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THEMA: Scheußliche Augenblicke ins Leben
8 Antwort(en).
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emilwachkopp
begann die Diskussion am 17.07.07 (02:37) :
Es hat auch scheußliche Augenblicke in meinem Leben gegeben. Wie könnte es anders sein? Ein Arbeitskollege, der ein einfacher, aber kluger Mann war, sagte mir einmal: „Jeder bekommt in seinem Leben ein Paket, das Gutes und Schlechtes enthält. Leider sind aber Gutes und Schlechtes so verdammt ungerecht verteilt.“
Ich war damals noch so guten Selbstvertrauens, dass ich alles Schlechte, das sich gegen Emil richtete, nicht nur als Ungerechtigkeit, sondern geradezu als Blasphemie empfand. Urgroßmutter, die russisch orthodoxe Prophetin und Sachkundige in geistlichen Familienfragen, unkte: „Übermut tut selten gut! Aber die himmlischen Mächte werden dich schon bald wachrütteln.“ Wie immer bekam sie auch diesmal Recht.
Ich weiß heute nicht mehr, ob das die Semesterferien nach dem ersten oder zweiten Semester waren. Es ist auch egal, denn es hätte sich an meinem Wissensstand ohnehin nicht ablesen lassen. Da wuchtete ich in einem Tiefbauunternehmen, weil die Stelle als Apothekenbote schon vergeben war. Man drückte mir einen riesigen Betonbohrer an die Brust, unter dem ich dann so manches Mal begraben liegen sollte. Aber das Schlimmste war dieses schauderhafte Gerüttel und Geschüttel, das sich auf mein empfindsames Nervensystem übertrug und sich dort fortpflanzte. Eines Morgens erwachte auf dem Fußboden liegend, und mein Bett war nirgends zu sehen. Erst später ging mir ein Licht auf. Ich hatte es im Schlaf so zerschüttelt und zerrüttelt, dass ich es in einen Haufen Splitter und Sägemehl zersetzt hatte. „Wat bibbert Emil denn so?“ fragte mein beunruhigter Vater. „Es ist doch wohl nicht das Nervenfieber?“ fragte meine ebenso beunruhigte Mutter. „Gott läutert ihn“, erklärte meine gar nicht beunruhigte Urgroßmutter cool und wollte uns sofort zu einer Andacht versammeln. „Wir müssen Emils Schutzheiligen hübsch anflehen.“ Doch Vater hatte seine säkularen Zweifel: „Wi schicken em man better maal na’n Vehdoktor röver. De kann sik em maal ankieken.“
Dem Tierarzt war mein Leiden gänzlich unbekannt. Auch konnte er Puls und Herzschlag nicht messen, weil das Stethoskop unaufhörlich hüpfte. Um sich aber seine Unwissenheit nicht eingestehen zu müssen, schrieb er mich – provisorisch sozusagen – krank wegen Hühnerpest. Er empfahl mir Nestruhe und ein stärkendes Kraftfutter. So oder so ähnlich lautete zu meiner Zeit jede ärztliche Empfehlung, wenn der Arzt sich eigentlich keinen Rat wusste. Erst mit dem medizinischen Puritanismus wuchs das Misstrauen gegenüber dem Müßiggang und wurde der Glaube an die magische Heilkraft stetiger Emsigkeit genährt. Den Tierärzten ist dieser Puritanismus aber immer ebenso fremd geblieben wie den Aristokraten. Auf der Arbeit entließ man mich sofort, weil Hühnerpest doch ansteckend ist. „De kriegt mi hier alltohoop noch das Bibbern!“ polterte der Kolonnenführer; und ich widersprach nicht.
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kropka
antwortete am 17.07.07 (07:38):
Emil, wie schön dass du wieder schreibst, dass ich dich wieder hier lesen darf! Danke.
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wanda
antwortete am 17.07.07 (14:13):
emil, ich schließe mich kropka an, frage mich aber ,warum Du jetzt überwiegend hochdeutsch schreibst, der mensch ist ein Gewohnheitstier und das befremdet mich.
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Lars
antwortete am 17.07.07 (23:10):
Möchte auch dem Emil danken. Es brennt hier doch immer noch ein "Feuerlein". Der Mensch ist halt doch ein "Herdentier", muss das immer wieder feststellen! Würde mich freuen, wenn es hier bei "Allgemeinen Themen",noch was für unentwegte zu schreiben gibt? Wünsche allen, auch die im neuen Forum noch eine schöne heisse Woche, hatten heute über 34 Grad im Schatten. Ueber scheussliche Augenblicke werde ich hier auch mal berichten, es gibt in meinem Leben viele davon!
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wanda
antwortete am 18.07.07 (08:30):
wie gut es die natur doch eingerichtet hat, bei scheußlichen Augenblicken muss ich nachdenken, während mir schöne sofort einfallen.
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Lars
antwortete am 18.07.07 (10:22):
Möchte dir Recht geben liebe Wanda, trotzdem sind schlimme Sachen immer noch prensent im eigenem Leben und werden es sicher bleiben! Die allermeisten Menschen hätten sicher was zu berichten, über aussergewöhnliches in ihrem Leben, da bin ich mir ganz sicher? Aber viele möchten nicht darüber schreiben/reden, fressen alles in sich hinein, ob das, das Richtige ist? Und ob das betreffend Gesundheit nicht schaden kann? Viele Fragen über die man sicher nachdenken sollte!
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kropka
antwortete am 18.07.07 (11:59):
Emil, Dass 'röver' kein Fahrrad ist, weiß ich inzwischen :-) Was aber 'alltohoop' ist?... Versuche du jetzt alle hier zufrieden zu stellen.. Nein, bitte versuche nicht. Gruß und Dank von kropka
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nasti
antwortete am 18.07.07 (12:25):
....Er empfahl mir Nestruhe und ein stärkendes Kraftfutter....
habe mich kaputt gelacht. Kann möglich sein das die Viehdoktore früher waren mit mehr kreative Kräfte ausgestattet wie heute unsere Ärzte mit tausende von unbekannten Medikamenten.
Grüsst Nasti
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plumpudding
antwortete am 19.07.07 (09:50):
bin heilfroh, dass du wieder da bist. hab dich richtig vermisst
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