Zur Seniorentreff Homepage
Google
Web  ST 

Aktuell Grußkarten ChatsPartnersucheFreundeKleinanzeigenLesenReisen ShopHilfe



Archivübersicht

Vorlesefunktion den ganzen Text zum Thema vorlesen

THEMA:   Der letzte Mordfall meines Bruders

 14 Antwort(en).

emilwachkopp begann die Diskussion am 19.04.07 (00:17) :

Die Leiche – eine Frau mittleren Alters – hatte 26 Einschüsse im Rücken, woraus mein Bruder, der Kriminalkommissarassistent Knut Wachkopp, den Schluss zog, dass die Frau erschossen worden sei. Selbstmord hingegen schloss er aus, da aus dem Bericht des Gerichtsmediziners hervorging, dass schon der dritte Einschuss tödlich gewesen ist. Ein Toter, sagte sich mein Bruder, könne seinen Revolver nicht so oft nachladen.
Es handelte sich also augenscheinlich um ein Tötungsdelikt, wobei noch zu ermitteln war, ob es sich um Notwehr, Fahrlässigkeit, einen Unfall oder um mutwillige Tötung handelte.
Der Mann der Toten, ein fünfundzwanzigjähriger Berufsverbrecher und nun Alleinerbe eines stattlichen Vermögens, wurde bibbernd und schlotternd, mit einem irren Leuchten im starren Blick, in der Hamburger Innenstadt, in der er offenbar ziellos herumirrte, von der Polizei aufgelesen und sofort festgenommen. Den rauchenden Revolver, aus dem die tödlichen Schüsse abgefeuert worden waren, hielt er noch in der Hand. Kurz: Der Fall schien so glasklar, dass man ihn getrost meinem Bruder anvertrauen zu können glaubte, damit dieser, zwei Wochen vor seiner Pensionierung, seine Karriere mit seinem ersten gelösten Fall abschließen könnte. Aber mein Bruder wäre nicht mein Bruder, wäre er nicht ein Wachkopp. Darum sagte er sich: „Das passt alles. Aber gerade das stört mich. Alles passt zu gut. Da muss etwas anderes hinter stecken.“
Es musste noch einmal der einzige Zeuge ausgequetscht werden, der eine Person – vielleicht den mutmaßlichen Täter – aus dem Hause, in dem die Tat begangen worden war, zu dem Zeitpunkt, da diese begangen sein konnte, aus dem Hause hat laufen sehen. „Wie’n Bekloppten. Als wenn er spanischen Pfeffer im A …[Zensur] hatte.“
Dieser Zeuge, von dem nun so viel abhing, war Edmund, und dieser war natürlich zu dem Zeitpunkt, da er der Szene Zeuge wurde, besoffen. Auf der anderen Seite war Edmund stets besoffen, so dass er auch zur Vernehmung besoffen erschien und seine Zeugenaussage vor Gericht im besoffenen Zustand ablegen würde. Aber da der Dusel Edmunds natürlicher Zustand war, hielt mein Bruder es für zweckmäßig, seinen einzigen Zeugen nicht durch von außen aufgezwungene Nüchternheit völlig aus dem psychischen Gleichgewicht zu bringen, so dass dieser, als Fremder in seiner eignen Haut, am Ende nur dummes Zeug daherfaseln würde.

„Sie haben also den Mann aus dem Haus laufen sehen?“
„Ja, gesehen auch etwas, aber vor allen Dingen gespürt, weil der rücksichtslose Kerl mir doch umgerannt hat. Dafür verlange ich Schadenersatz.“
„Können Sie den Mann beschreiben?“
„Na ja, beschreiben … Irgendwie sah er aus wie Emil, Ihr Bruder, Emil Wachkopp. Bloß länger war er. Doppelt so lang wie Emil, mindestens.“
„Wie lang war der Verdächtige Ihrer Meinung nach.“
„In Worten?“
„In Zentimetern.“
„In Zentimetern weiß ich nicht. Ein Meter Achtzig in Metern berechnet, würd ich mal sagen.“
„Demnach wäre mein Bruder Emil also kleiner als 90 Zentimeter.“
„Tatsächlich? Der müsste doch aber größer sein. – Aber das ist bloß deshalb, weil ich Emil immer auf Augenhöhe sehe. Aber der verrückte Hund hatte mir doch umgerannt und deshalb hab ich ihn nur von unten gesehen. Das täuscht.“
„Können Sie sonst noch etwas über das Aussehen des vermutlichen Täters sagen?“
„Vermutlich? Der war das! Jemand, der mir so brutal umrennt, der ist zu allem fähig. Das hätten Sie mal erleben sollen, wie das um den gefunkt hat.“
„Gefunkt?“
„Ja, Funken gesprüht har er. Wie eine Wunderkerze brannte der.“
„So, so! Und Sie sind sicher, dass das kein Weihnachtsbaum gewesen ist, den Sie da gesehen haben?“


Vorlesefunktion  emilwachkopp antwortete am 19.04.07 (00:19):

„Das dachte ich doch auch zuerst. Dass ich gegen einen Weihnachtsbaum gerannt bin. ‚Wo kommt der denn her’, denk ich noch, ‚mitten in Juli.’ Aber denn dacht ich mir, dass ich wull bloß Sterne gesehen hab, weil der mir doch umgerannt hat, dass ich mit den Hinterkopp aufs Pflaster geknallt bin.“
„Das auch noch.“
„Aber mal eine wichtigere Frage. Kann man hier was zu Saufen kriegen?“
„Kaffee oder Tee?“
„Pfui Deibel, denn lieber Benzin.“
„Gleich gegenüber ist eine Tankstelle.“
„Das ist ein Verstoß gegen die menschlichen Menschenrechte, Zeugen auf die Polizeiwache zu foltern. Dafür kann ich Sie belangen.“
„Na, Sie werden es wohl noch eine Weile aushalten.“
„Aber nicht mehr lange und ich kipp vom Hocker.“
„Na ja, wollen mal sehen, was ich im Schreibtisch habe.“
Nach der vierzigsten Flasche wurde Edmund wieder gesprächig: „Ihr seid nett, Ihr Polizisten von heute. Jedenfalls netter als wie die Gangster. Rennen einen auf offener Straße glatt um!“
„Vielleicht können wir jetzt die Vernehmung fortsetzen. Können Sie auch etwas Brauchbares über das Aussehen des Verdächtigen sagen?“
„Der war sehr dünn. Noch dünner als wie Emil. Ich dachte doch noch: ‚Wo nimmt denn so ein Spittel die Kraft her, ein Koloss wie mir umzuwerfen?’“
„Und wie ‚dünn’ schätzen Sie den Verdächtigten?“
„Na, höchstens fünfzehn Zentimeter.“
„Vom Umfang??“
„Den Umfang konnte ich leider nicht erkennen. Ich mein die Breite.“
„Fünfzehn Zentimeter breit??“
„Vielleicht war das seine Seite, die ich gesehen hab. Denn wäre er nicht fünfzehn Zentimeter breit sondern dick. Aber nicht vom Umfang sondern als seitliche Silhouette gesehen.“
Dann stellte mein Bruder endlich die Frage, die er eigentlich zuerst hätte stellen sollen, um sich viel unnötige Verhörsarbeit zu ersparen: „Würden Sie den Verdächtigten wieder erkennen?“
„Vons Aussehen her nicht. Aber ich hab mir gedacht, wenn man die ganze Szene noch einmal rekonsterieren könnte und er mir noch mal umrennt. Genau so, wie er es vorher getan hat. Denn könnt ich vielleicht vons Gefühl her sagen, ob das mit meinen Originaleindrücken übereinstimmt oder nicht.“
„Herr X, ich lasse von mir hören, falls ich noch weitere Fragen habe.“
„War mir ein Vergn ..icks ügen, Herrschwommischar.“
„Das ist die Schranktür. Da geht’s raus.“

Mein Bruder ging einfach zwei Wochen früher in Rente, und so war der Fall wenigstens für ihn gelöst.


Vorlesefunktion  kropka antwortete am 21.04.07 (11:02):

Emil?
Eeeeeeeeemil!...

Melde dich doch bitte lieber EmilMensch, kurz aber melde und schreibe, WO ich dich sonst noch lesen kann wenn du hier schon abgemeldet bist?? Mann, oh Emil, ich will es nicht missen und bin so hilflos, und abgemeldet bin ich auch :-(
Ich erinnere mich an eine deine ehemalige Landesadelsmann-Eigenschaft.. "über' s Fenster klettern"... Das kannst du auch wunderbar! ;-)) Ich habe DANK dir viel gelacht... Hast du ein Zuhause? In einem Buch vielleicht? In einer Zeitschrift?
Und ich möchte noch unbedingt, bevor ich mich hier jetzt wieder abmelde, deinen Bruder Knut, (was für ein süßer Berliner Name!), den großen Kriminalkommissarassistenten sehr herzlich grüßen kropka.

Da ist die Schranktür. Da gehe ich rein :-) und warte...


Vorlesefunktion  emilwachkopp antwortete am 21.04.07 (22:53):

Hallo Kropka,

ich melde mich bald im neuen Forum. Das ist, weil ich doch den Sommer in meinem Landhäuschen verbringe. Da muss ich mir aber erst eine E-Mailadresse besorgen.
Eigentlich ist noch kein Sommer, aber es wurde um Ostern rum plötzlich so warm, dass ich ganz automatisch losgezogen bin. Ich glaube, ich bin eigentlich - von oben her - als Zugvogel gedacht. Jedenfalls beweg ich mich immer auf der Vogelfluglinie.


Vorlesefunktion  schorsch antwortete am 22.04.07 (10:24):

Warum denn eine neue E-Mail-Adresse besorgen, Emil? Tuts die alte nicht mehr?


Vorlesefunktion  kropka antwortete am 22.04.07 (23:37):

Hallo Schorsch, Du auch noch hier? Ich bin sicher viele vermissen dich dort. Emil fliegt auch bald hin...
Schreibt mir dann bitte wie es Euch geht. Und jetzt bin ich raus!


Vorlesefunktion  schorsch antwortete am 23.04.07 (10:24):

kropka, Was heisst "auch noch hier"? Ich gucke in beiden Foren. Dieses hier liegt mir aber immer noch besser. Schade, dass man nicht einfach die neuen Futures im alten einbinden konnte....


Vorlesefunktion  kropka antwortete am 23.04.07 (11:55):

Richtig Schorsch, schade. Gruß kropka


Vorlesefunktion  wanda antwortete am 23.04.07 (16:11):

bin etwa 5o m über Euch, darunter war es mir zu warm. LG wanda


Vorlesefunktion  Karl antwortete am 23.04.07 (16:57):

Hallo Schorsch,


dieses Forum ist über das neue noch erreichbar und wird es auch bleiben. Wer lieber hier schreibt, soll es tun.

Beste Grüße, Karl


Vorlesefunktion  Karl antwortete am 23.04.07 (17:00):

Nachtrag: Aber für Leute, die auch längere Texte gern publizieren wie Emil, schorsch, kropka und auch wanda ist die Möglichkeiten zu Bloggen im neuen Seniorentreff doch ideal. Es ist auch einfach, so dass es jeder lernen wird:

Internet-Tipp: http://community.seniorentreff.de/hilfe/art72,804.html


Vorlesefunktion  kropka antwortete am 23.04.07 (23:52):

Wanda?
Komm doch bitte etwas runter, nachts kühlt auch hier ab und ich kann doch nicht immer so schreien ;-)
Lass uns die Emil VogelFluglinie nehmen, bald hat er die neue E-Mailadresse also kein Problem auch sein Landhäuschen zu finden und.. irgendwann landen wir.. so um den 20.05.07 in Berlin bei Wallenstein 1. Reihe Mitte !! (In der Kindl-Halle auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei - Werbellinstr. 50 12053 Berlin Neukölln)

http://www.berliner-ensemble.de/images/sitzplan_wallenstein.jpg

"Die Schwierigkeit, einen Entschluß zu fassen, ist Gegenstand des Stücks. Der Mensch ist frei: er kann sich so oder anders entscheiden. Aber wie er sich auch entscheidet, es wird schlecht ausgehen. Denn genau jene Hybris, sich als entscheidungsberechtigt zu setzen, ist es, die die Götter strafen. Das ist die Mitteilung der Tragödie." (Peter Stein)

Nachtrag:
Ein 'Gedichtchen' zum zusammen singen!
(Es ist auch einfach, so dass es jeder lernen wird)

An das Baby

Alle stehn um dich herum:
Fotograf und Mutti
und ein Kasten, schwarz und stumm,
Felix, Tante Putti...
Sie wackeln mit dem Schlüsselbund,
fröhlich quietscht ein Gummihund.
"Baby, lach mal!" ruft Mama.
"Guck", ruft Tante, "eiala!"
Aber du, mein kleiner Mann,
siehst dir die Gesellschaft an...
Na, und dann - was meinste?
Weinste.

Später stehn um dich herum
Vaterland und Fahnen;
Kirche, Ministerium,
Welsche und Germanen.
Jeder stiert nur unverwandt
auf das eigne kleine Land.
Jeder kräht auf seinem Mist,
weiß genau, was Wahrheit ist.
Aber du, mein guter Mann,
siehst dir die Gesellschaft an...
Na, und dann - was machste?
Lachste.

Kurt Tucholsky

Internet-Tipp: http://www.berliner-ensemble.de/


Vorlesefunktion  schorsch antwortete am 24.04.07 (08:19):

Karl, danke für das Verständnis. Im Moment habe ich aber den Kopf voller anderer Sorgen. Dabei läuft mir die Zeit davon und ich muss mich auf das Notwendigste konzentrieren.

Gruss

Schorsch


Vorlesefunktion  wanda antwortete am 24.04.07 (13:04):

kropka, ich ´überlege ernsthaft, ob ich nicht nach Berlin komme und werde mich auch bald entscheiden. Danke, dass du an mich gedacht hast und mir das alles vermittelst.
karl, Dir auch danke, dass du mich nicht vergisst - diese Art von blog ist doch nur speziell für einen selbst und dann evtl. noch für die Mitglieder, die einen gerne lesen und dann kommen aber die anderen dazu, die das nicht tun und für diese schreibe ich nicht mehr.


Vorlesefunktion  nasti antwortete am 25.04.07 (09:30):

Hallo an alle an dieser Seite!

Haben Sie sich gesammelt meine Lieblings Forum beteiligten, alle mit große Vorliebe zum Literatur.
Und Emil Wachkopp, wieder ein Genus deine Witz-Krimi, und ich schließe mich Kropka Text an.
Freut mich sehr das das alte ST bleibt vorhanden,


LG

Nasti