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THEMA:   Heraus aus dem Schatten

 14 Antwort(en).

pheedor begann die Diskussion am 08.04.07 (23:57) :

Nach ein paar wenigen Kilometern durch schattige und daher bescheiden temperierte Betonschluchten, machte sich trotz des grassierenden Friedensdemogelüstes, einer tiefsinnigen Anfeuerungsrede und des Heileweltherbeibetemarsches die Entscheidung breit, in wärmere Gefilde auszuweichen. So scherte ich dann bei nächster sich bietenden Gelegenheit links aus, um nach einer Stunde die Ruhrauen zu erreichen…

… und dort war er dann, der Frieden, hell, weit, warm, fließend, schwimmend und duftend, und gut gelaunte Leute, viele lachende Kinder auf ihren kleinen Fahrrädern waren auch da, und ernsthaft frug ich mich, weshalb die Leute im Schatten demonstrierend marschieren, er ist doch da, der Frieden, man muß ihn nicht einmal suchen, nur sehen...

… daß ich wegen wehrkraftzersetzender Äußerungen von der Friedensbewegung gerügt werde, ist wohl zu erwarten, ich höre jetzt schon die mahnenden Worte, „Sie sind nicht mit dem notwendigen Ernst bei der Sache“, na ja. Muß ich mich um diesen wohl mehr bemühen?…

(Auszug)


Vorlesefunktion  Claude antwortete am 09.04.07 (08:53):

Teufel aber auch pheedor, das ist ja Blasphemie was du da schreibst, du lässt ernsthafte Bemühungen vermissen zu beweisen das überall in Deutschland immer ein wenig die Welt untergeht!!! ;-)) Ja unterzugehen hat, wo kämen wir denn hin wenn es nicht so wäre!!??

Aber im Ernst, mir sind ähnliche Gedanken in ähnlichen Situationen auch schon gekommen und bekommen, mit der Kritik einer speziellen Sorte Mitmenschen kann ich gut leben!!
Freundlicher Gruß Claude


Vorlesefunktion  Karl antwortete am 09.04.07 (19:24):

Pheeedor schreibt "… und dort war er dann, der Frieden, hell, weit, warm, fließend, schwimmend und duftend, und gut gelaunte Leute, viele lachende Kinder auf ihren kleinen Fahrrädern waren auch da, und ernsthaft frug ich mich, weshalb die Leute im Schatten demonstrierend marschieren, er ist doch da, der Frieden, man muß ihn nicht einmal suchen"


Wie wahr! Meine Antwort auf deine Frage ist, dass es Menschen gibt, die wollen, dass diese Szenen erhalten bleiben oder auch dort möglich werden, wo heute nur Blut und Tränen fließen.


Vorlesefunktion  pheedor antwortete am 09.04.07 (20:56):

hallo,

da bin ich doch nun über die Jahre mit marschiert, doch fragt man sich mittlerweile, ob es um die Sache, deretwegen demonstriert wird, überhaupt noch geht...

... an diesem Punkt angelangt bin ich dann ausgeschert, das Wetter bot sich dazu an, in eine - meinetwegen - heile Welt, und die hat befriedigt...


Vorlesefunktion  Claude antwortete am 09.04.07 (21:22):

Karl sie werden aber nicht überall möglich sein diese Szenen die wir uns alle wünschen, sie anzustreben ist nobel sie zu ermöglichen unmöglich, glaube ich.
Gruß Claude


Vorlesefunktion  Marina antwortete am 09.04.07 (22:01):

Viel Spaß bei der Flucht in die Innerlichkeit. Gut, dass es noch Leute gibt, die versuchen, darüber hinauszugehen; mit "vielen lachenden Kindern auf ihren kleinen Fahrrädern" allein, so schön, wie diese Szene ist, hätte der Vietnamkrieg wahrscheinlich noch ein paaar Jahre länger gedauert.


Vorlesefunktion  pheedor antwortete am 09.04.07 (22:50):

... und wäre der Irak-Krieg nicht eingetreten, und würde der Iran-Krieg nicht kommen...


Vorlesefunktion  eko antwortete am 09.04.07 (23:29):

Wenn durch diese Ostermärsche auch nur eine Träne weniger vergossen werden würde und auch nur ein Tropfen Blut weniger fließen würde, sähe ich wenigstens noch einen Sinn darin und würde selbst mitmarschieren.

So aber kann ich keinen Sinn darin sehen, denn diejenigen, die für Blut und Tränen verantwortlich sind, kümmern sich doch keinen Deut darum und so bleiben diese Ostermärsche für mich nur.............. Selbstzweck.

Das wird Karl sicher nicht gefallen, aber so ist es doch und ausserdem halte ich es für Traumtänzerei, zu glauben, es gäbe dadurch mehr Frieden auf der Welt. Wir schaffens ja noch nicht einmal hier im ST. Um wieviel schwerer wird es in der großen weiten Welt sein.


Vorlesefunktion  Karl antwortete am 10.04.07 (10:37):

Wenn du belegen könntest, eko, dass keine Träne weniger vergossen und kein Tropfen Blut weniger fließen würde, gäbe ich dir recht. Solange aber nicht bewiesen ist, dass Politiker eben doch auf ihr Wahlvolk schielen und ihre Politik beeinflussen lassen (s. z. B. Vietnamkriegsende, jetzige Diskussion in den USA über den Irakkrieg), halte ich deine Behauptung, dass Friedensdemonstrationen nichts ausrichten für eine Schutzbehauptung, damit du dein "gutes" Gewissen beim Nichtstun nicht verlieren musst.


Vorlesefunktion  Marina antwortete am 10.04.07 (10:58):

Karl, das hast du wunderbar treffend forumliert. Ich hatte haargenau den gleichen Gedanken, war aber nicht in der Lage, ihn so prägnant und präzise auszudrücken. Gratulation. Manchmal bist du einfach unschlagbar. Ich schicke dir einen virtuellen Handkuss rüber, nur einen Handkuss, keine Sorge. :-))


Vorlesefunktion  kropka antwortete am 10.04.07 (12:12):

Bravo Karl! Und Dir, Marina, schicke ich eine virtuelle herzliche Umarmung! Darf ich?


Vorlesefunktion  kropka antwortete am 10.04.07 (12:46):

pheedor am 08.04.07 (23:57): 'Muß ich mich um diesen wohl mehr bemühen?… '

Muß du nicht. Und doch würde ich "meine Sonne" gegen "den Schatten" gerne tauschen.. wäre ich hier nicht am A der Welt :(


Vorlesefunktion  pheedor antwortete am 10.04.07 (13:18):

@kropka,

bin ja nicht gegen die Ostermärsche, habe über Jahrzehnte an ihnen teilgehabt...

... bin nur einer inneren Eingebung gefolgt, mehr nicht...


Vorlesefunktion  kropka antwortete am 10.04.07 (13:49):

@Pheedor
Das hast du jetzt schön gesagt! Willst du einen Bonbon?.. :-)

Nur was eine 'innere Eingebung' ist, erkläre es mir bitte. Ist es wie.. eine 'innere Berufung'? ;-))

Lieben Gruß an dich, jetzt will ich aber doch in die Sonne! Bis dann...


Vorlesefunktion  hugo1 antwortete am 10.04.07 (16:52):

eko, als ich in den sechzigern die Berichte über die westdeutschen Ostermärsche sah (und ich glaube, darüber wurde im Osten fast mehr als in der BRD berichtet ) hatte ich schon das Gefühl das sich die Regierung davon ein wenig auf den Schlips getreten fühlte.

Auch die Debatte um die atomare Aufrüstung und später wegen des NATO-Doppelbeschluss zur Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen wurden in den Medien kräftig angefacht.

Und wenn Du bedenkst was aus solch relativ kleinen Montagsmärschen in der DDR für eine gewaltige Bewegung und Umwälzung hervorging, dann sollte Dir das auch zu Denken geben.

Es verbindet und erhebt gewaltig, wenn man mal in einem Zug von einer halben Millionen Menschen für eine gerechte Sache mitmarschiert ist. Das waren sicher nicht alles Traumtänzer. So ein Erlebnis vergisst man nicht.