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THEMA: Schnelle Finger und unbegreifliche Musik
3 Antwort(en).
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emilwachkopp
begann die Diskussion am 30.01.08 (01:57) :
Fiete war ein Monstrum an Fingerfertigkeit. Er konnte seine Finger so schnell bewegen, dass man sie gar nicht mehr sah. Er wäre zweifellos ein hervorragender Bettler geworden, denn sicher hätte manch warmherziger Mensch ihm ein paar Kröten in die vermeintlich verstümmelten Hände gelegt. Aber Fiete hatte es sich in den Kopf gesetzt, seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit zu verdienen. Vor der Arbeit ist die Lehre. Darum versuchte Fiete es an der Musikakademie als Klavierstudent. Dort wurde er bestaunt, denn gegen ihn war Händel eine Schnecke. Allerdings stellte sich sehr bald heraus, dass Fiete gänzlich unmusikalisch war und sich streng genommen nur Blödsinn zurechtklimperte. Zwar klimperte er so wild drauflos, dass die meisten Töne gar nicht zu hören waren sondern quasi so miteinander verschmolzen, dass sie zu einer statischen, bewegungslosen Geräuschkulisse erstarrten. Auch das Wenige, was distinkt hörbar war, machte überhaupt keinen Sinn. Man schickte ihn deshalb in einen Jazzkeller nach Dortmund. Dort wurde aus seinem rasenden Geklimper zwar auch keiner klug, aber es animierte immerhin zu klugen Interpretationen und Analysen. Es wurde sogar eine Dissertation über sein Geklimper verfasst. Eine Neuinterpretation der Relativitätstheorie, der zufolge der höchste Punkt der Geschwindigkeit erstarrte Masse sei. Tatsächlich wurde Fiete mit der Zeit so schnell, dass er nur einen einzigen Dauerton erzeugte. Der wurde zwar auch vom Laien verstanden, aber als langweilig empfunden. Und nach tanzen konnte man schon gar nicht. Deshalb ging Fiete zu einer Bank als Banklehrling. Irgendwas wird sich zwischen diesen beiden Ereignissen zugetragen haben. Aber ich weiß nicht was.
In der Bank war Fiete eigentlich zu nichts zu gebrauchen, weil er sich für nichts nicht mal für die aktuellen Wechselkurse interessierte. Sein einziges Interesse galt der Bewegung seiner Finger. Man kündigte ihm als Lehrling und stellte ihn als Geldzähler ein. Er war in seinem Element. Kaum war der Auftrag, diesen oder jenen Batzen Geld zu zählen, ausgesprochen, war dieser schon zehnmal gezählt. Und kam immer dieselbe Summe dabei heraus, war Fiete sich seiner Sache gewiss. Gewonnen hat die Bank eigentlich nichts dabei. Was der Mensch nicht versteht, dem misstraut er. Da Fiete stets so schnell zählte, dass keine Bewegung zu sehen war, ließ man immer einen anderen Angestellte noch einmal nachzählen. Und zwar so langsam, dass es verständlich war. Fietes Karriere begann an dem Tag, da die Bank überfallen und ausgeraubt wurde. Laut Zeitungsmeldung sollten die Diebe 300 000 Mark erbeutet haben. In Wahrheit waren es aber nur zwei lumpige Zwanzigmarkscheine, die dazu noch gefälscht waren. Den Rest hatte Fiete sich unter den Nagel gerissen. Wie er das gemacht hat, weiß kein Mensch, denn alles ging so schnell, dass überhaupt nichts zu sehen war. Fiete kündigte, kaufte sich einen gebrauchten Volkswagen und machte eine eigne Bank auf. Er verdiente gut, allerdings weniger an den Zinsen als an den ständigen Raubüberfällen, bei denen die Diebe niemals mehr als zwei lumpige, gefälschte Zwanzigmarkscheine erbeuteten, so dass sich Fietes Geldbestand nach jedem Überfall verdoppelte. Denn er war natürlich allianzversichert.
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emilwachkopp
antwortete am 30.01.08 (02:01):
Fiete wurde allmählich so schnell, dass er sich selber ein Bein stellte. D.h. er verwandelte die Banküberfälle in ein lächerliches Spektakel, an dem nichts mehr zu verdienen war. Der Dieb stürmte in die Bank und hätte nun sagen wollen: Hände hoch! Dies ist ein Überfall. Aber er kam nur bis zu Hä
, und da war das Geld angeblich schon in seiner Tasche. Da der Dieb dem Vorgang gar nicht richtig hatte folgen konnte, schaute er in seiner Tasche nach und fand außer zwei gefälschten Zwanzigmarkscheinen nur wertloses Zeitungspapier. Wütend schüttete der gefoppte Dieb den Plunder aus und hätte nun sagen wollen: Keine krummen Dinger, Freundchen. Die Kohle in die Tasche, und zwar dalli. Aber er kam nur bis zu Kei
, und da war das Zeitungspapier schon wieder in seiner Tasche. Daraufhin befahl der Dieb dem Fiete, lediglich den Safe noch einmal zu öffnen, und er steckte sich die Geldbatzen eigenhändig in die Tasche. Aber als er kurz darauf weil ihm nun nichts mehr richtig geheuer war noch einmal in die Tasche schaute, war wieder nur Zeitungspapier drinnen, und das Geld war im Safe. So ging das noch eine Weile hin und her, bis der entnervte Dieb dem Fiete den Pistolenkolben an den Kopf knallte und wutschnaubend den Tatort verließ. Heute ist Fiete Klavierspieler in einer verräucherten Bar zweifelhaften Rufes. Er ist nicht die Hauptattraktion, denn das sind die Entkleidungskünstlerinnen auf der Bühne, deren Auftritte er lediglich seicht beklimpert. Er spielt immer noch rasend schnell und sinnlos, aber doch nach und nach langsam genug, dass immer mehr Töne zu hören sind. Wie er das macht? Nun, er spielt nur nebenbei und mit einem Finger. Seine Aufmerksamkeit ist nach wie vor einzig auf seine Fingerübungen konzentriert. Während der eine Finger distinkt Hörbares erzeugt, bewegen sich die übrigen neun Finger immer noch so schnell, dass sie unsichtbar werden. Nur greifen sie heute ins Leere.
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wanda
antwortete am 31.01.08 (16:40):
eine melancholische Geschichte lieber emil - oder sind es die Anfänge absurden Theaters ?
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kropka
antwortete am 01.02.08 (17:56):
Eine traurige Geschichte Emil... :-( zu traurig. Schau, hier spielt ein Klaviergenie, Murat Parlak, der sehr schnelle Finger hat und eine.. unbegreiflich geniale Musik am Klavier macht! : -) http://www.murat-parlak.de/ Liebe Grüße, auch an Wanda.
Internet-Tipp: http://de.youtube.com/watch?v=1t5XVDxSa-Y
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