklich, einige von seinen Präparaten hier zu haben", sagt Putz. Bei manchen jedoch, etwa dem Leichnam mit Schubladen, vermisst er den Respekt.
Deshalb zeigt die Münchner Sammlung auch keine Präparate von Missbildungen. "Wir sind kein Gruselkabinett", sagt Putz. Und über das "Wunder des Körpers" könne man davon ohnehin nichts lernen.
merkur online
Das wirklich allerletzte Tabu
Ja schon, der Tod ist auch ein Tabu. Aber
bestimmt nicht das größte. Denn das sind unsere Körperfunktionen
(alle außer dem Sex natürlich). Kurzum: Wir können unsere
Innereien nicht verkraften. Wahrscheinlich weil sie zu naturalistisch sind.
Zu authentisch. Wir begegnen ihnen ja auch selten von Angesicht zu Angesicht
(weil beispielsweise das peinlichste und mit Abstand diesseitigste aller
Organe, der Darm, klarerweise striktes "Ausgangsverbot" hat und daheim
im Bauch bleiben muss) - was es uns so besonders leicht macht, unser Gedärm
und den Rest zu verdrängen.
Die Erkenntnis kam mir schon damals, 1999,
auf dem Wiener Messegelände, als ich in Gunther von Hagens "Körperwelten"
eintrat: Womöglich schockieren uns die anatomischen "Virtuosenstückerln",
die tollkühn sezierten und präparierten Menschen nicht deshalb,
weil es echte Leichen sind, sondern weil sie Organe haben. Weil sie heftig
an unserer Organscheu rühren. Und wie macht uns der (in Anlehnung
an Paganini:) "Teufelssezierer" den Darm usw. doch noch schmackhaft? Durch
die Kunst. Seine blutdrucklosen Damen und Herren sind so ästhetisch
(und fit und sportlich), als kämen sie aus der Propyläen-Kunstgeschichte
(oder, pardon: dem "Playboy" oder einem Wellnessmagazin). Eine Schwangere
mit aufgeschlitztem Uterus kann da die aufreizend keusche "Venus pudica"
mimen (die gschamige Venus mit der Hand als Feigenblatt): Posthume Eitelkeit.
Hier sind ja tatsächlich Kunstwerke und künstlerisch inspirierte
Illustrationen aus alten Anatomiebüchern in Fleisch und Blut äh:
Fleisch und Silikonkautschuk nachgestellt. Kunst als Realitätsverweigerung?
Jedenfalls als Augentröster.
Einer schönen Frau verzeiht man eben
vieles. Sogar einen künstlichen Darmausgang. Noch dazu, wenn sie ihre
Schönheit dadurch beweist, dass sie genau in die Umrisse einer liegenden
Venus passt. Ist also doch die Hässlichkeit die schlimmste Sünde
von allen und das größte Tabu? Zur Blutwäsche (allerdings
im Sinne des Hermann Nitsch: als orgiastisch mysteriöses Plantschen)
werden ja schließlich auch
nur wohlproportionierte junge Leiber zugelassen.
Und dass die Krystufek sich bei einer Klistierzeremonie öffentlich
entleert, ist halb so wild. Sie hat ja keine Zellulitis.
Wenn es nun also schon so weit gekommen
ist, dass sogar die Leichen fesch sein müssen, dann lass ich mich
krematieren. Aus Notwehr. Oh nein, lieber doch nicht. Sonst streuen sie
aus meiner Asche noch ein Mandala, ein hübsches. Und ich entgeh' der
Schönheit am Ende doch nicht.
Erschienen am: 14.05.2004
Wiener Zeitung
Gunther von Hagens sucht Anatomie-Modelle
Heidelberg/Frankfurt - Zum Ausklang der Körperwelten Ausstellung in Frankfurt am Main findet vom 1. bis 10 Juni die "Nackten Nächte" statt. Hier soll der Brückenschlag zwischen nackter Haut und Plastinaten vollzogen werden. Darum sucht Plastinator Gunther von Hagens Modelle im Eva- und Adamskostüm: "Das Ziel der 'Nackten Nächte' ist es, mehr als zuvor zu verdeutlichen, was wir sind: sich selbst reflektierende und von Haut bedeckte Natur. Indem gut gebaute, hüllenlose Models unser aufregendes Körperinnere an sich selbst und im Vergleich zum Plastinat demonstrieren, führen wir die Plastinate wieder an das Leben und die Welt heran."
Darum suchen die Körperwelten für die Ausstellung in Frankfurt-Fechenheim weibliche und männliche Anatomie-Models. Interessierte sollten im oben genannten Zeitraum verfügbar sein. Außerdem sollen sie eine anatomisch perfekte Körperform, dass heißt eine gut ausgebildete Muskulatur, haben. Körperbewusste Bewerber aus den Bereichen Sport, Tanz und Bodybuilding werden bevorzugt. Zudem wäre ein anatomisches Basiswissen von Vorteil.
Die Besucher der Ausstellung werden die
Modelle dann bewerten. Dafür werden die Teilnehmer auf Didaktik, Körperpräsentation
und Dialogfähigkeit beurteilt. Den drei Gewinnern winkt ein Preisgeld
von insgesamt 20.000 Euro. Von Hagens gratuliert den Gewinnern am 11. Juni
persönlich und wird in einer programmatischen Rede die "Ästhetische
Anatomie" als neues Teilgebiet des Fachs Anatomie ausrufen.
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anatomie-Schau «Körperwelten» hat erneut Ärger mit den Behörden. Auf Verlangen des Bundesamts für Naturschutz hat «Körperwelten»-Erfinder Gunther von Hagens seinen plastinierten Gorilla «Arti» aus der derzeit in Frankfurt gezeigten Schau entfernen lassen.
Das Ausstellen des Gorillas sei nur möglich, wenn dies zu Forschungs- oder Bildungszwecken diene, hatte das Bundesamt an von Hagens geschrieben. Dies sei bei «Körperwelten» nicht der Fall. Der umstrittene Leichenpräparator kündigte an, er werde per Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Köln versuchen, die Rückkehr von «Arti» durchzusetzen.
Das in Bonn ansässige Bundesamt hatte von Hagens die Vermarktung des Gorillas mit dem Hinweis auf das Washingtoner Artenschutzabkommen untersagt. Dagegen sagte der Mediziner, der aus dem Zoo in Hannover stammende Affe sei sein ganzes Leben lang vermarktet worden. Museen in ganz Deutschland zeigten ausgestopfte
Lausitzer Rundschau
Frankfurt verbietet von Hagens nackte Nächte
Neben Leichenplastinaten wollte der umstrittene "Körperwelten"-Chef Gunther von Hagens künftig auch lebendiges Menschenfleisch ausstellen - in Form von knackigen, hüllenlosen Models. Rein zu Anschauungszwecken, versteht sich. Doch die Stadt Frankfurt machte von Hagens nun einen Strich durch die Rechnung.
Höchst umstritten: Leichenaussteller von Hagens
Frankfurt/Main - Die Stadt verbot die geplanten "Nackten Nächte" in der Ausstellung. Dabei sollten vom 1. bis 10. Juni nach Angaben des Veranstalters Gunther von Hagens "gut gebaute, hüllenlose Models unser aufregendes Körperinnere an sich selbst und im Vergleich zum Plastinat demonstrieren". Die allenfalls mit Top und Tanga bekleideten Modelle sollten mit einer Augenmaske "anonymisiert" . auftreten und anatomische Namen wie "Arteria", "Vena" oder "Musculus" erhalten.
Nach Angaben Hagens hat das Ordnungsamt der Stadt Frankfurt, Abteilung Akute Gefahrenabwehr, die Nackten-Schau am Freitag verboten, "weil die damit verbundenen Showeffekte die Wirkung des Plastinats dominieren würden und damit eine unzulässige Instrumentarisierung der Leiche für eine künstlerische Betätigung oder als Mittel zur Steigerung des Besuchsinteresses vorliegt".
Angedroht werde ein Zwangsgeld von täglich 10.000 Euro. Der Anatom protestierte gegen das Verbot. Dieses sei ein unzulässiger Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit.
Vergangenen Mittwoch seien bereits zehn männliche und zehn weibliche "Instruktoren" von einer Fachjury aus 40 Bewerbern ausgewählt worden. Hagens erklärte, Ziel der "Nackten Nächte" sei die Vermittlung der anatomischen Grundlagen ärztlicher körperlicher Untersuchungen anhand echter Präparate.
Der Spiegel
Erfinder der "Körperwelten" Gunther
von Hagens vor einem seiner Plastinate (Foto: dpa)
Umstritten war Gunther von Hagens Ausstellung
"Körperwelten" schon immer. Doch diesmal ging es dem Ordnungsamt der
Stadt Frankfurt offenbar zu weit. Es untersagte den Autritt von nackten
lebenden Menschen bei der Leichenschau.
Lebende Nackte zwischen Leichen
Nach seinen Vorstellungen sollten ab Dienstag unbekleidete "Anatomie-Instruktoren" zwischen den ausgestellten Leichen eingesetzt werden. Der Plastinator hatte ein Casting für seine "nackten Nächte" veranstaltet und 20.000 Euro für die besten drei Nacktmodelle versprochen.
Sämtliche Zwangsmaßnahmen
Die Aktion sei von der im Januar erteilten Genehmigung für die Ausstellung nicht gedeckt, erläuterte Klaus Diekmann vom Frankfurter Ordnungsamt. Das Ausstellen von Leichen ist in Hessen grundsätzlich verboten. Für die "Körperwelten" hatte das Amt eine Ausnahme gemacht. Den Veranstaltern sind Diekmann zufolge sämtliche Ordnungsmaßnahmen angedroht worden: vom Zwangsgeld bis zur Schließung der Ausstellung.
Abschied von Deutschland
Von Hagens reagierte empört. Seiner Meinung nach ist die Entscheidung der Behörde völlig willkürlich. "Das Verbot stellt einen unzulässigen Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit dar", so der Erfinder der Ausstellung. Nun sei es an der Zeit, dass seine Leichenschau Deutschland verlasse und in Ländern gezeigt werde, in denen sie willkommener sei.
Kein gerichtliches Vorgehen
An das Verwaltungsgericht wollen sich die Veranstalter nach eigenen Angaben aber nicht wenden. Konsequenz: Es wird keine "nackten Nächte" bei den "Körperwelten" geben. Die reguläre Ausstellung ist noch bis zum 13. Juni in der hessischen Metropole zu sehen sein.
Panorama
– Letztmalige Verlängerung in Frankfurt bis 13. Juni 2004
Frankfurt, 31. März 2004 – Frankfurt wird die letzte Station der Wanderausstellung KÖRPERWELTEN in Deutschland sein. Mit dem Abbruch der KÖRPERWELTEN-Tour zieht Plastinator Gunther von Hagens Konsequenzen aus den anhaltenden öffentlichen Anfeindungen gegenüber der Ausstellung in Deutschland. “Der Kulturkampf um die KÖRPERWELTEN hat sich auf unerträgliche Weise zugespitzt. Da es nicht gelungen ist, die Ausstellung selbst zu verbieten, wird nunmehr versucht, mich als Initiator der KÖRPERWELTEN zu kriminalisieren. Wenn auch die Bemühungen nie erfolgreich sein werden, so beeinträchtigen sie mich doch erheblich in meiner Schaffenskraft. Mit dem jetzigen Wechsel ins Ausland kann ich meine Kreativität wieder ganz der Verbesserung der Plastination und der Ausstellung widmen“, so Gunther von Hagens. “Angesichts der Schärfe der Diskussion geriet das eigentliche Ziel der Ausstellung, nämlich die Gesundheitsaufklärung der Bevölkerung, in der Vergangenheit zunehmend ins Abseits.“ Zu den Ländern, die schon seit Ausstellungsbeginn in Mannheim 1997 starkes Interesse an den KÖRPERWELTEN signalisiert haben, zählt allen voran die USA. Unvergleichlich hohe Umfragewerte spiegeln die große Erwartungshaltung der Amerikaner wieder. 96,5 Prozent der Befragten gaben an, die Ausstellung unbedingt besuchen zu wollen. “In einer Gesellschaft, die das Gesundheits- und Versicherungssystem dem einzelnen überlässt, rangiert eine Ausstellung, die das Verantwortungsgefühl für den eigenen Körper stärkt, ganz oben. Hier werden die KÖRPERWELTEN einen wertvollen Beitrag zur Gesundheitsaufklärung leisten“, ist sich Gunther von Hagens sicher. KÖRPERWELTEN stehen kurz vor der Vertragsunterzeichnung in den USA. In Kürze wird bekannt gegeben, in welcher Stadt die Ausstellungs-Tour beginnen wird. “Nach Frankfurt wird die Wanderausstellung dauerhaft in Amerika bleiben“, äußert sich Gunther von Hagens. Mehr als 300.000 Besucher haben KÖRPERWELTEN bereits in Frankfurt gesehen. Die Ausstellung in Frankfurt wird vom Publikum hervorragend angenommen, 95 % der Besucher bewerten KÖRPERWELTEN mit “sehr gut“ oder “gut“. Damit alle Interessierten noch die “Faszination des Echten“ erleben können, wird die Ausstellung vor ihrem endgültigen Weggang in die USA letztmalig bis zum 13. Juni 2004 verlängert. Die Ausstellung KÖRPERWELTEN in der Naxos-Event-Halle (Frankfurt-Fechenheim, Wächtersbacher Strasse 83) ist geöffnet von Sonntag bis Donnerstag von 9 bis 21 Uhr, an Freitagen und Samstagen bis 23 Uhr. Auch an den Osterfeiertagen, über Pfingsten und Christi Himmelfahrt gelten die regulären Öffnungszeiten.
Pressestelle KÖRPERWELTEN Frankfurt
12.06.2004
Frankfurt/Main (dpa) - Rund acht Jahre nach ihrem Start wird die umstrittene «Körperwelten»-Ausstellung des Leichen-Präparators Gunther von Hagens ab diesem Sonntag nicht mehr in Deutschland zu sehen sein.
Die Behörden seien für die von ihm entwickelte Ausstellung noch nicht reif, sagte von Hagens der dpa. Die Schau mit präparierten Leichen werde deshalb erst wieder in Deutschland gezeigt, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür geklärt seien. Die Ausstellung, die seit Januar in Frankfurt am Main rund 540 000 Besucher anlockte, schließt am Sonntag und wird in den USA gezeigt.
«Es kann nicht sein, dass ich die Stücke auf der ganzen Welt ohne Zensur zeigen kann, nur in Deutschland nicht», sagte von Hagens. Deshalb müsse der Rechtsstreit ausgefochten werden. So laufen mehrere Verfahren, in denen der wissenschaftliche Anspruch der Ausstellung geprüft wird. Nur unter dieser Voraussetzung dürfen Tote öffentlich gezeigt werden. So müssen die Richter in Stuttgart darüber urteilen, ob die Stadt zurecht einige Stücke aus der Ausstellung entfernen ließ, weil sie ihrer Meinung nach zu reißerisch waren. Darunter fiel unter anderem das Objekt «Scheuendes Pferd mit Reiter». Ein weiterer Prozess beschäftigt sich mit dem plastinierten Gorilla «Arti», der aus ähnlichen Gründen von der Frankfurter Schau entfernt werden musste.
Er habe Verständnis für die Probleme der Deutschen mit der Körperlichkeit, sagte von Hagens. «Da spielt die NS-Schuld mit Sterbehilfe und Menschenversuchen eine große Rolle.» Dennoch lasse er sich nicht als «Doktor Tod» titulieren und damit in die Ecke des NS- Arztes Doktor Mengele stellen. Kritiker prangerten immer wieder eine unwürdige Zurschaustellung von Toten und Geschäftemacherei an. Außerdem war von Hagens vorgeworfen worden, dass er wissentlich Leichen von Hinrichtungsopfern aus China zeige. Er sagte im Januar zu den Vorwürfen, er könne nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass seinen chinesischen Mitarbeitern Körper von Hingerichteten untergeschoben worden seien.
Nach Angaben des Plastinators sind mehrere Städte in Deutschland an einer Dauer-Ausstellung interessiert. «Wir haben bereits mit Behörden in Mannheim, Heidelberg und Berlin Gespräche geführt.» Allerdings müssten die Verwaltungen auf eine klare Rechtslage warten.
Weltweit werden zur Zeit zwei Körperwelten-Ausstellungen gezeigt, eine davon in Asien. Sie haben insgesamt bislang mehr als 13 Millionen Besucher angelockt. Im kommenden Frühjahr will von Hagens eine dritte Schau zusammenstellen, die wahrscheinlich in Italien oder Spanien auf Tour gehen soll. «Glanzlicht wird ein Eiskunstlaufpaar sein.» Außerdem plane er, einen Elefanten zu präparieren, denn «die Tier-Objekte gehören zu den Stars der Ausstellungen.»
Lycos
Der Leichenpräparator Gunther von Hagens hat die Nase endgütlig voll: Ab Sonntag wird seine umstrittene "Körperwelten"-Ausstellung nicht mehr in Deutschland zu sehen sein.
Erst rechtliche Voraussetzungen klären
Die Behörden seien dafür noch nicht reif, sagte der Plastinator. Die Schau mit präparierten Leichen werde deshalb erst wieder in Deutschland gezeigt, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür geklärt seien. Die Ausstellung, die seit Januar in Frankfurt am Main rund 540.000 Besucher angelockt hat, schließt am Sonntag ihre Pforten. Danach wird sie in den USA gezeigt.
Zensur in Deutschland
"Es kann nicht sein, dass ich die Stücke auf der ganzen Welt ohne Zensur zeigen kann, nur in Deutschland nicht", sagte der Erfinder der Ausstellung. Deshalb müsse der Rechtsstreit ausgefochten werden. Es laufen mehrere Verfahren, in denen der wissenschaftliche Anspruch der Ausstellung geprüft wird. Nur unter dieser Voraussetzung dürfen Tote in Deutschland öffentlich gezeigt werden.
"Zu reißerisch"
Richter müssen nun prüfen, ob die Stadt zu Recht einige Stücke aus der Ausstellung entfernen ließ. "Zu reißerisch", hieß die Begründung der Behörden. Darunter fiel auch das Objekt "Scheuendes Pferd mit Reiter". Ein anderer Prozess beschäftigt sich mit dem plastinierten Gorilla "Arti", der ebenfalls aus der Frankfurter Schau entfernt werden musste.
Mit NS-Arzt verglichen
Er habe Verständnis für die Probleme der Deutschen mit der Körperlichkeit, sagte von Hagens: "Da spielt die NS-Schuld mit Sterbehilfe und Menschenversuchen eine große Rolle." Dennoch lasse er sich nicht als "Doktor Tod" titulieren und damit in die Ecke des NS-Arztes Mengele stellen. Kritiker prangerten immer wieder eine unwürdige Zurschaustellung von Toten und Geschäftemacherei an.
Hinrichtungsopfer aus China
Hinzu kam ein weiterer Vorwurf: Von Hagens soll wissentlich Leichen von Hinrichtungsopfern aus China gezeigt haben. Er könne nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass seinen chinesischen Mitarbeitern Körper von Hingerichteten untergeschoben worden seien, war seine Reaktion.
Interesse an Dauerausstellung
Nach Angaben des Plastinators sind mehrere Städte in Deutschland an einer Dauerausstellung interessiert. "Wir haben bereits mit Behörden in Mannheim, Heidelberg und Berlin Gespräche geführt." Allerdings müssten die Verwaltungen auf eine klare Rechtslage warten.
Dritte Schau in Planung
Weltweit werden derzeit zwei "Körperwelten"-Ausstellungen gezeigt, eine davon in Asien. Sie haben insgesamt bislang mehr als 13 Millionen Besucher angelockt. Im kommenden Frühjahr will von Hagens eine dritte Schau zusammenstellen, die wahrscheinlich in Italien oder Spanien auf Tour gehen soll. "Glanzlicht wird ein Eiskunstlaufpaar sein." Außerdem habe er vor, einen Elefanten zu präparieren, denn "die Tier-Objekte gehören zu den Stars der Ausstellungen."
Panorama
Frankfurt. Die Leichen-Beschau ist seit gestern beendet. In Deutschland wird die Körperwelten-Ausstellung wohl nie wieder zu sehen sein. Wegen der heftigen Kritik und der Auflagen der Behörden zog Initiator Gunther von Hagens diesen Schlussstrich, geht mit der Horror-Schau jetzt in den USA auf Tour. Rund 6000 Neugierige zog es gestern zum Abschluss noch einmal in die Fechenheimer Naxos-Halle, wo sie einen letzten Blick auf die präparierten Leichen werfen konnten.
Zum Teil mussten wieder lange Wartezeiten in Kauf genommen werden. Besonders in den Nachmittagsstunden war der Besucherandrang enorm. «Das nimmt man aber hin. Ich muss die Ausstellung einfach gesehen haben», erzählte Verena Zehetmayer (29), die extra aus Fulda angereist kam. Und sie ist nur eine von insgesamt 540 000 Menschen, die in den vergangenen sechs Monaten vor der Absperrung standen und ungeduldig auf den Einlass warteten.
Drinnen in der alten Fabrikhalle dann das große Staunen: Welch ein Einblick in den eigenen Körper. «Total faszinierend», sagt Cornelia Seffler, die mit ihrer fünfjährigen Tochter Celina aus Maintal kam. Ganz anders als gedacht ist es für Helga Gabriel (57) aus Herborn, und auch der elfjährige Louis Israel aus Königsstein findet es «überhaupt nicht eklig» – im Gegensatz zum 17-jährigen Christian Vogt. Ihm wurde beim Anblick der Embryos speiübel, und er suchte mit Freundin Laura schnell das Weite. Dabei sind die beiden Kasseler eigentlich gekommen, um all das selbst gesehen zu haben, was so umstritten ist: «Ist doch viel interessanter, wenn’s verboten ist.» Beim Gorilla «Arti», der zunächst vom Bundesamt für Naturschutz aus der Schau genommen wurden, blieben sie daher gleich zwei Mal stehen. Das sollte aber nicht Sinn dieser Ausstellung sein, findet Eva Schneider. Die 45-jährige Physiotherapeutin ist zum zweiten Mal gekommen, kann sie für ihren Beruf hier doch viel lernen. Einige Darstellungen aber, zum Beispiel die Schwangere, gehen ihr aber zu weit und sie fragt sich, ob die Frau überhaupt einverstanden war.
Am Ende des Rundgangs schließlich, kurz vorm Ausgang, liegen Bücher aus. Wer möchte, kann dort ein paar Zeilen reinschreiben. So wie Andreas (30) aus Neu-Isenburg: «Eine Ausstellung, die einen berührt. Ich bin mir sicher, dass ich einige Tage brauchen werde, um das Gesehene zu verarbeiten.» (sø)
© 2003 Frankfurter Neue Presse
Die Wanderausstellung "Körperwelten" hat jetzt in Frankfurt ihre Deutschland-Gastspielreise beendet und zieht in die USA. Wer erinnert sich nicht: Eine der acht Stationen war Oberhausen - im Rückblick, heißt es, eine der besten.
Zumindest: "Wir denken gern an Oberhausen zurück, wo wir uns sehr wohl gefühlt haben", sagt Karen Schüssler-Leipold vom Institut für Plastination - und dies nicht allein zu schmeicheln. Bei der Manöverkritik der Macher gibt es gute Gründe pro OB: Die Ausstellung war ja zunächst mit über einer Million Besuchern sehr erfolgreich am Kölner Heumarkt gelaufen, wo sie jedoch nicht verlängert werden konnte. Oberhausen sprang dank Stadt und TMO kurzfristig ein und wurde sodann zum Glücksfall. Der Gartendom - "mit die schönste Location" - bot eine Riesenfläche und dank der Dachkonstruktion vorteilhaft natürliches Licht.
"Das absolute Highlight für uns", so Schüssler-Leipold, "war die erstmals gezeigte Pferdeplastination." Generell sei auch das Interesse extrem groß und die Akzeptanz für die ethisch umstrittene Kunst des Gunther von Hagens ebenso.
"Körperwelten" waren in Oberhausen vom 5. August 2000 bis 28. Januar 2001 von 687 864 Besuchern gesehen worden. Insgesamt kamen in den vergangenen sieben Jahren in Deutschland 5,9 Millionen, das sind über ein Drittel der weltweit knapp 15 Millionen Menschen - damit ist´s übrigens die erfolgreichste Sonderausstellung aller Zeiten. oh
14.06.2004
21. Jun 15:56
Leichen-Plastinator Gunther von Hagens hat gegen den Sender SWR wegen eines kritischen Beitrags eine Unterlassungsklage erwirkt. Es geht um die Herkunft der Toten für seine Ausstellung «Körperwelten».
Der umstrittene Leichen-Präparator
Gunther von Hagens hat gegen einen Heidelberger Universitätsprofessor
und gegen den Südwestrundfunk (SWR) eine Unterlassungserklärung
erwirkt.
Dies teilte das Institut für Plastination
am Montag in Heidelberg mit. Der Universitätsprofessor hatte im SWR
behauptet, dass bei Leichen aus China, die in der «Körperwelten»-Ausstellung
zu finden seien, in «einer Reihe von Fällen» ein natürlicher
Tod nicht nachweisbar sei.
Netzzeitung
Körperwelten: von Hagens erwirkt Unterlassungserklärung
veröffentlicht: 21.06.04 - 16:17
Heidelberg (rpo). Gunther von Hagens, Initiator
der Körperwelten-Ausstellung und umstrittener Leichen-Präparator,
hat gegen einen Heidelberger Universitätsprofessor und gegen den Südwestrundfunk
(SWR) eine Unterlassungserklärung erwirkt.
Dies teilte das Institut für Plastination
am Montag in Heidelberg mit. Von Hagen hatte im SWR behauptet, dass bei
Leichen aus China, die in der "Körperwelten"-Ausstellung zu finden
seien, in "einer Reihe von Fällen" ein natürlicher Tod nicht
nachweisbar sei.
Hagens betonte, er sei "nicht länger bereit, absurde Behauptungen hinzunehmen, die geeignet sind, die Anatomie insgesamt und meine Arbeit in Misskredit zu bringen". Anders als von Teilen der deutschen Medien unterstellt, lehne er die Verwendung von Hingerichteten für seine Plastination strikt ab. Alle in der Ausstellung zu sehenden Ganzkörperplastinate entstammten einem ihm selbst initiierten "Körperspenderprogramm". Die Schau ist ab Juli 2004 in den USA zu sehen.
RP Online
Los Angeles. DPA/BaZ. Die umstrittene Körperwelten-Ausstellung des deutschen Plastinators Gunther von Hagens ist erstmals in den USA zu sehen. Unter dem Titel "Body Worlds" werden von diesem Freitag an bis Januar 2005 über 200 Leichenpräparate im California Science Center in Los Angeles gezeigt.
Das kalifornische Wissenschaftszentrum hatte die Exponate durch eine Ethikkommission, mit Vertretern verschiedener Glaubensgemeinschaften und Medizinern, im Hinblick auf mögliche Kontroversen prüfen lassen. Kinder unter 13 Jahren dürfen die Ausstellung nur in Begleitung Erwachsener besuchen. Einige Objekte, darunter das Plastinat einer hochschwangeren Frau, würden in einem separaten Raum gezeigt, teilten die Veranstalter mit.
Seit der Körperwelten-Premiere in Tokio im Jahr 1995 hat die kontroverse Leichenschau über 14 Millionen Menschen in Europa und Asien angelockt. Das kalifornische Wissenschaftszentrum erwartet in den nächsten sechs Monaten bis zu 800 000 Besucher.
Basler Zeitung
"Körperwelten"-Chef auf Visite
Frankfurt a. M. · 17. Januar · geo · Er ist wieder da, und ein bisschen ist es wie früher. Wie in der Zeit, als der Plastinator Gunther von Hagens das Spiel mit den Medien noch liebte, als er ständig den Kontakt zu den Journalisten suchte, als er sogar Stadtrundfahrten mit Leichen unternahm, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das alles war vor jenem Tag im Januar 2004, an dem der Spiegel (das "nachrichtliche Boulevardmagazin Der Spiegel", wie Gunther von Hagens zu sagen pflegt) über die angeblichen Machenschaften in Hagens' Firmensitz in China berichtete. Dort bearbeite der Wissenschaftler auch Leichen von Hingerichteten, hieß es damals. Das saß. Im Frühsommer 2004 packte von Hagens seine Plastinate ein und ging verärgert nach Kalifornien.
Nun ist er also zurück in Frankfurt am Main, jener Stadt, in der seine "Körperwelten"-Schau in Deutschland zuletzt zu sehen war. Nicht etwa, um wieder in Deutschland auszustellen. Das könne er sich noch nicht vorstellen, sagt der 60-Jährige. Nein, von Hagens will den Journalisten zum einen davon berichten, wie gut es ihm in Los Angeles gehe, wo er seit Juli die "Körperwelten" präsentiert. Und zum anderen möchte er sich gegen den Vorwurf der Staatsanwaltschaft Heidelberg wehren, die gegen ihn wegen Titelmissbrauchs ermittelt hat.
Auftritt im Moshammer-Jackett
Doch bevor der Plastinator auf seine Probleme mit der Justiz eingeht, ist es Zeit für eine klassische von-Hagens-Einlage. Das rote Jackett, das er bei der Pressekonferenz trägt, habe Rudolph Moshammer entworfen, sagt er. Er habe es angezogen, um des ermordeten Modeschöpfers zu gedenken. Die Fotografen schießen ihre Bilder, Auftritt von Hagens gelungen.
Bislang hätten sich in Los Angeles schon 500 000 Menschen die "Körperwelten" angesehen, sagt von Hagens, und keiner lege ihm in den USA Steine in den Weg. Das Leben könnte also so schön sein für den Plastinator, gäbe es da nicht die Schwierigkeiten in Deutschland. Das Amtsgericht Heidelberg hat zwei Strafbefehle über insgesamt 312 000 Euro gegen ihn erlassen, weil er seinen Professorentitel zu Unrecht trage. Den habe er nicht in Deutschland, sondern in China erworben, was er stets hinzufügen müsse, so die Justizbehörden. Von Hagens erwidert, er habe nie verheimlicht, dass er Professor in der Volksrepublik ist. Er habe nur nicht das Kürzel "RC" hinter die Abkürzung "Prof." geschrieben, wie es das Wissenschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen einst von ihm verlangt habe. Denn "RC" sei nicht die Abkürzung für die Volksrepublik China, sondern für Taiwan.
Von Hagens wird die Strafbefehle nicht akzeptieren. Notfalls werde er den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte deswegen anrufen, sagt er. Der nächste medienwirksame Auftritt steht somit schon fest.
Copyright © Frankfurter Rundschau
online 2005
Sie wollen also bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen, um für Ihren Professoren-Titel als Leichen-Plastinator zu streiten, verkündeten Sie gestern im roten Moshammer-Jackett in Frankfurt. Es geht darum, ob Sie einen in China verliehenen Professorentitel korrekt benutzt haben. Sie hätten laut Behördenukas "RC" hinter Ihren Prof.-Titel setzen müssen, was allerdings Taiwan bedeutet hätte. Also haben Sie das richtige "VRC" für Volksrepublik lieber auch nicht benutzt, was ordentlichen Lehrstuhlinhabern in Deutschland die Zornesröte ins Gesicht trieb und Ihnen zwei Strafbefehle wegen Titelmißbrauchs über zusammen 312 000 Euro einbrachte. Was dieser eitle Hickhack um akademische Würden nun aber eigentlich mit verbrieften Menschenrechten zu tun hat, diese Antwort sind Sie uns trotzdem schuldig geblieben, Herr Plastinator h.c.
Peter Iwatiw
Panorama
Von Bernd Glebe
Heidelberg - Der umstrittene Leichenpräparator Gunther von Hagens hat den Vorwurf zurückgewiesen, mit einem in China erworbenen Professorentitel Missbrauch getrieben zu haben. Er soll damit geworben haben, ohne die Herkunft kenntlich zu machen. "Wer mich kennt, weiß, dass mir nichts an Titeln liegt", sagte der Erfinder der Ausstellung "Körperwelten" am Dienstag vor dem Heidelberger Amtsgericht. "Ich habe den Titel nicht erhalten, um berühmt zu werden, sondern weil ich berühmt war." Er wies Vorwürfe zurück, ein Hochstapler zu sein. Der Prozess wurde nach elf Stunden Verhandlung auf den 11. April vertagt. Ein Termin für die Urteilsverkündung ist noch offen.
Von Hagens wird vorgeworfen, mit dem in China erworbenen Titel unter anderem für seine umstrittene Ausstellung geworben zu haben. Das Amtsgericht Heidelberg hatte gegen ihn zwei Strafbefehle von insgesamt 312 000 Euro erlassen. Dagegen legte der Plastinator Widerspruch ein. Er kündigte an, notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) für Menschenrechte zu ziehen. Die deutsche Justiz sei voreingenommen gegen ihn.
Bei seinem Widerspruch beruft sich von Hagens auf einen Fehler des Wissenschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen. Das Ministerium hatte ihm die Auflage erteilt, den akademischen Grad mit dem Länderzusatz "RC" zu führen. Die Abkürzung stehe aber für Taiwan und nicht für China. Hätte er diesen Zusatz geführt, wäre das ein Affront gegen die chinesischen Stellen gewesen, die ihm den Titel verliehen hatten. Der Länderzusatz für die Volksrepublik China ist "VRC".
Die Universität Heidelberg, an der von Hagens als Assistent am Anatomischen Institut tätig war, hatte Strafanzeige gegen ihn gestellt. Begründung: Von Hagens sei niemals der Professorentitel von der Universität verliehen worden. Er führe den Titel aber wie ein Logo in Katalogen sowie auf Plakaten. (dpa)
Kölnische Rundschau
Applaus für Gunter von Hagens
© Michael Urban/DDP Gunther
von Hagens informiert die Gubener auf einer Bürgerversammlung über
seine Pläne, sich in der Stadt anzusiedeln
Der umstrittene Präparator Gunter
von Hagens will in Guben tote Tiere und menschliche Leichenteile präparieren.
Die Gubener sind begeistert und fragen bereits nach Jobs an.
Guben darbt seit Jahren. Mehr als jeder dritte der ehemals 36.000 Einwohner hat die Stadt an der deutsch-polnischen Grenze seit 1990 verlassen. Trotzdem liegt die Arbeitslosenquote bei 22 Prozent. Großbetriebe gibt es nicht mehr, seit vor Jahren die "Gubener Wolle" ihre Pforten schloss. Jetzt aber hat sich ein Investor gemeldet, der 200 Arbeitsplätze in der Brandenburger Provinz verspricht: Gunther von Hagens will tote Tiere und menschliche Leichenteile in der Stadt präparieren.
Das Vorhaben ist ähnlich umstritten
wie seine Ausstellung "Körperwelten". Ablehnung kommt vor allem aus
der Kirche und der regionalen Politik. Der Berlin-Brandenburger Bischof
Wolfgang Huber etwa kritisierte von Hagens "inakzeptablen Umgang mit menschlichen
Leichen", wie sie in den Ausstellungen zur Schau gestellt würden.
Von einer Störung der Leichenruhe sprach der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete
Steffen Reiche. Martina Münch, SPD-Abgeordnete im Brandenburger Landtag,
erinnerte an die "nicht unbedingt geklärte" Herkunft der Leichname.
Von Hagens war vorgeworfen worden, in seinem Werk in China auch Opfer der
Todesstrafe verarbeitet zu haben. Der Präparator bestreitet eine wissentliche
Verwendung. Körperwelten
Öffentliche Autopsie
Die Gubener Stadtspitze will von ethischen Bedenken nichts wissen
In Guben will von Hagens Präparate aus toten Tieren und aus menschlichen Leichenscheiben herstellen. Die Labore sollen in den leer stehenden Gründerzeithallen der "Gubener Wolle" mitten im Stadtzentrum eingerichtet werden. Auch das benachbarte alte Rathaus, aus dem die Verwaltung Mitte des Jahres auszieht, will von Hagens übernehmen und dort ein "Körperspenderzentrum" einrichten.
In einem Vorort des benachbarten Gubin
auf polnischer Seite war von Hagens mit ähnlichen Plänen zuvor
gescheitert. Dort war den mehrheitlich katholischen Bürgern das Hantieren
mit toten Menschen nicht geheuer.
Die Gubener Stadtspitze dagegen will von
ethischen Bedenken nichts wissen. "Man sollte das trennen vom Thema Moral
und Ethik", erklärte Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner.
Lieber sprach der FDP-Mann von einem Schub für die Wirtschaftsstruktur
der Grenzstadt.
Von Hagens verteidigt seine Arbeit stets als Dienst für die Wissenschaft
Hübner schwärmte von Touristenströmen, die von Hagens mit einer kleinen Dauerausstellung in die Stadt locken könne, und sah in dessen Aktivitäten einen positiven Faktor für das Image. Kritiker allerdings befürchten, dies könne nach hinten losgehen. Die einstige Wilhelm-Pieck-Stadt Guben (damals benannt nach dem dort geborenen ersten DDR-Präsidenten) könne auch als Leichenstadt Guben in die Geschichte eingehen, warnte Parlamentarierin Münch.
Von Hagens selbst verteidigt seine Arbeit stets als Dienst für die Wissenschaft. Zu einer bizarren Show allerdings geriet eine von ihm inszenierte öffentliche Anhörung, zu der am Montagabend die Stadtverordnetenversammlung geladen hatte. Flankiert von einem präparierten Affen pries "Dr. Tod", wie ihn "Der Spiegel" nannte, erneut seine Plastinationsmethode als Durchbruch in der modernen Anatomiewissenschaft. "Ich sehe mich als Aufklärer", rief er ins Mikrofon und hielt eine Leichenscheibe ins Scheinwerferlicht.
"Erst kommt eben das Fressen und dann die Moral"
Durch seine Plastinierung werde ein Leichnam von einem Objekt der Trauer zu einem Objekt der Aufklärung, dozierte von Hagens. Im Übrigen gebe es doch auch jetzt schon Leichen in Guben: "Auf dem Friedhof, aber da sind sie nutzlos." Fast alle der etwa 800 Zuhörer in der überfüllten Sporthalle bejubelten solche Aussagen. Einige fragten direkt, ob sie sich schon jetzt bewerben könnten und welche Fähigkeiten sie mitbringen müssten. "Die Mehrheit der Mitarbeiter braucht keine spezielle Ausbildung", entgegnete von Hagens. Andere Gäste erkundigten sich, auf welche Weise sie sich dem Präparator nach ihrem Tod zur Verfügung stellen könnten. Dafür hatte von Hagens vorgesorgt: Anträge auf eine so genannte Körperspende lagen ebenso wie kostenlose "Körperwelten"-Kataloge am Saaleingang aus.
Am Ende hatte der umstrittene Mediziner die Zuhörer auf seiner Seite. Etwa 80 Prozent der Anwesenden hoben mit begeistertem Gesichtsausdruck den Arm, als er fragte, ob er nach Guben kommen solle. Er werde mindestens 3,5 Millionen Euro in die alten Fabrikgebäude investieren und innerhalb von fünf Jahren 200 Arbeitsplätze schaffen, versprach er. Öffentliche Förderung wolle er nicht. Auf die Frage, weshalb er ausgerechnet nach Guben kommen wolle, hatte von Hagens geantwortet: "Weil hier 1854 der wasserdichte Wollhut erfunden wurde." Kritiker vermuten jedoch, dass Ansiedlungspläne des bekennenden Hutträgers im wohlhabenderen Westdeutschland weitaus schwerer durchzusetzen wären. "Hier aber - und das ist das traurige - wird er mit offenen Armen empfangen", sagte Zuhörer Andreas Gast nach der Anhörung. "Erst kommt eben das Fressen und dann die Moral."
Sven Kästner/AP
Artikel vom 24. Januar 2006
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